#Corona

Corona

Quint-Essenz

Corona: Schockstarre

1945 1960 1980 2000 2020

Kolumnistin Brigitte Quint über den Ausnahmezustand als schützendes Kokon.

1945 1960 1980 2000 2020

Kolumnistin Brigitte Quint über den Ausnahmezustand als schützendes Kokon.

Irgendwie geht mir das alles zu schnell. Wie lange ist das her, dass wir verbarrikadiert in unseren Wohnungen saßen und hofften, der Corona-Tsunami würde vorüberziehen? Gefühlt war das vorgestern. Wie aus dem Nichts fiel die Maskenpflicht beim Einkaufen, die Flieger dürfen wieder abheben, und einem Urlaub in Norditalien steht kein Grenzposten mehr im Weg. Auch die Shoppingmeilen sind bumvoll, in den Öffis herrscht Gedränge. Schon klar, die niedrigen Infektionszahlen sprechen für diese Schritte und die Wirtschaft darf nicht noch mehr ausbluten. Trotzdem sitzt da ein unbehagliches Gefühl in meinem Bauch. Das ist nicht die Angst vor Ansteckung. Es fühlt sich eher an wie eine Art Abschiedsschmerz. So, als würde ein Besuch vorzeitig abreisen, obwohl man spürt, dass es noch etwas zu besprechen gegeben hätte.

Erinnerungen an die Beerdigung meiner Tante kommen hoch. Am Friedhof wurde geweint. Doch beim Leichenschmaus sprachen die Trauergäste über Balkonpflanzen, Backrezepte, Städtetrips. Die Leute schienen dort weiterzumachen, wo sie vor dem Todesfall aufgehört hatten. Ich unterstelle niemandem, nicht traurig gewesen zu sein. Vielmehr erschien es mir wie die Suche nach einem Stück Normalität, um den Schmerz über den Verlust zu dämpfen.

Corona hat uns gezeigt, wie schnell wir aus unserem gewohnten Leben gerissen werden können. Das war ein Schock. In der Traumatologie rät man dem Patienten nach so einem Ereignis, an bewährte Gewohnheiten anzuknüpfen. Angeblich schafft das Sicherheit und Geborgenheit. Was aber, wenn der Ausnahmezustand längst zum schützenden Kokon geworden ist? Ja, dann gilt es die nächste Metamorphose abzuwarten.

Lesen Sie auch die Quint-Essenz vom "Ersetzen in der Pandemie" oder "Ich will keinen Neuen!".

Irgendwie geht mir das alles zu schnell. Wie lange ist das her, dass wir verbarrikadiert in unseren Wohnungen saßen und hofften, der Corona-Tsunami würde vorüberziehen? Gefühlt war das vorgestern. Wie aus dem Nichts fiel die Maskenpflicht beim Einkaufen, die Flieger dürfen wieder abheben, und einem Urlaub in Norditalien steht kein Grenzposten mehr im Weg. Auch die Shoppingmeilen sind bumvoll, in den Öffis herrscht Gedränge. Schon klar, die niedrigen Infektionszahlen sprechen für diese Schritte und die Wirtschaft darf nicht noch mehr ausbluten. Trotzdem sitzt da ein unbehagliches Gefühl in meinem Bauch. Das ist nicht die Angst vor Ansteckung. Es fühlt sich eher an wie eine Art Abschiedsschmerz. So, als würde ein Besuch vorzeitig abreisen, obwohl man spürt, dass es noch etwas zu besprechen gegeben hätte.

Erinnerungen an die Beerdigung meiner Tante kommen hoch. Am Friedhof wurde geweint. Doch beim Leichenschmaus sprachen die Trauergäste über Balkonpflanzen, Backrezepte, Städtetrips. Die Leute schienen dort weiterzumachen, wo sie vor dem Todesfall aufgehört hatten. Ich unterstelle niemandem, nicht traurig gewesen zu sein. Vielmehr erschien es mir wie die Suche nach einem Stück Normalität, um den Schmerz über den Verlust zu dämpfen.

Corona hat uns gezeigt, wie schnell wir aus unserem gewohnten Leben gerissen werden können. Das war ein Schock. In der Traumatologie rät man dem Patienten nach so einem Ereignis, an bewährte Gewohnheiten anzuknüpfen. Angeblich schafft das Sicherheit und Geborgenheit. Was aber, wenn der Ausnahmezustand längst zum schützenden Kokon geworden ist? Ja, dann gilt es die nächste Metamorphose abzuwarten.

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