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Quint-Essenzen und Untiefen

DISKURS

Grüß Gott, Sie Flegel!

1945 1960 1980 2000 2020

Ein Vater aus dem Kindergarten verhält sich gegenüber Kolumnistin Brigitte Quint extrem unhöflich. Warum eigentlich?

1945 1960 1980 2000 2020

Ein Vater aus dem Kindergarten verhält sich gegenüber Kolumnistin Brigitte Quint extrem unhöflich. Warum eigentlich?

Letztens auf dem Spielplatz lief mein Kind einem mir unbekannten Buben in die Arme. Die beiden hüpften vor Freude ob des Wiedersehens. Der Bub hatte seinen Vater dabei. Ich grüßte den Mann. Er grüßte nicht zurück. Ich dachte, er hätte meinen Gruß nicht registriert. Also grüßte ich noch einmal. Lauter, penetranter. Er grüßte wieder nicht zurück.

Ich folgte den Buben, die nun ein Wettschaukeln veranstalteten. Ich versuchte aus meinem Kind herauszukitzeln, woher es seinen Spielkameraden überhaupt kenne. Ich erfuhr, dass Jakob (Name geändert) neu im Kindergarten ist. Auch über bereits geschmiedete Pläne wurde ich informiert. Der Bub hat vor, in naher Zukunft bei uns zu übernachten. Und wie genau soll das ablaufen? Bringt dann der Vater sein Kind und holt es ab, ohne vorher „Grüß Gott“ zu sagen?

Ich setzte mich auf eine Bank. Ein paar Meter weiter saß der Vater. Totenstille. Minutenlang. Bis ich es nicht mehr aushielt. „Und ihr seid neu im Kindergarten?“, fragte ich. „Jup“, nuschelte er. Das Gespräch war damit beendet. Ich kochte innerlich. „Vielleicht spricht er kein Deutsch oder hört schlecht“, versuchte mich mein Mann später zu besänftigen. Fehlanzeige. Ich hatte diese Person klar und deutlich sprechen gehört. Sie sprach, nur eben nicht mit mir.

Mittlerweile treffe ich den Mann regelmäßig. Im Kindergarten. Er grüßt mich nicht. Und ich ihn nicht. Meine Wut ist aber verraucht. Wer weiß, was mit dem Typen los ist. Vielleicht gehört er einer Anti-Gruß-Bewegung an. Auch Grüßen setzt ja Aerosole frei. Er könnte auch sehr schüchtern sein. Oder er findet mich extrem unsympathisch. Denkt er am Ende gar, ich will ihn anbaggern? Fakt ist: Die Buben verstehen sich weiterhin blendend. Was wiederum für ihre Eltern bedeutet, dass sie sich weniger wichtig nehmen sollen.

Lesen Sie auch die Quint-Essenz "Der grüne Treppenwitz" oder "Buben in Röcken".

Letztens auf dem Spielplatz lief mein Kind einem mir unbekannten Buben in die Arme. Die beiden hüpften vor Freude ob des Wiedersehens. Der Bub hatte seinen Vater dabei. Ich grüßte den Mann. Er grüßte nicht zurück. Ich dachte, er hätte meinen Gruß nicht registriert. Also grüßte ich noch einmal. Lauter, penetranter. Er grüßte wieder nicht zurück.

Ich folgte den Buben, die nun ein Wettschaukeln veranstalteten. Ich versuchte aus meinem Kind herauszukitzeln, woher es seinen Spielkameraden überhaupt kenne. Ich erfuhr, dass Jakob (Name geändert) neu im Kindergarten ist. Auch über bereits geschmiedete Pläne wurde ich informiert. Der Bub hat vor, in naher Zukunft bei uns zu übernachten. Und wie genau soll das ablaufen? Bringt dann der Vater sein Kind und holt es ab, ohne vorher „Grüß Gott“ zu sagen?

Ich setzte mich auf eine Bank. Ein paar Meter weiter saß der Vater. Totenstille. Minutenlang. Bis ich es nicht mehr aushielt. „Und ihr seid neu im Kindergarten?“, fragte ich. „Jup“, nuschelte er. Das Gespräch war damit beendet. Ich kochte innerlich. „Vielleicht spricht er kein Deutsch oder hört schlecht“, versuchte mich mein Mann später zu besänftigen. Fehlanzeige. Ich hatte diese Person klar und deutlich sprechen gehört. Sie sprach, nur eben nicht mit mir.

Mittlerweile treffe ich den Mann regelmäßig. Im Kindergarten. Er grüßt mich nicht. Und ich ihn nicht. Meine Wut ist aber verraucht. Wer weiß, was mit dem Typen los ist. Vielleicht gehört er einer Anti-Gruß-Bewegung an. Auch Grüßen setzt ja Aerosole frei. Er könnte auch sehr schüchtern sein. Oder er findet mich extrem unsympathisch. Denkt er am Ende gar, ich will ihn anbaggern? Fakt ist: Die Buben verstehen sich weiterhin blendend. Was wiederum für ihre Eltern bedeutet, dass sie sich weniger wichtig nehmen sollen.

Lesen Sie auch die Quint-Essenz "Der grüne Treppenwitz" oder "Buben in Röcken".

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