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Ein Stück vom Paradies

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Der tropische Nordosten Australiens lockt mit endlosen Sandstränden und unberührtem Regenwald

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Der tropische Nordosten Australiens lockt mit endlosen Sandstränden und unberührtem Regenwald

Unberührte Naturlandschaft, ausgedehnte Regenwälder und kilometerlange Sandstrände: der tropische Nordosten Australiens ist für Naturliebhaber und Sonnenhungrige gleichermaßen ein Eldorado. Tausende Besucher kommen jährlich, um das "achte Weltwunder", das weltberühmte "Great Barrier Reef" zu bewundern. Dieses größte Korallenriffsystem der Erde erstreckt sich über mehr als 2.000 Kilometer parallel zur australischen Ostküste. Sogar vom All aus läßt sich das Riff noch gut ausmachen. Der äußere Gürtel der Riffkette bricht abrupt und steil bis in etwa 2.000 Meter Tiefe ab. Über 700 Inseln, von denen aber die wenigsten echte Koralleninseln sind, säumen die Küstenlandschaft.

Als Ausgangspunkt für eine Reise in den tropischen Norden Australiens eignet sich Brisbane. Für die 2.000 Kilometer nach Cairns sollte man sich mindestens zwei Wochen Zeit nehmen. Denn die Straßen sind, trotz der irreleitenden Bezeichnung "Highway" durchgehend nur zweispurig und streckenweise durch metergroße Schlaglöcher recht holprig. Die Verbindung auszubauen käme in dieser dünn besiedelten Gegend zu teuer, extreme Witterungsbedingungen tun ihr übriges.

Brisbane, Hauptstadt von Queensland, ist mit 1,4 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Australiens. Erst in den achtziger Jahren entwickelte sich aus dem verschlafenen Nest, das rund 1.000 Kilometer nördlich von Sydney liegt, ein Zentrum von Handel, Verwaltung und Finanz.

In Brisbane bieten zahlreiche Autovermieter ihre Dienste an. Ein Geländewagen mit Vierradantrieb ist für den Norden Australiens empfehlenswert, doch vergleichsweise teuer. Viele Gegenden können und dürfen allerdings mit einem "normalen" Auto nicht befahren werden. Heftige Regenfälle können die zahlreichen unbefestigten Straßen binnen kurzer Zeit in Schlammpfützen verwandeln.

Hat man vor, längere Zeit in "down under" zu verbringen, ist es oft günstiger, gleich ein Auto zu kaufen. In jeder größeren Stadt gibt es für diesen Zweck einen Autohandel. Unbürokratisch können so Autos gekauft und wieder verkauft werden. Campingausrüstung, Schlafsäcke und Zelte sind meist im Inventar inbegriffen.

Drei Autostunden nördlich von Brisbane liegt das faszinierende "Fraser Island", eine 123 Kilometer lange und bis zu 25 Kilometer breite Insel, die gänzlich aus Sand besteht. Riesige Mangroven- und Regenwälder bedecken das Eiland. Die Humusschicht ist nur ein paar Millimeter dick, darunter schimmert der weiße Sand durch. Das reicht aber dennoch für Baumgiganten mit einem Stammdurchmesser von mehreren Metern und einer Höhe von über 70 Meter.

Befestigte Straßen und Hotels gibt es auf Fraser Island nicht. Um auf der Insel übernachten zu können, braucht man schon ein Zelt - und eine Genehmigung. Diese sollte bei der lokalen Behörde rechtzeitig besorgt werden, da nur eine begrenzte Zahl von Besuchern gleichzeitig eine Erlaubnis erhalten. Wer keine Genehmigung erhält, kann vom Festland aus auch eine der zahlreich angebotenen Tagesausflüge buchen. Mit ein bißchen Glück sieht man während der Überfahrt - die oft recht stürmisch sein kann - einen Wal.

Erstaunlich ist auch, daß auf der Sandinsel mehr als 40 Süßwasserseen zum Baden einladen. Eine Attraktion der Insel sind die Dingos, die hier gar nicht schüchtern sind und Besucher um Essen anbetteln. Doch Vorsicht: so zutraulich diese Wildhunde auch aussehen mögen, so sind sie doch auch sehr unberechenbar. Fraser Island ist auch eine der wenigen Gebiete Australiens, die ohne "guide" ideal zum Wandern sind.

Am besten zu erreichen ist die Insel von "Hervey Bay". Zwischen Anfang August und Mitte Oktober spielt sich in der geschützten Bucht zwischen dem Festland und Fraser Island ein grandioses Schauspiel ab: die Buckelwale werfen ihre Jungen und lassen sich dabei, scheinbar teilnahmslos, beobachten.

Der trockenste Kontinent der Erde verblüfft im tropischen Norden mit saftigen Regenwälder. Zur Regenzeit kann dieses Paradies schon einmal zur grünen Hölle werden. Beste Reisezeit ist daher die "Trockenperiode" im Australischen Winter und Frühling. Die Monate Juli bis Oktober haben für den Besucher noch einen weiteren Vorteil: ab Oktober werden die sehr gefährlichen Würfelquallen (Box Jellyfish) an die Strände geschwemmt. Kommt man mit diesen Meerstieren ungewollt in Berührung, stoßen sie ein Nervengift aus, das sogar zum Tode führen kann. Überall an den Stränden sind daher Tafeln mit Notruftelefonen und Erste-Hilfe-Maßnahmen aufgestellt.

Weiters sehr unangenehm können im tropischen Norden die äußerst aggressiven Salzwasserkrokodile werden. Als Kaltblüter "verschlafen" sie den halben Winter. Im heißen australischen Sommer werden sie allerdings so richtig aktiv und schwimmen bis zu 100 Kilometer hinaus ins Meer. So mancher Taucher hatte bereits unangenehme Bekanntschaft mit den "salties" gemacht.

Cairns im hohen Norden ist zwar als Städtchen nicht besonders attraktiv, doch können von hier zahlreiche Aktivitäten, wie etwa mehrtägige Regenwaldwanderungen und Ausflüge zum Great Barrier Reef, gebucht werden. Für Schnorchler und Tauchbegeisterte ist Cairns ein idealer Stützpunkt, ist doch an dieser Stelle das Reef nur wenige Kilometer von der Küste entfernt. Auch wer noch keine Taucherfahrung hat und es gerne einmal ausprobieren möchte, kann mit einem der zahlreichen Ausflugschiffe erste Eindrücke gewinnen.

Von Cairns aus ist es auch nicht mehr weit bis zum Daintree-Nationalpark, einem der schönsten Regenwaldgebiete des australischen Kontinents. Auf dem Daintree-Fluß kann man in kleinen Booten aus sicherem Abstand die Salzwasserkrokodile beobachten.

Auch das Atherton Tableland im Landesinneren mit seinen zahlreichen Wasserfällen sollte man sich nicht entgehen lassen. Die saftig grünen Wiesen und Wälder erinnern an Mitteleuropa - wären da nicht die fremdartigen Farngewächse und Palmen. Zum Pflichtprogramm einer Cairns-Visite gehört die Fahrt nach Kuranda. Mit der Scenic Railway schwebt man in viersitzigen Gondeln hoch über den Regenwald - Schwindelfreiheit vorausgesetzt. Die weitere Fahrt Richtung Norden ist dann nur noch mit einem Geländewagen möglich - hier beginnt das unerschlossene Australien. Funkgeräte und ausreichend Wasservorräte können lebensrettend sein.

Und noch ein Tip: wer keine Flugangst hat und das Outback auf individuelle Weise entdecken will, sollte in Cairns den Briefträger anrufen. Zweimal pro Woche klappert der Postbote die Outback-Stationen und Farmen mit einem zweisitzigen Flieger ab. Auf diese Weise bekommt man die einmalige Gelegenheit, abgelegene Orte Australiens zu besuchen, an denen sich sonst garantiert kein Tourist verirrt.

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