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Stadt im Olympiafieber

Nach 22 Stunden Flug dröhnt die Boeing in der Morgendämmerung über ein scheinbar endloses Lichtermeer. Die Viermillionen-Metropole Sydney, flächenmäßig größer als Städte wie London oder New York, beginnt den Tag mit hektischer Betriebsamkeit. Auf den langgestreckten Straßen eine nahtlose Kette aus roten und weißen Lichtern: Morgenstau in der schönsten Stadt von "down under".

Beim Verlassen des Flughafens stellt sich leichte Ernüchterung ein: kein exotisches, fremdartiges Flair, auffällig sind auf den ersten Blick lediglich der Linksverkehr und die Sonne im Norden. Die Enttäuschung schwindet schnell, taucht man in das pulsierende Leben der Stadt. Die Uhren ticken hier doch etwas anders. Die Australier sind hilfsbereit und weltoffen. Es gilt das liebenswerte Lebensmotto: "no worries". Sonne, Strand und Spaß prägen das Leben. Freizeit wird groß geschrieben, Sport sowieso.

Sydney liegt am weitverzweigten Port Jackson, einem der spektakulärsten Naturhäfen der Erde. Hier war 1788 die Geburtsstunde der Besiedelung durch die Europäer. Am 26. Jänner - bis heute der "Australien Day" - ging ein Schiff mit 772 Häftlingen und 211 Soldaten vor Anker. Sie gründeten die erste britische Kolonie auf australischem Boden. Wer Australien tatsächlich "entdeckt" hat, ist umstritten. Vermutlich waren es die Holländer im Jahre 1605. Der Name "Australien" stammt von "Terra Australis Incognita" - das unbekannte Land im Süden: bereits im Altertum vermuteten die Europäer dieses sagenumwobene "Südland".

Geschäftiger Mittelpunkt von Sydney ist der "Circular Quay", Anlegeplatz der Fähren. In der Früh strömen die Sydneysider von den überfüllten Schiffen zur Arbeit in die Wolkenkratzer. Am Abend sind die zahlreichen Restaurants, Pubs und Kaffeehäuser Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische gleichermaßen.

Die reizvolle Lage am Meer trägt wesentlich zur besonderen Atmosphäre der Stadt bei. Die schönste Art, Sydney zu entdecken, sind daher Rundfahrten mit den traditionsreichen Sydney Ferries, die alle wichtigen Punkte ansteuern. Vorbei am Sydney Opera House, dem Wahrzeichen der Stadt, erreicht man etwa den Taronga Zoo, der auf Grund seiner herrlichen Lage zu den schönsten Tiergärten der Welt zählt. Nach einer halbstündigen gemütlichen Fahrt steuert die Fähre Manly, das traditionelle Seebad am Nordufer an, wo sich sogar im Winter Surfer und Sonnenhungrige tummeln. Punkto Traumstrände hat Sydney viel zu bieten. Allein im Stadtgebiet gibt es mehr als 30. Der berühmteste davon ist Bondi Beach, nicht zuletzt beliebt wegen der ausgezeichneten Surfbedingungen.

Mit den Fähren gelangt man nach wenigen Kilometern Richtung Westen ins Landesinnere in die Homebush Bay, Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2000 (15. September bis 1. Oktober 2000). Die Spiele sollen ein Ereignis der Superlative werden, und das lassen sich die Australier - bekannt als eine Nation von Sportfanatikern - auch einiges kosten: rund 30 Milliarden Schilling verschlangen die Vorbereitungen.

Zahlreiche Stadien und Hallen wurden für das Spektakel errichtet. Das Hauptstadion ist mit 110.000 Sitzplätzen das größte in der Geschichte der Olympischen Spiele. Um dem Besucherandrang gerecht zu werden, wurde ein Bahnhof, der bis zu 50.000 Passagiere pro Stunde abfertigen soll, gebaut. Die Bahnhofshalle, mit mehreren Architekturpreisen ausgezeichnet, mündet in den Olympic Boulevard: 25 Meter breit, eineinhalb Kilometer lang, mit Lichttürmen aus Stahl. Während der "grünen Spiele" wohnen die Athleten in einem autofreien Dorf, rund 15 Kilometer außerhalb der City. Alle Häuser sind mit Solarzellen für Strom und Warmwasser ausgestattet. Abwasser soll vor Ort aufbereitet werden.

Wer nur die Olympischen Spiele besuchen möchte, sollte aber zumindest einen Ausflug ins Hinterland einplanen, da sich Australien bereits wenige Kilometer außerhalb der quirligen Metropole von einer völlig anderen Seite zeigt. Eine gute Autostunde westlich von Sydney ragen aus der Küstenebene die "Blue Mountains" auf, ein bis zu 1.200 Meter hohes, meist dicht bewaldetes und wild zerklüftetes Plateau. Ihren Namen verdanken sie dem zarten bläulichen Dunstschleier, verursacht durch ätherische Öle, die von den Eukalyptusbäumen abgesondert werden. Senkrechte Felsabbrüche, kilometerlange Canyons und zahlreiche Wasserfälle kennzeichnen diese wilde Landschaft.

Eine fast unheimliche Ruhe liegt über dem Regenwald. Nur manchmal durchschneiden fremdartige Geräusche die Stille. Etwa wenn der "Laughing Jack", der Kookaburra, neben dem Schnabeltier und Ameisenigel eines der drei Maskottchen der Olympischen Spiele, seine gelächterähnlichen Rufe ausstößt. Nach Überlieferung der Ureinwohner Australiens ist dieser Ruf in der Morgendämmerung ein Zeichen für die "Himmelsmenschen", das Licht zu entfachen - ein neuer Tag kann beginnen.

INFORMATION Wer zu den Olympischen Spielen nach Australien reisen möchte, sollten möglichst bald reservieren, denn Hotels und Flüge sind zum Teil bereits ausgebucht. Reiseveranstalter rechnen im September und Oktober mit einer Preiserhöhung der Hotelkosten um 40 bis 50 Prozent. Eintrittskarten für die Spiele können über das Österreichische Olympische Comite angefordert werden. Informationen: (01) 799 55 11, Fax: (01) 799 55 12, e-mail: oeoc@telecom.at. Die Preise für Eintrittskarten liegen zwischen 300 und 4.000 Schilling. Die höchsten Preise von bis 12.500 Schilling müssen für die Eröffnungs- und Schlußfeiern bezahlt werden.

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