"Wirtschaft ist ohne Soziales nicht denkbar"

Caritas-Chef Franz Küberl über die Rolle von CSR.

Die Furche: Warum ist es wichtig einen CSR-Preis zu verleihen?

Franz Küberl: Um Nachahmer zu finden, und um ein öffentliches Klima von starken sozialen Bindungen zu fördern. Die Wirtschaft ist ohne Soziales nicht denkbar, sie hat vielmehr die Funktion, das Soziale, das Zusammenleben der Menschen zu befördern und zu bewerkstelligen. CSR macht das Soziale in der Wirtschaft wieder spürbar und machbar.

Die Furche: Doch die Kritiker verstummen nicht, für die Corporate Social Responsibility lediglich ein soziales Feigenblatt ist?

Küberl: Wir alle wissen, dass soziale Stabilität und gerechte soziale Verhältnisse Grundaufgabe des Staates sind. Aber sie sind nicht notgedrungen alleinige Aufgabe des Staates, sondern auch Aufgabe der Gesellschaft, jedes Einzelnen und von Unternehmen, die eine soziale Dimension spürbar werden lassen. Firmen sind große Gebilde mit Mitarbeitern und Kunden, da kann viel multipliziert werden. CSR kann somit auch helfen, dass die Wirtschaft wieder verständlicher und sympathischer wird.

Die Furche: Ist der aktuelle CSR-Aufschwung ein Zeichen, dass sich der Staat aus sozialen Bereichen immer mehr zurücknimmt?

Küberl: Der Staat soll durch die Initiativen der Unternehmen stimuliert werden und merken, dass die sozial ausgewogene Gesellschaft eine tägliche Grundaufgabe ist. Wenn hier Einzelne oder Unternehmen helfen, das soziale Gleichgewicht herzustellen, dann soll der Staat dies als Appell verstehen, selber auch genug zu tun, und soll sich unterstützt fühlen.

Die Furche: Es geht also nicht darum, so viel wie möglich vom Staat zu den Firmen auszulagern?

Küberl: Es soll sich nicht die eine Seite auf die andere ausreden. Es geht hier um Mitverantwortung von allen Seiten. Der Staat soll sich durch die Firmen angetrieben fühlen, möglichst viel im sozialen Bereich bereitzustellen.

Die Furche: Wo endet CSR?

Küberl: Wenn man es aus Gründen der Werbung und nicht aus Gründen der Mitmenschlichkeit tut. "Tue Gutes und rede darüber", ist legitim für Firmen, die handeln, aber nur zu reden, und nichts zu tun, ist haltlos.

Das Gespräch führte Thomas Meickl.

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