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Wir sind die Guten

Verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln, auch CSR genannt, hat Saison - und das muss es auch in Zeiten von schwächer werdenden Sozialstaaten und weltweit steigender Not.

Warmwasser verbessert entscheidend die hygienische Situation der Menschen und somit ihre Gesundheitslage", sagt Hartmann Georg, Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit und Corporate Social Responsibility (verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln, kurz CSR) bei Windkraft Simonsfeld, einem der Preisträger des diesjährigen CSR-Preises Trigos.

Windkraft Simonsfeld führt seit 2004 das Projekt "EL SOL" auf dem El Alto-Plateau, zirka eine Stunde vom bolivianischen Regierungssitz La Paz, durch. Warmwasser zu haben, bedeutet Hygiene und bessere Gesundheit. Und all dies wird mit Solarkollektoren der niederösterreichischen Firma möglich. Der Bau der Solarkollektoren mit eingebautem Wassertank, der, gut gedämmt, auch noch am Morgen warmes Wasser liefert, geschieht in Selbstbauweise und gänzlich mit Materialen, die vor Ort gekauft werden können. Der Bau der Kollektoren wird in Workshops und mit Zeichnungen vermittelt, um auch denjenigen den Zusammenbau zu lehren, die nur über unzureichende Schulbildung verfügen. Auch die Kosten bleiben im Rahmen: "Wir setzen auf qualitativ hochwertige Rohmaterialien, und die sind überall auf der Welt gleich teuer, das Produkt hält aber um einiges länger. Dennoch, die Warmwasseraufbereitung muss leistbar sein. Daher zahlen die Menschen in Bolivien nur einen geringen Unkostenbeitrag, die Mehrkosten übernehmen wir."

Trigos zum vierten Mal

Das uneigennützige Engagement von Windkraft Simonsfeld wurde mit dem Trigos für mittelgroße Unternehmen in der Kategorie Gesellschaft ausgezeichnet.

Der Preis für Corporate Social Responsibility - Trigos, wurde heuer bereits zum vierten Mal von den Trägerorganisationen: Caritas, Österreichisches Rotes Kreuz, SOS-Kinderdorf, WWF, Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer Österreich, Business Data Consulting Group und der Tageszeitung Die Presse vergeben.

Ein weiterer Preisträger räumt mit dem Klischee auf, dass sich Engagement im Bereich des Umweltschutzes nicht rechnet. Die Erste Sparinvest hat gemeinsam mit dem WWF einen Umweltfonds als Finanz-Anlage-Produkt auf den Markt gebracht. "Es stimmt nicht, dass man mit so einem Fonds nicht viel Gewinn machen kann, denn die Umweltaktien sind derzeit unter den besten Anlagemöglichkeiten", sagt Dieter Kerschbaum, Pressesprecher der Erste Sparinvest.

Einwandfreies Investment

Die Zahlen untermauern das Argument, denn alleine in diesem Jahr legte der Fonds um 20 Prozent zu. Sieht man sich den Wertzuwachs über das vergangene Jahr an, so konnten die Anleger ihr Geld gar um 27 Prozent vermehren. Und das alles mit reinem Gewissen, denn der Fonds investiert nicht nur in die "Bravsten und Saubersten" jeder Branche, sondern ist restriktiv mit den Firmen, von denen er Anteile kauft. Unternehmen, die im Erdöl-Geschäft tätig sind, fallen somit ebenfalls aus dem Rahmen, wie jene, die mit Waffen handeln, oder deren Umgang mit Kinderarbeit nicht lupenrein ist. "Dies ist eine Anlageform für jene, die sagen, sie wollen mit den bösen Kapitalisten nichts zu tun haben. Für Menschen, die in ein moralisch einwandfreies Produkt investieren wollen", sagt Kerschbaum. Schöne Worte können am Finanzmarkt so manchen Kurssprung herbeiführen, sie reichen der Erste Sparinvest aber nicht. Sie holte den WWF ins Boot, der zusammen mit einem Beirat die Anlagepolitik in regelmäßigen Abständen hinterfragt. 0,3 Prozent der Managementgebühr von 1,8 Prozent fließen direkt an den WWF für sein Wasserschutzprogramm. Man tut also doppelt Gutes, neben der Investition in gute "grüne" Firmen wird auch noch Wasserschutz in Österreich unterstützt. Das Volumen des Fonds wuchs in knapp einem Jahr von 37 Millionen Euro auf 66 Millionen Euro an.

Im Rahmen des CSR-Tages am 30. Mai, dessen Abschluss die Verleihung der Trigos-Preise darstellte, erklärte Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, dass CSR zwar kein Allheilmittel ist, aber breite Wirkung zeige, vor allem weil es bereits zu einem Instrument des Managements geworden ist. "CSR wird im Wettbewerb um die besten Köpfe eine wichtige Rolle als Bindeglied zwischen Unternehmen und Mitarbeitern, die sich im sozial engagierten Betrieb wohl fühlen, spielen." Für Beyrer gibt es vor allem drei CSR-Bereiche:

• die klassische CSR, die sich mit integren Projekten um einen Dialog mit den Stakeholdern (Menschen und Institutionen im sozialökonomischen Kontext eines Unternehmens) bemüht,

• die strategische CSR, die die Verbindung von verantwortungsvollem unternehmerischem Handeln mit dem Kerngeschäft sucht und

• die politische CSR, bei der Interessensvertreter sich im Dialog für Themen stark machen, die den Erfolg von Gesellschaft und Wirtschaft beeinflussen.

Auch die Freiwilligkeit war am CSR-Tag wieder ein Thema. Inwieweit soll der Staat Unternehmen anhalten, sich verantwortungsvoll zu verhalten? Peter J. Oswald, Vorstandsvorsitzender von Mondi Packaging und Vereinspräsident der CSR-Plattform respACT austria, will nicht, dass CSR zur neuen unternehmerischen Pflicht wird, dennoch müssen gesetzliche Rahmenbedingungen für alle gelten, sei es im sozialen Bereich wie auch im Umweltschutz. Auch Beyrer tritt für eine Beibehaltung der Freiwilligkeit ein, denn die ist für ihn der Schlüssel zum Erfolg von CSR, dies sei auch eine Frage der Motivation. Im Übrigen würden Standards auch im Nachhinein indirekt über die Einstufung durch die Rating-Agenturen (Firmen, die die Kreditwürdigkeit von Unternehmen beurteilen) gesetzt.

Globale Verantwortung

Die Trigos-Jury kürte unter den 84 Einreichungen zehn Sieger aus 28 nominierten Firmen:

• In der Kategorie Gesellschaft werden Unternehmen prämiert, denen bewusst ist, dass sie nicht im leeren Raum wirtschaften, und die ihren Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft leisten. Die heurigen Preisträger sind: das Reparaturnetzwerk der Gemeinnützigen BeschäftigungsgmbH Liezen, Projekt EL SOL der Windkraft Simonsfeld GmbH & Co KG und das Hepatitisprophylaxe-Projekt der OMV AG in Südpakistan.

• Bei der Kategorie Markt kommen jene Firmen zum Zug, für die Verantwortung im Kern ihrer unternehmerischen Tätigkeit liegt. Sie setzten nicht nur auf Profit sondern suchen nachhaltigen Nutzen für die gesamte Produktionskette vom Lieferanten bis zum Kunden. In dieser Kategorie überzeugten heuer: das Bildungshaus St. Georgen mit dem Projekt "Sustainable Church - Glaubwürdig Nachhaltig Wirtschaften", Erste Sparinvest Kapitalanlagegesellschaft m.b.H. mit ihrem Umweltaktienfonds und die Oesterreichische Kontrollbank AG mit der Vergabe von Mikrokrediten.

• Engagement für die eigenen Mitarbeiter wird in der Kategorie Arbeitsplatz gewürdigt. Dieses Engagement zeigten heuer vor allem: Technikon Forschungs- und Planungsges.m.b.H. für Rahmenbedingungen für Mitarbeiterinnen im Technologieumfeld, Trofana Erlebnisdorf & Gastronomie GmbH für ein Frauen- und familienfreundliches Arbeitsumfeld und die Anton Paar GmbH für ihr Fitnessprogramm "Anton Paar in Bewegung".

Der Microsoft Sonderpreis für Chancengleichheit im 21. Jahrhundert ging an die Salzburg AG für das Generationenmanagement Projekt "Genera".

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