Wer Franz Voves zum Parteifreund hat, braucht keine Feinde mehr: Schon Alfred Gusenbauer musste diese Erfahrung machen. Nun hat es Claudia Schmied erwischt: Die Unterrichtsministerin betreibe "Groscherlzählerei", polterte der steirische Landeshauptmann Donnerstag vergangener Woche. Wenn man an den 23 steirischen Schulen, die ab 2008 am Modellversuch "Neue Mittelschule" teilnehmen, nur sechs der zwölf vorgesehenen Mehrstunden finanziere, steige die Steiermark aus. Montag darauf gab sich Voves wieder handzahm: "Wenn die Kinder die Gewinner sind", sei er gerne bereit, zwei bis drei Millionen Euro jährlich "vorzufinanzieren".

Der Kelch, die "Neue Mittelschule" nur im Burgenland und in Kärnten erproben zu können, ist also an Schmied vorübergegangen. Zeit zur Muße hat die Bankerin deshalb nicht: Sie muss zuallererst bei den Lehrerinnen und Lehrern für ihre Vision von Schule werben. Denn der von Schmied gewünschte "Paradigmenwechsel in der Lern-, Lehr- und Prüfkultur" lässt sich nicht dekretieren, sondern braucht überzeugte, engagierte Pädagogen. Dass ab 2008 an Österreichs Schulen endlich Bildungsstandards implementiert werden, mit deren Hilfe Lehrerinnen und Lehrer (nach Anleitung!) ihren Unterricht verbessern können, kommt Schmied zupass.

Bleibt noch PISA. Der Forderung, aus der Bildungsvergleichsstudie auszusteigen, hat Schmied eine Absage erteilt. Mit Recht: Abseits des unsäglichen Länderrankings (von dem die OECD auch immer mehr ab-geht) und abseits oft übertriebener Interpretationen liefert PISA wertvolle Erkenntnisse. Dass etwa fast jeder dritte österreichische Jugendliche als Risikoschüler gilt, ist ein Alarmzeichen - und bestärkt Schmied in ihrem Bemühen um mehr individuelle Förderung im Unterricht.

Die PISA-Studie hat folglich einen Wert - auch wenn er begrenzt ist. "Groscherlzählerei" ist hier jedenfalls fehl am Platz.

doris.helmberger@furche.at

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau