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Bildung

Start für neue Pädagogen

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Im Jahr 2010 wird die neue Lehrerausbildung für Diskussion sorgen. Diese wird kein Ende nehmen: Am Jahresende werden neue Pisa-Ergebnisse präsentiert.

Das Bild des neuen Pädagogen und der neuen Pädagogin soll im Jahr 2010 konkretere Formen annehmen:. Doch der Weg dorthin führt über einen diesfalls erwünschten Diskussionsprozess, der mit hitzigen hitzigen Kontroversen gepflastert sein wird.

Kurz vor Weihnachten übergab die Expertengruppe für die „Lehrerausbildung Neu“ ihre Empfehlungen an Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und Noch-Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP). Bis Ende 2010 soll das vorliegende Papier mit allen Interessensgruppen diskutiert werden – allen voran der Lehrergewerkschaft, mit Elternvertretern und Vertretern der Ausbildungsstätten. Ab 2011 soll der Diskussionsprozess in politische Entscheidungen münden. Das ehrgeizige Ziel von Ministerin Schmied: Noch in dieser Legislaturperiode sollen alle Pädagoginnen und Pädagogen, auch jene, die im Kleinkind- oder Sozialbereich tätig sind, ein neues Ausbildungsmodell durchlaufen. „Ein Titanenprojekt“, nannte es Schmied bei der Präsentation des Expertenpapiers kurz vor Weihnachten und setzte gleich den Aufruf oder die Mahnung Richtung Interessensgruppen, wie die streitbare Lehrergewerkschaft, hinzu: Der Diskussionsprozess dürfe nicht von bestehenden Institutionen her geführt werden, sondern von den Herausforderungen und Problemen, die es konkret in Schulen gebe, und von den Qualifikationen, die jeder einzelne Lehrer und jede einzelne Lehrerin dafür brauche. Doch das „Titanenprojekt“ Lehrerausbildung geht Hand in Hand mit weiteren „Monsterprojekten“: ein neues Dienst- und Besoldungsrecht soll mit dem Schuljahr 2010/2011 starten. Auch die Schulverwaltungsreform soll endlich umgesetzt werden. Angesichts der heftigen Diskussion um zwei zusätzliche Unterrichtsstunden im vergangenen Jahr ist die Gefahr groß, dass einzelne Vorhaben (wieder) auf der langen Bank landen, oder dass Riesenprojekte als „verwaschene“ Kompromisse enden.

„Turnus“ für alle Pädagoginnen

Doch zunächst herrschte Zweckoptimismus, als am Freitag, 18. Dezember, die Eckpunkte der neuen Lehrerausbildung vom Leiter der Expertengruppe, Peter Härtel, vorgestellt wurden: Die „Architektur“ der Ausbildung soll künftig drei Phasen vorsehen: Die erste Phase betrifft die Grundausbildung, die mit Bachelor abschließen soll. Nach dieser Phase kann ein Masterstudium sowie weiterbildende Lehrgänge und ein Doktorat angefügt werden. Verpflichtend für alle Lehrberufe ist eine sogenannte „Induktionsphase“, eine Berufseinführungsphase oder Art „Turnus“ wie bei Medizinern. Für alle, die den Pädagogenberuf beginnen, soll es ein Aufnahmeverfahren geben, das darauf beruht, dass Bewerber selbst erkennen, ob sie für den Beruf geeignet sind oder nicht. Wesentliche Elemente des Konzepts: Durchlässigkeit der Berufsausbildung (ein Beispiel: auch Kindergartenpädagoginnen können sich mit entsprechender Zusatzausbildung zum Lehrer der Sekundarstufe II ausbilden lassen und umgekehrt). Für Quereinsteiger soll der Einstieg in den Lehrer-Beruf leichter möglich sein.

Dass dem Konzept auch blanker Pragmatismus zugrunde liegt, räumt Peter Härtel ein: So wird es weiterhin eine Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (Bakip) geben, deren Abschluss zur Arbeit in den Kindergärten berechtigt. Aber manche Berufsfelder in der Frühkindpädagogik würden klar so definiert sein, dass man dazu einen höheren Abschluss benötigt, erklärt Härtel. Gewisse Posten in der AHS etwa könnten auch von Lehrern, die nur einen Bachelor-Abschluss haben, ausgeführt werden. Für andere würde etwa ein Master vorausgesetzt sein: etwa Lehrer, die Matura-Prüfungen abnehmen. Führende Positionen sollen einen postgradualen Abschluss voraussetzen. Die Pädagogischen Hochschulen sollten weiter bestehen und enger mit den Universitäten zusammenarbeiten.

Bestehende Institutionen werden sich laut Modell sich öffnen müssen, doch die Gefahr, dass klassische Hierarchien bestehen bleiben, ist gegeben: Hier die Kindergartenpädagogin mit Bakip-Abschluss, dort der AHS-Lehrer mit Master. Der Fokus auf die Bedürfnisse der Schüler und die Kompetenzen der Pädagogen kann als wesentlicher Paradigmenwechsel gewertet werden. Und sollte die Diskussion über eine neue Ausbildung bis Jahresende zu versanden drohen, könnte sie Ende des Jahres neue Dynamik bekommen: Da werden die Ergebnisse der Pisa-Erhebung 2009 präsentiert.

Doch es gibt auch Nebenbaustellen im Bildungssystem, die nicht minder heikel sind: So wurde gerade mittels Befragung der Eltern erhoben, welchen zusätzlichen Bedarf an Ganztagesbetreuung es gibt. Schon im Jänner sollten die Ergebnisse der Befragung präsentiert werden. Unterrichtsministerin Claudia Schmied rechnet mit einer Aufstockung von 90.000 auf 200.000 ganztägigen Schulplätzen bundesweit. Die Frage wird sein, ob die ÖVP, die zuletzt auf dieses Thema aufgesprungen ist, auch bei der Finanzierung mitmachen wird.

Weitere Baustellen der Schule Neu

Für Dauer-Diskussionsstoff sorgt auch die Neue Mittelschule, also der Schulversuch der gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen. Hier können aller Voraussicht nach keine weiteren Standorte mehr starten, denn schon heuer gab es ein Ringen um die Standorte für den Schulversuch. Doch aufgrund der gesetzlichen Obergrenze von zehn Prozent, konnten nicht alle Standorte genehmigt werden. Claudia Schmied würde daher gerne die Grenze für bundesweite Schulversuche auf 20 Prozent heben, um ihr Prestigeprojekt voranzutreiben. Doch die ÖVP lehnte bisher ab, obwohl gerade in ÖVP geführten Ländern (in dem Fall Oberösterreich und Tirol) der Ärger über abgelehnte Anträge besonders groß ist.

Im Jahr 2010 wird die neue Lehrerausbildung für Diskussion sorgen. Diese wird kein Ende nehmen: Am Jahresende werden neue Pisa-Ergebnisse präsentiert.

Das Bild des neuen Pädagogen und der neuen Pädagogin soll im Jahr 2010 konkretere Formen annehmen:. Doch der Weg dorthin führt über einen diesfalls erwünschten Diskussionsprozess, der mit hitzigen hitzigen Kontroversen gepflastert sein wird.

Kurz vor Weihnachten übergab die Expertengruppe für die „Lehrerausbildung Neu“ ihre Empfehlungen an Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und Noch-Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP). Bis Ende 2010 soll das vorliegende Papier mit allen Interessensgruppen diskutiert werden – allen voran der Lehrergewerkschaft, mit Elternvertretern und Vertretern der Ausbildungsstätten. Ab 2011 soll der Diskussionsprozess in politische Entscheidungen münden. Das ehrgeizige Ziel von Ministerin Schmied: Noch in dieser Legislaturperiode sollen alle Pädagoginnen und Pädagogen, auch jene, die im Kleinkind- oder Sozialbereich tätig sind, ein neues Ausbildungsmodell durchlaufen. „Ein Titanenprojekt“, nannte es Schmied bei der Präsentation des Expertenpapiers kurz vor Weihnachten und setzte gleich den Aufruf oder die Mahnung Richtung Interessensgruppen, wie die streitbare Lehrergewerkschaft, hinzu: Der Diskussionsprozess dürfe nicht von bestehenden Institutionen her geführt werden, sondern von den Herausforderungen und Problemen, die es konkret in Schulen gebe, und von den Qualifikationen, die jeder einzelne Lehrer und jede einzelne Lehrerin dafür brauche. Doch das „Titanenprojekt“ Lehrerausbildung geht Hand in Hand mit weiteren „Monsterprojekten“: ein neues Dienst- und Besoldungsrecht soll mit dem Schuljahr 2010/2011 starten. Auch die Schulverwaltungsreform soll endlich umgesetzt werden. Angesichts der heftigen Diskussion um zwei zusätzliche Unterrichtsstunden im vergangenen Jahr ist die Gefahr groß, dass einzelne Vorhaben (wieder) auf der langen Bank landen, oder dass Riesenprojekte als „verwaschene“ Kompromisse enden.

„Turnus“ für alle Pädagoginnen

Doch zunächst herrschte Zweckoptimismus, als am Freitag, 18. Dezember, die Eckpunkte der neuen Lehrerausbildung vom Leiter der Expertengruppe, Peter Härtel, vorgestellt wurden: Die „Architektur“ der Ausbildung soll künftig drei Phasen vorsehen: Die erste Phase betrifft die Grundausbildung, die mit Bachelor abschließen soll. Nach dieser Phase kann ein Masterstudium sowie weiterbildende Lehrgänge und ein Doktorat angefügt werden. Verpflichtend für alle Lehrberufe ist eine sogenannte „Induktionsphase“, eine Berufseinführungsphase oder Art „Turnus“ wie bei Medizinern. Für alle, die den Pädagogenberuf beginnen, soll es ein Aufnahmeverfahren geben, das darauf beruht, dass Bewerber selbst erkennen, ob sie für den Beruf geeignet sind oder nicht. Wesentliche Elemente des Konzepts: Durchlässigkeit der Berufsausbildung (ein Beispiel: auch Kindergartenpädagoginnen können sich mit entsprechender Zusatzausbildung zum Lehrer der Sekundarstufe II ausbilden lassen und umgekehrt). Für Quereinsteiger soll der Einstieg in den Lehrer-Beruf leichter möglich sein.

Dass dem Konzept auch blanker Pragmatismus zugrunde liegt, räumt Peter Härtel ein: So wird es weiterhin eine Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (Bakip) geben, deren Abschluss zur Arbeit in den Kindergärten berechtigt. Aber manche Berufsfelder in der Frühkindpädagogik würden klar so definiert sein, dass man dazu einen höheren Abschluss benötigt, erklärt Härtel. Gewisse Posten in der AHS etwa könnten auch von Lehrern, die nur einen Bachelor-Abschluss haben, ausgeführt werden. Für andere würde etwa ein Master vorausgesetzt sein: etwa Lehrer, die Matura-Prüfungen abnehmen. Führende Positionen sollen einen postgradualen Abschluss voraussetzen. Die Pädagogischen Hochschulen sollten weiter bestehen und enger mit den Universitäten zusammenarbeiten.

Bestehende Institutionen werden sich laut Modell sich öffnen müssen, doch die Gefahr, dass klassische Hierarchien bestehen bleiben, ist gegeben: Hier die Kindergartenpädagogin mit Bakip-Abschluss, dort der AHS-Lehrer mit Master. Der Fokus auf die Bedürfnisse der Schüler und die Kompetenzen der Pädagogen kann als wesentlicher Paradigmenwechsel gewertet werden. Und sollte die Diskussion über eine neue Ausbildung bis Jahresende zu versanden drohen, könnte sie Ende des Jahres neue Dynamik bekommen: Da werden die Ergebnisse der Pisa-Erhebung 2009 präsentiert.

Doch es gibt auch Nebenbaustellen im Bildungssystem, die nicht minder heikel sind: So wurde gerade mittels Befragung der Eltern erhoben, welchen zusätzlichen Bedarf an Ganztagesbetreuung es gibt. Schon im Jänner sollten die Ergebnisse der Befragung präsentiert werden. Unterrichtsministerin Claudia Schmied rechnet mit einer Aufstockung von 90.000 auf 200.000 ganztägigen Schulplätzen bundesweit. Die Frage wird sein, ob die ÖVP, die zuletzt auf dieses Thema aufgesprungen ist, auch bei der Finanzierung mitmachen wird.

Weitere Baustellen der Schule Neu

Für Dauer-Diskussionsstoff sorgt auch die Neue Mittelschule, also der Schulversuch der gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen. Hier können aller Voraussicht nach keine weiteren Standorte mehr starten, denn schon heuer gab es ein Ringen um die Standorte für den Schulversuch. Doch aufgrund der gesetzlichen Obergrenze von zehn Prozent, konnten nicht alle Standorte genehmigt werden. Claudia Schmied würde daher gerne die Grenze für bundesweite Schulversuche auf 20 Prozent heben, um ihr Prestigeprojekt voranzutreiben. Doch die ÖVP lehnte bisher ab, obwohl gerade in ÖVP geführten Ländern (in dem Fall Oberösterreich und Tirol) der Ärger über abgelehnte Anträge besonders groß ist.