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Feuilleton

Mit Aperitivi und Magie zum Erfolg

1945 1960 1980 2000 2020

Eva Sangiorgi hat ihre erste Viennale mit Bravour gemeistert. So richtig neu wird die Filmschau wohl erst im kommenden Jahr.

1945 1960 1980 2000 2020

Eva Sangiorgi hat ihre erste Viennale mit Bravour gemeistert. So richtig neu wird die Filmschau wohl erst im kommenden Jahr.

Eva Sangiorgio hatte sich am Tag nach der Viennale mit einem erleichterten "Done!" ("Getan", "Erledigt") auf ihrem Instagram-Account die Seele frei gemacht von dem Ballast, den die 40-jährige Italienerin mit der Übernahme der Viennale im vergangenen Frühjahr auf sich genommen hatte. Sangiorgi, die das mexianische Ficunam-Festival gegründet und bis heuer auch programmiert hatte, blieben nur wenige Monate, um ihr erstes Viennale-Programm aus dem Boden zu stampfen. Einerseits eine großartige Leistung, die Sangiorgi auch ihrem Viennale-Team verdankt, das seit Hans-Hurch-Zeiten mit einer gewissen Routine den Festivalbetrieb managt -und zwar reibungslos. Geschäftsführerin Eva Rotter hat ein höchst professionelles Team um sich herum aufgebaut, das einer neuen Direktorin zweifellos half, etliche Klippen zu umschiffen.

Andererseits hatte Sangiorgi auch das große Glück, ihre Viennale-Direktion in einem Filmjahr zu beginnen, das an großen und strahlenden Kinomomenten äußert reich gewesen ist: Denn nicht nur in Berlin, Cannes und Locarno liefen hochkarätige Filme, sondern vor allem in Venedig, von wo Sangiorgi die meisten ihrer Programm-Perlen rekrutierte, darunter etwa "Roma" von Alfonso Cuaron, "Aufbruch zum Mond" von Damien Chazelle oder "The Favourite" von Yorgos Lanthimos. Das gute Kinojahr bescherte der Viennale jede Menge Arthaus-Straßenfeger, und damit dürfte auch die leicht gestiegene Auslastung des Festivals zu erklären sein: Mit 93.200 Besuchern konnte man im Vergleich zu 2017 (91.700 Besucher) doch etwas zulegen.

Schade hingegen war, dass Sangiorgi die gewachsene Tradition eines Viennale-Stargastes offenbar nicht weiterführen will: Zwar zeigte sich mit Tilda Swinton ein echter Weltstar in Wien (bei der Premiere von "Suspiria"), jedoch hatte Vorgänger Hurch seine Stargäste weniger nach aktuellen Filmen, als vielmehr nach Hommage-Charakter ausgewählt. Das hat dem Festival immer auch einen Hauch von Glamour beschert, der genau richtig dosiert war; Kino war immer auch Glamour, dieser nährte seinen Status als Projektionsfläche für die Träume seiner Besucher.

Wiener Filmpreis für "Joy" von Sudabeh Mortezai

Indes waren die wirklichen Änderungen in Sangiorgis erster Viennale im Gegensatz zu Hurchs Schauen noch eher spärlich gesät: Dass Sangiorgi die Trennung von Dokumentarfilm und Spielfilm im Programm aufgehoben hat, machte den Programmplaner farblich relativ eintönig, ist aber inhaltlich sinnvoll. Mit ihren "Aperitivi" im Festivalzentrum hat Sangiorgi ihre italienische Ader gut auf Wien übertragen und für relaxte Gespräche zwischen Filmern und Festivalbesuchern gesorgt. Der Wiener Filmpreis für "Joy" von Sudabeh Mortezai, der das Leben einer Nigerianerin illustriert, die in Wien als Prostituierte arbeitet, ist eine verdiente Wahl, wenngleich hier auch andere Produktionen durchaus infrage gekommen wären.

Wenn Eva Sangiorgi im kommenden Jahr ihre erste "richtige" Viennale programmieren wird, dann wird die Chefin wirklich zeigen können, wie ihre Vorstellung eines Festivals aussieht. Sangiorgi hat schon angekündigt: "The magic of cinema should never end." Ein Motto, das sie dann vielleicht auch schon in Deutsch posten können wird.

Eva Sangiorgio hatte sich am Tag nach der Viennale mit einem erleichterten "Done!" ("Getan", "Erledigt") auf ihrem Instagram-Account die Seele frei gemacht von dem Ballast, den die 40-jährige Italienerin mit der Übernahme der Viennale im vergangenen Frühjahr auf sich genommen hatte. Sangiorgi, die das mexianische Ficunam-Festival gegründet und bis heuer auch programmiert hatte, blieben nur wenige Monate, um ihr erstes Viennale-Programm aus dem Boden zu stampfen. Einerseits eine großartige Leistung, die Sangiorgi auch ihrem Viennale-Team verdankt, das seit Hans-Hurch-Zeiten mit einer gewissen Routine den Festivalbetrieb managt -und zwar reibungslos. Geschäftsführerin Eva Rotter hat ein höchst professionelles Team um sich herum aufgebaut, das einer neuen Direktorin zweifellos half, etliche Klippen zu umschiffen.

Andererseits hatte Sangiorgi auch das große Glück, ihre Viennale-Direktion in einem Filmjahr zu beginnen, das an großen und strahlenden Kinomomenten äußert reich gewesen ist: Denn nicht nur in Berlin, Cannes und Locarno liefen hochkarätige Filme, sondern vor allem in Venedig, von wo Sangiorgi die meisten ihrer Programm-Perlen rekrutierte, darunter etwa "Roma" von Alfonso Cuaron, "Aufbruch zum Mond" von Damien Chazelle oder "The Favourite" von Yorgos Lanthimos. Das gute Kinojahr bescherte der Viennale jede Menge Arthaus-Straßenfeger, und damit dürfte auch die leicht gestiegene Auslastung des Festivals zu erklären sein: Mit 93.200 Besuchern konnte man im Vergleich zu 2017 (91.700 Besucher) doch etwas zulegen.

Schade hingegen war, dass Sangiorgi die gewachsene Tradition eines Viennale-Stargastes offenbar nicht weiterführen will: Zwar zeigte sich mit Tilda Swinton ein echter Weltstar in Wien (bei der Premiere von "Suspiria"), jedoch hatte Vorgänger Hurch seine Stargäste weniger nach aktuellen Filmen, als vielmehr nach Hommage-Charakter ausgewählt. Das hat dem Festival immer auch einen Hauch von Glamour beschert, der genau richtig dosiert war; Kino war immer auch Glamour, dieser nährte seinen Status als Projektionsfläche für die Träume seiner Besucher.

Wiener Filmpreis für "Joy" von Sudabeh Mortezai

Indes waren die wirklichen Änderungen in Sangiorgis erster Viennale im Gegensatz zu Hurchs Schauen noch eher spärlich gesät: Dass Sangiorgi die Trennung von Dokumentarfilm und Spielfilm im Programm aufgehoben hat, machte den Programmplaner farblich relativ eintönig, ist aber inhaltlich sinnvoll. Mit ihren "Aperitivi" im Festivalzentrum hat Sangiorgi ihre italienische Ader gut auf Wien übertragen und für relaxte Gespräche zwischen Filmern und Festivalbesuchern gesorgt. Der Wiener Filmpreis für "Joy" von Sudabeh Mortezai, der das Leben einer Nigerianerin illustriert, die in Wien als Prostituierte arbeitet, ist eine verdiente Wahl, wenngleich hier auch andere Produktionen durchaus infrage gekommen wären.

Wenn Eva Sangiorgi im kommenden Jahr ihre erste "richtige" Viennale programmieren wird, dann wird die Chefin wirklich zeigen können, wie ihre Vorstellung eines Festivals aussieht. Sangiorgi hat schon angekündigt: "The magic of cinema should never end." Ein Motto, das sie dann vielleicht auch schon in Deutsch posten können wird.