Viennale: Filmfest - trotzdem - © Foto: Viennale
Film

Viennale: Filmfest - trotzdem

1945 1960 1980 2000 2020

Die Viennale trotzt bislang der Pandemie und hat sich einiges einfallen lassen, um trotz aller Covid19-Beschränkungen ein international anspruchsvolles Festival auf die Beine zu stellen.

1945 1960 1980 2000 2020

Die Viennale trotzt bislang der Pandemie und hat sich einiges einfallen lassen, um trotz aller Covid19-Beschränkungen ein international anspruchsvolles Festival auf die Beine zu stellen.

„Ein Virus hat die Art und Weise umgekrempelt, wie wir miteinander umgehen und kommunizieren, insbesondere wie wir unsere Räume beleben und wie wir in diesen Räumen leben“, bedauert Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi. Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen dieser Art jedoch wurde das Wiener Film- festival nicht abgesagt oder in den virtuellen Raum verlegt: „Wir haben darauf bestanden, die Viennale als Präsenzveranstaltung zu organisieren, da unser Festival vor allem eines für das Publikum und die Stadt ist.“ Weil die Sitzplatzkapazitäten in den Kinosälen drastisch reduziert werden mussten, geht die Viennale 2020 nicht nur in den üblichen Kinos – Gartenbau, Stadtkino im Künstlerhaus, Urania, Österreichisches Filmmuseum und Metro – sondern auch in fünf weiteren Spielstätten über die Bühne: Admiral, Blickle, Film- casino, Le Studio und Votiv.

Eröffnungsfilm ist „Miss Marx“ (Regie: Susanna Nicchiarelli), eine filmische Biographie der Tochter von Karl Marx, deren eigene Ambitionen am schweren Erbe des Vaters scheitern. Zu sehen sind Filme großer zeitgenössischer Regisseure wie Thomas Vinterberg (die Alkoholikerstudie „Druk“), Kelly Reichardt (der ungewöhnliche Western „First Cow“) und Abel Ferrara („Siberia“, eine Sinnsuche im Schnee mit Willem Dafoe). Auch die Gewinnerfilme beider wichtiger A-Festivals, die heuer stattfinden konnten, sind zu sehen: „Sheytan Vojud Nadarad“ von Mohammad Rasoulof (Goldener Bär, Berlin) und „Nomadland“ von Chloé Zhao (Goldener Löwe, Venedig).

Trend zu Arthaus

Insgesamt setzt sich im Viennale-Programm der Trend fort, der sich bereits im vorigen Jahr abgezeichnet hat: Noch weiter weg vom Mainstream, noch tiefer hinein ins Abseitige, Spröde, Experimentelle. Diese Tendenz dürfte freilich auch auf den Umstand zurückzuführen sein, dass die Verleiher derzeit so manchen vielversprechenden Kinofilm zurückhalten, weil sie fürchten, dass er coronavirusbedingt kein Publikum findet. Und es gibt noch eine Besonderheit: Der österreichische Film ist auf der Viennale 2020 so präsent wie schon lange nicht mehr. Der verstorbene Langzeit-Direktor Hans Hurch war ja gewissermaßen nur mit vorgehaltener Pistole dazu zu bewegen, dem heimischen Filmschaffen Platz einzuräumen. Eva Sangiorgi hegt derartige Vorbehalte offenbar nicht und rückt eine Reihe österreichischer Filme ins Programm. Die Programmschiene „Kollektion Diagonale'20 – Die Unvollendete“ versammelt sechs Lang- und acht Kurzfilme, die im Wettbewerb des Festivals des österreichischen Films – das im März abgesagt werden musste – ihre Österreichpremieren gefeiert hätten.