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"Festival of Festivals" wird "Festival by itself"

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Früher hat die Viennale den Anspruch verfolgt, ein ,Festival of Festivals' zu sein, also das Beste zu zeigen, was im Jahr davor bei den anderen Filmfestivals gezeigt wurde. Mittlerweile aber hat sich die Viennale zu einem ,Festival by itself' weiterentwickelt", erklärt Viennale-Direktor Hans Hurch die Philosophie des größten österreichischen Filmfestivals, das diesen Donnerstag startet. Zu zeigen, was die großen Festivals wie Cannes, Berlin oder Venedig nicht zeigen, weil es zu wenig auf kommerzielle Verwertbarkeit ausgerichtet ist - das mache das spezielle Flair der Viennale aus. "Immer weniger Filme finden einen Verleih und gelangen daher gar nicht in den regulären Vertrieb", bedauert Hurch. Es sind Festivals wie die Viennale, die in die Bresche springen müssen: "Wir zeigen häufig eine spannendere und ungewöhnlichere Form von Kino als die, die man tagtäglich sieht."

Natürlich laufen bei der Viennale auch Festival-Renner wie der Eröffnungsfilm "Inside Llewin Davis" von Joel und Ethan Coen, der von einer Woche im Leben eines jungen Folk-Sängers erzählt, der das Zeug zu einem zweiten Bob Dylan gehabt hätte, aber scheitert. Oder "Blue Jasmine", der neue Film von Woody Allen, der seit Jahrzehnten den Spagat zwischen anspruchsvollem Film und kommerziellen Erfolg schafft. Die Hauptrolle, eine jäh verarmte Multimillionärin, verkörpert in dieser Satire von Cate Blanchett.

Boris Karloff, neu geschnitten

Aber gezeigt werden auch sehenswerte Filme, die hierzulande wohl niemals regulär im Kino anlaufen werden. Etwa der griechische Film "Runaway Day" von Dimitris Bavellas, der von der Verzweiflung der Menschen in einem schwer von der Wirtschaftskrise geschüttelten Land berichtet -nur um einen wahllos herauszugreifen. Oder "A Masque of Madness (Monologue 02)" des österreichischen Filmemachers Norbert Pfaffenbichler, der aus den rund 170 Filmen, in denen Horrorlegende Boris Karloff mitspielte, einen neuen Film zusammengeschnitten hat. Vor allem der im herkömmlichen Kino marginalisierte Dokumentarfilm wird von der Viennale gepflegt. Heuer zum Beispiel der 1971 hauptsächlich von Roman Polanski gedrehte Film "Weekend of a champion", der den dreimaligen Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart über ein Rennwochenende in Monaco begleitet: ein Blick zurück in einen Rennzirkus wie es ihn nicht mehr gibt. Oder "Le Dernier des Injustes", Claude Lanzmanns Porträt von Benjamin Murmelstein, Judenältester im KZ Theresienstadt, dessen Rolle bis heute höchst unterschiedlich bewertet wird. Schwerpunkte gibt es heuer für den bekannten US-Komiker Will Ferrell, aber auch den spanischen Regisseur Gonzalo García Pelayo und eine neue Stimme des philippinischen Kinos, John Torres.

Auch das ist eine Spezialität der Viennale, wie Hurch verkündet: "Wir sind stolz darauf, dass wir Filmemachern, die es später zu großem Ansehen gebracht haben, ein eigenes Programm gewidmet haben, als sie noch wenig bekannt waren."

Viennale 24. Oktober bis 6. November - www.viennale.at

Früher hat die Viennale den Anspruch verfolgt, ein ,Festival of Festivals' zu sein, also das Beste zu zeigen, was im Jahr davor bei den anderen Filmfestivals gezeigt wurde. Mittlerweile aber hat sich die Viennale zu einem ,Festival by itself' weiterentwickelt", erklärt Viennale-Direktor Hans Hurch die Philosophie des größten österreichischen Filmfestivals, das diesen Donnerstag startet. Zu zeigen, was die großen Festivals wie Cannes, Berlin oder Venedig nicht zeigen, weil es zu wenig auf kommerzielle Verwertbarkeit ausgerichtet ist - das mache das spezielle Flair der Viennale aus. "Immer weniger Filme finden einen Verleih und gelangen daher gar nicht in den regulären Vertrieb", bedauert Hurch. Es sind Festivals wie die Viennale, die in die Bresche springen müssen: "Wir zeigen häufig eine spannendere und ungewöhnlichere Form von Kino als die, die man tagtäglich sieht."

Natürlich laufen bei der Viennale auch Festival-Renner wie der Eröffnungsfilm "Inside Llewin Davis" von Joel und Ethan Coen, der von einer Woche im Leben eines jungen Folk-Sängers erzählt, der das Zeug zu einem zweiten Bob Dylan gehabt hätte, aber scheitert. Oder "Blue Jasmine", der neue Film von Woody Allen, der seit Jahrzehnten den Spagat zwischen anspruchsvollem Film und kommerziellen Erfolg schafft. Die Hauptrolle, eine jäh verarmte Multimillionärin, verkörpert in dieser Satire von Cate Blanchett.

Boris Karloff, neu geschnitten

Aber gezeigt werden auch sehenswerte Filme, die hierzulande wohl niemals regulär im Kino anlaufen werden. Etwa der griechische Film "Runaway Day" von Dimitris Bavellas, der von der Verzweiflung der Menschen in einem schwer von der Wirtschaftskrise geschüttelten Land berichtet -nur um einen wahllos herauszugreifen. Oder "A Masque of Madness (Monologue 02)" des österreichischen Filmemachers Norbert Pfaffenbichler, der aus den rund 170 Filmen, in denen Horrorlegende Boris Karloff mitspielte, einen neuen Film zusammengeschnitten hat. Vor allem der im herkömmlichen Kino marginalisierte Dokumentarfilm wird von der Viennale gepflegt. Heuer zum Beispiel der 1971 hauptsächlich von Roman Polanski gedrehte Film "Weekend of a champion", der den dreimaligen Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart über ein Rennwochenende in Monaco begleitet: ein Blick zurück in einen Rennzirkus wie es ihn nicht mehr gibt. Oder "Le Dernier des Injustes", Claude Lanzmanns Porträt von Benjamin Murmelstein, Judenältester im KZ Theresienstadt, dessen Rolle bis heute höchst unterschiedlich bewertet wird. Schwerpunkte gibt es heuer für den bekannten US-Komiker Will Ferrell, aber auch den spanischen Regisseur Gonzalo García Pelayo und eine neue Stimme des philippinischen Kinos, John Torres.

Auch das ist eine Spezialität der Viennale, wie Hurch verkündet: "Wir sind stolz darauf, dass wir Filmemachern, die es später zu großem Ansehen gebracht haben, ein eigenes Programm gewidmet haben, als sie noch wenig bekannt waren."

Viennale 24. Oktober bis 6. November - www.viennale.at