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Kampf um Garten Eden

DISKURS
Jahrhunderhochwasser im Oberpinzgau - Nach dem Juli-Hochwasser im Salzachtal fordern die Bürgermeister der Region Schutzbauten in den zum Nationalpark gehörenden Tauerntälern. - © Wolfgang Machreich

Nationalpark Hohe Tauern II: Ausgefranst, ausverkauft

1945 1960 1980 2000 2020

Die Grenzen und die Aufteilung des Nationalparks sind keineswegs in Stein gemeißelt. Hochwasserschutz, Alm- und Jagdwirtschaft müssen immer wieder neu mit dem Naturschutz in Einklang gebracht werden.

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Die Grenzen und die Aufteilung des Nationalparks sind keineswegs in Stein gemeißelt. Hochwasserschutz, Alm- und Jagdwirtschaft müssen immer wieder neu mit dem Naturschutz in Einklang gebracht werden.

Die Entdecker-Tour mit Nationalpark Rangerin Barbara aufs Kitzsteinhorn eröffnet nicht nur neue Einblicke in Flora und Fauna der Bergwelt (siehe Artikel S. 2), sondern bietet auch eine andere Perspektive auf die Tallandschaft – und wie das eine mit dem anderen zusammenhängt: „Überall wo der Mensch in die Natur eingreift, führt das zu Folgen; die zeigen sich manchmal erst nach Generationen, so wie zum Beispiel jetzt“, sagt die Rangerin und meint damit die vor 150 Jahren begonnene Regulierung der Salzach. Sie deutet hinunter ins Salzachtal, von dem große Flächen als Folgen eines (schon wieder) Jahrhunderthochwassers Mitte Juli überflutet sind.

Nachdem die Hochwasserschutzbauten im Tal großteils fertiggestellt sind, fordern die Oberpinzgauer Bürgermeister „die Errichtung von Schutzbauten in den Tauerntälern“ und damit bauliche Maßnahmen im Nationalpark Hohe Tauern. Der zuständige Salzburger Landesrat Josef Schwaiger hat eine Prüfung für alle Tauerntäler angeordnet, denkt an naturnah aufgeschüttete Dämme als erste Option und Betonmauern als letztes Mittel. Eine Kombination der Rückhaltebauten einerseits für den Hochwasserschutz und andererseits als Staubecken zur Elektrizitätsgewinnung schließt er kategorisch aus. In jedem Fall braucht es „ein ausgeklügeltes Konzept über mehrere Täler“, sind sich die Experten des Hydrographischen Dienstes einig. Dass das größte Wasser-Einzugsgebiet in der Region das Krimmler Achental mit den gleichnamigen weltberühmten Wasserfällen ist, lässt ahnen, wie schwierig es sein wird, den Hochwasserschutz mit dem Naturschutzdenken in Einklang zu bringen.

Gefahr für die Unversehrtheit des Nationalparks Hohe Tauern droht im 50. Jahr nach seiner Taufe in der „Heiligenbluter Vereinbarung“ aber nicht nur an seinen Ausläufern, sondern auch in seinen Kerngebieten. Die 1856 Quadratkilometer Nationalpark (halb so groß wie das Burgenland) unterteilen sich in eine „Außenzone“ (643 km2) mit bewirtschafteten Almen und Weideflächen sowie einer „Kernzone“ (1.213 km2) mit weitgehend unberührter Naturlandschaft, die unter strengem Schutz steht – rund drei Viertel dieser Fläche sind von jeglicher wirtschaftlicher Nutzung ausgeschlossen. Wirtschaftlich motivierte Eingriffe in diese Kernzone betreffen dementsprechend das Herzstück des Nationalparks und sorgten in diesem Sommer für heftige politische Debatten im Salzburger Landtag.

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