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Politik

Die jungen Wut-Bürgerlichen

1945 1960 1980 2000 2020
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Revoluzzer wollen sie keine sein, aber mit Kritik nicht länger sparen: Die Junge ÖVP fordert mehr Mut bei Reformen - und bleibt dabei trotz allem verhalten.

In der Jungen Volkspartei, so scheint es, hat letzten April eine neue Zeitrechnung begonnen. Da wurde ihr Obmann Sebastian Kurz, damals 24, zum Integrationsstaatssekretär ernannt. Das Amt an sich hat zwar nichts mit seinem Job als Interessensvertreter der schwarzen Jugend zu tun, doch das einer von ihnen jüngstes Regierungsmitglied in ganz Europa wurde, bescherte den JVPlern einen wahren Höhenflug. "Sebastian Kurz ist die personifizierte Zukunft für die Politik in Österreich“, schwärmt Lukas Mandl, der 32-Jährige ÖAAB-Generalsekretär. "Er ist ein Profi, weicht keinen Millimeter von seiner Linie ab.“ Es wundert Mandl deshalb auch nicht, dass gerade jetzt, im zehnten Monat nach der Angelobung von Kurz, die Jugendorganisationen aus dem Umfeld der ÖVP eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht haben, in der sie die Politik, die auch von ihrer Mutterpartei mitgestaltet wird, anprangern. "Es ist uns Jungen nicht mehr zumutbar“, heißt es darin, "dass ständig Politik auf unsere Kosten betrieben wird.“ Das wollen sie sich "in Zukunft nicht mehr gefallen lassen“.

Wenn Rebellion, dann stilsicher

Eine vergleichbare Aktion hat es bei den jungen Bürgerlichen noch nie gegeben. Aber jetzt, angesichts der Kurz’schen Leistungsmotivation einerseits und der Dringlichkeit des Anliegens andererseits, reden die sonst eher verhaltenen Jungschwarzen Tacheles. "Beim Sparen und bei Reformen geht viel zu wenig weiter“, sagt JVP-Generalsekretär Axel Melchior, 30: "Wir wollten den Verhandlern des Sparpakets Rückhalt für umfassende Reformen geben.“ Auch für Asdin El Habbassi, 25, der jüngst Salzburgs JVP-Chef wurde, ist die Lage akut: "Wegschauen und Nichtssagen wäre an diesem Punkt fahrlässig. Wir werden uns in Zukunft öfter zu Wort melden und uns dabei kein Blatt vor den Mund nehmen.“ Die frechen Revoluzzer wollen sie dabei aber keinesfalls spielen, auch Demonstrationen gehören nicht zu ihrem Repertoire. Trotzdem: Kritik an der Regierung ist derzeit eben auch Kritik an ihrer eigenen Partei. Zeichnet sich eine elegante, stilsichere Rebellion der Jungen ab?

"Eine Lerche macht noch keinen Sommer“, meint Feri Thierry dazu. Er stammt aus einer Ära lang vor Sebastian Kurz. Ab dem Jahr 2000 setzte er sich mit der "Plattform für offene Politik“ für eine liberalere ÖVP ein. Heute ist er unabhängiger Politikberater und genießt die Außensicht auf die Partei: "Man kann einen steigenden Druck bei Jüngeren wahrnehmen, die sagen: So kann es nicht weiter gehen. Aber dieser Unmut ist nicht vom bürgerlichen Umfeld gepachtet.“

Und tatsächlich wirkt die Junge ÖVP im Vergleich zu Jugendorganisationen von anderen Parteien trotz allem ziemlich zahm. Der Grund dafür könnte paradoxerweise ein prominenter sein: Sebastian Kurz. "Wir haben einen direkten Draht zum Parteiobmann, müssen ihm nichts über die Medien ausrichten“, erklärt Melchior. "Zu wilden Mitteln muss man oft dann greifen, wenn man sonst nicht wahrgenommen wird.“ Aber langweilig, darauf besteht Melchior, seien sie nicht geworden. Sie könnten sich lediglich - Kurz sei Dank - den Luxus leisten, sich auf andere Themen zu konzentrieren.

Revoluzzer wollen sie keine sein, aber mit Kritik nicht länger sparen: Die Junge ÖVP fordert mehr Mut bei Reformen - und bleibt dabei trotz allem verhalten.

In der Jungen Volkspartei, so scheint es, hat letzten April eine neue Zeitrechnung begonnen. Da wurde ihr Obmann Sebastian Kurz, damals 24, zum Integrationsstaatssekretär ernannt. Das Amt an sich hat zwar nichts mit seinem Job als Interessensvertreter der schwarzen Jugend zu tun, doch das einer von ihnen jüngstes Regierungsmitglied in ganz Europa wurde, bescherte den JVPlern einen wahren Höhenflug. "Sebastian Kurz ist die personifizierte Zukunft für die Politik in Österreich“, schwärmt Lukas Mandl, der 32-Jährige ÖAAB-Generalsekretär. "Er ist ein Profi, weicht keinen Millimeter von seiner Linie ab.“ Es wundert Mandl deshalb auch nicht, dass gerade jetzt, im zehnten Monat nach der Angelobung von Kurz, die Jugendorganisationen aus dem Umfeld der ÖVP eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht haben, in der sie die Politik, die auch von ihrer Mutterpartei mitgestaltet wird, anprangern. "Es ist uns Jungen nicht mehr zumutbar“, heißt es darin, "dass ständig Politik auf unsere Kosten betrieben wird.“ Das wollen sie sich "in Zukunft nicht mehr gefallen lassen“.

Wenn Rebellion, dann stilsicher

Eine vergleichbare Aktion hat es bei den jungen Bürgerlichen noch nie gegeben. Aber jetzt, angesichts der Kurz’schen Leistungsmotivation einerseits und der Dringlichkeit des Anliegens andererseits, reden die sonst eher verhaltenen Jungschwarzen Tacheles. "Beim Sparen und bei Reformen geht viel zu wenig weiter“, sagt JVP-Generalsekretär Axel Melchior, 30: "Wir wollten den Verhandlern des Sparpakets Rückhalt für umfassende Reformen geben.“ Auch für Asdin El Habbassi, 25, der jüngst Salzburgs JVP-Chef wurde, ist die Lage akut: "Wegschauen und Nichtssagen wäre an diesem Punkt fahrlässig. Wir werden uns in Zukunft öfter zu Wort melden und uns dabei kein Blatt vor den Mund nehmen.“ Die frechen Revoluzzer wollen sie dabei aber keinesfalls spielen, auch Demonstrationen gehören nicht zu ihrem Repertoire. Trotzdem: Kritik an der Regierung ist derzeit eben auch Kritik an ihrer eigenen Partei. Zeichnet sich eine elegante, stilsichere Rebellion der Jungen ab?

"Eine Lerche macht noch keinen Sommer“, meint Feri Thierry dazu. Er stammt aus einer Ära lang vor Sebastian Kurz. Ab dem Jahr 2000 setzte er sich mit der "Plattform für offene Politik“ für eine liberalere ÖVP ein. Heute ist er unabhängiger Politikberater und genießt die Außensicht auf die Partei: "Man kann einen steigenden Druck bei Jüngeren wahrnehmen, die sagen: So kann es nicht weiter gehen. Aber dieser Unmut ist nicht vom bürgerlichen Umfeld gepachtet.“

Und tatsächlich wirkt die Junge ÖVP im Vergleich zu Jugendorganisationen von anderen Parteien trotz allem ziemlich zahm. Der Grund dafür könnte paradoxerweise ein prominenter sein: Sebastian Kurz. "Wir haben einen direkten Draht zum Parteiobmann, müssen ihm nichts über die Medien ausrichten“, erklärt Melchior. "Zu wilden Mitteln muss man oft dann greifen, wenn man sonst nicht wahrgenommen wird.“ Aber langweilig, darauf besteht Melchior, seien sie nicht geworden. Sie könnten sich lediglich - Kurz sei Dank - den Luxus leisten, sich auf andere Themen zu konzentrieren.