Elaine Aron - © Foto: Privat

Elaine Aron: „Der Grund für meine besten Seiten“

1945 1960 1980 2000 2020

Die Pionierin in der Erforschung der Hochsensibilität über aktuelle Entwicklungen auf diesem Gebiet und ihre eigene Lebensgeschichte als hochsensible Person (HSP).

1945 1960 1980 2000 2020

Die Pionierin in der Erforschung der Hochsensibilität über aktuelle Entwicklungen auf diesem Gebiet und ihre eigene Lebensgeschichte als hochsensible Person (HSP).

Elaine Arons Buch „Sind Sie hochsensibel?“ gilt als Standardwerk zum Thema Hochsensibilität und wurde bislang in mehr als 70 Sprachen übersetzt. Die FURCHE bat die amerikanische Psychologin von der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York zum schriftlichen Interview.

DIE FURCHE: Die Wissenschaft weiß zwar schon sehr viel über das Phänomen der Hochsensibilität – welche Fragen aber sind noch offen?

Elaine Aron: Momentan befassen sich die meisten Studien mit Hochsensiblen, die ohne Wissen über ihre spezielle Veranlagung aufgewachsen sind. Das heißt, wir erfassen mit hoher Wahrscheinlichkeit jene Personen, die ihre Hochsensibilität als Schwierigkeit erleben. Die ­bisherigen Ergebnisse beziehen sich also auf jene, die aufgrund ihrer Lebensgeschichte unter Stress, Angst, Depression leiden. Durch ihre psychischen Probleme sind sie am sichtbarsten in der öffentlichen Wahrnehmung. Die große Frage ist nun aber: Wie entwickeln sich jene Hochsensiblen, deren Eltern ebenfalls so veranlagt sind; die ihren Kindern also einen ganz anderen, natürlichen Umgang mit ihrer Veranlagung mitgeben konnten. Um uns dieser ­Frage zu nähern, müssten viele Studien – unter Einbeziehung der Kindheit – wiederholt werden.

DIE FURCHE: Hängt die zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit, die Hochsensibilität heute bekommt, mit den Veränderungen der modernen Arbeitswelt zusammen? Immer mehr Menschen fühlen sich durch die Digitalisierung und die dadurch ausgelöste Beschleunigung überreizt und überfordert …

Aron: Nicht wirklich. Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, warum man begonnen hat, sich mit diesem Persönlichkeitszug zu befassen. Zu beachten ist, dass Hochsensible mit einer Kindheit, die „gut genug“ war, und die später in einem gesunden Umfeld leben, sehr gut funktionieren – sogar ­besser als Menschen ohne dieses Merkmal. Sie bekommen dann den Rückzug, den sie brauchen. Sie können besser mit den modernen Technologien umgehen, da sie ein besseres Verständnis für deren Nutzung haben. Diese Hochsensiblen fallen gar nicht auf: Sie sind meist sehr kreativ, freundlich, klug, empathisch etc.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau