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Gesellschaft

Entlastung statt BonBons

1945 1960 1980 2000 2020
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Kommenden Sonntag feiern wir wieder das Hochfest weiblicher Aufopferung: Kinder werden Gedichte rezitieren, Väter "Merci" durch Schokolade sagen - und im Anschluss wird man vielleicht sogar ins Grüne fahren, wenn der Wettergott es will. Muttertag ist, und meist stehen dabei jene Frauen im Zentrum (medialer) Aufmerksamkeit, die sich um Kinder, Küche und womöglich gar Karriere kümmern.

Jene Frauen, die pflegebedürftige Angehörige betreuen, sind deutlich weniger präsent -und doch würde ohne sie nichts mehr gehen in diesem Land. 84 Prozent aller Pflegegeldbezieher (rund 380.000 Menschen) werden derzeit zu Hause betreut, und in den meisten Fällen sind es Frauen über 60, die hier Care-Arbeit leisten. Wie viele der pflegenden Angehörigen dabei an -oder über -ihre Grenzen gehen, hat ihre Interessensgemeinschaft anlässlich des Internationalen Tags der Pflege am 12. Mai publiziert: 62 Prozent empfinden demnach ihre Verantwortung als psychische Belastung; und 47 Prozent machen sich große Sorgen oder haben Angst.

Überforderung herrscht auch bei den "Professionellen", wie die jüngst publik gewordenen Missstände in österreichischen Pflegeheimen zeigen. Mehr Personal und Kontrollen sind freilich nur ein erster Schritt. Angesichts stetig steigender Lebenserwartung und Begleiterscheinungen wie Demenz braucht es endlich umfassende Konzepte dafür, wie die bislang unbezahlte, aber für ein menschliches Miteinander zentrale Care-Arbeit fair verteilt und bewältigt werden kann.

Das Projekt "Selbständig Leben Daheim", wie es das Sozialministerium gemeinsam mit Träger-Organisationen wie Caritas, Diakonie und Rotem Kreuz erarbeitet hat, ist ein erster Schritt. Langzeitarbeitlose über 50 Jahren sollen dabei zu "Alltagsbegleitern" für Pflegebedürftige ausgebildet werden -und dadurch die Lücke zwischen mobilen Diensten und der 24-Stunden-Betreuung schließen. Eine wichtige Entlastung für pflegende Angehörige, die im Rahmen der "Aktion 20.000" umgesetzt und finanziert werden soll. Fehlt nur noch, dass sich die Regierung endlich auf die nötige Finanzierung einigt. Es wäre ein schönes Muttertagsgeschenk - besser noch als Bonbons.

Kommenden Sonntag feiern wir wieder das Hochfest weiblicher Aufopferung: Kinder werden Gedichte rezitieren, Väter "Merci" durch Schokolade sagen - und im Anschluss wird man vielleicht sogar ins Grüne fahren, wenn der Wettergott es will. Muttertag ist, und meist stehen dabei jene Frauen im Zentrum (medialer) Aufmerksamkeit, die sich um Kinder, Küche und womöglich gar Karriere kümmern.

Jene Frauen, die pflegebedürftige Angehörige betreuen, sind deutlich weniger präsent -und doch würde ohne sie nichts mehr gehen in diesem Land. 84 Prozent aller Pflegegeldbezieher (rund 380.000 Menschen) werden derzeit zu Hause betreut, und in den meisten Fällen sind es Frauen über 60, die hier Care-Arbeit leisten. Wie viele der pflegenden Angehörigen dabei an -oder über -ihre Grenzen gehen, hat ihre Interessensgemeinschaft anlässlich des Internationalen Tags der Pflege am 12. Mai publiziert: 62 Prozent empfinden demnach ihre Verantwortung als psychische Belastung; und 47 Prozent machen sich große Sorgen oder haben Angst.

Überforderung herrscht auch bei den "Professionellen", wie die jüngst publik gewordenen Missstände in österreichischen Pflegeheimen zeigen. Mehr Personal und Kontrollen sind freilich nur ein erster Schritt. Angesichts stetig steigender Lebenserwartung und Begleiterscheinungen wie Demenz braucht es endlich umfassende Konzepte dafür, wie die bislang unbezahlte, aber für ein menschliches Miteinander zentrale Care-Arbeit fair verteilt und bewältigt werden kann.

Das Projekt "Selbständig Leben Daheim", wie es das Sozialministerium gemeinsam mit Träger-Organisationen wie Caritas, Diakonie und Rotem Kreuz erarbeitet hat, ist ein erster Schritt. Langzeitarbeitlose über 50 Jahren sollen dabei zu "Alltagsbegleitern" für Pflegebedürftige ausgebildet werden -und dadurch die Lücke zwischen mobilen Diensten und der 24-Stunden-Betreuung schließen. Eine wichtige Entlastung für pflegende Angehörige, die im Rahmen der "Aktion 20.000" umgesetzt und finanziert werden soll. Fehlt nur noch, dass sich die Regierung endlich auf die nötige Finanzierung einigt. Es wäre ein schönes Muttertagsgeschenk - besser noch als Bonbons.