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Tag der Arbeit

Gesellschaft

Angst vor der neuen Arbeitswelt

1945 1960 1980 2000 2020

1. Mai - Tag der Arbeit. Welche Arbeitswelt wurde hier gefeiert? Arbeitslose Menschen haben sowieso wenig Grund zum Feiern und die Experten prognostizieren, dass uns ohnehin bald die (gutbezahlten) Arbeitsplätze ausgehen werden.

1945 1960 1980 2000 2020

1. Mai - Tag der Arbeit. Welche Arbeitswelt wurde hier gefeiert? Arbeitslose Menschen haben sowieso wenig Grund zum Feiern und die Experten prognostizieren, dass uns ohnehin bald die (gutbezahlten) Arbeitsplätze ausgehen werden.

Trotz verschiedener EU-Initiativen ist die Arbeitslosigkeit in Europa untragbar hoch geblieben. Noch nie seit 1933 gab es in Europa mehr Menschen ohne Arbeit. Und die Untätigkeit ist größtenteils unfreiwillig.

In Österreich sind gemäß Mikrozensus 1999 146.700 Personen arbeitslos, der Anteil der Frauen beträgt 65.000, gerechnet nach dem sogenannten "Labour Force Concept". Die Umstellung auf das Labour-Force-Konzept hat Millionen Arbeitslose weltweit so gut wie "wegdefiniert", denn die OECD schätzt die "stille Reserve" unerfasster Arbeitswilliger oder unfreiwilliger Teilzeitarbeiter auf 13 Millionen.

In der Gruppe der sogenannten "Stillen Arbeitslosigkeit" finden sich vor allem Frauen. Viele von ihnen im Alter zwischen 35 und 40, die "versorgt" sind, melden sich nicht mehr arbeitssuchend, weil sie nach zahllosen Vorstellungsgesprächen und Bewerbungen zu oft gehört haben, dass sie für den Arbeitsmarkt "eigentlich zu alt" sind. In Österreich sind 70 Prozent der Arbeitsplätze, die in den letzten zehn Jahren geschaffen wurden, Teilzeitarbeitsplätze. Frauen nehmen heute oft einen Teilzeitjob an, weil sie sonst überhaupt keine Chance auf Arbeit haben. Die Teilzeitbeschäftigung der Frauen beträgt 21 Prozent. Wenn man geringfügig Beschäftigte dazurechnet, sind es immerhin 30 Prozent der Frauen die keine Vollerwerbstätigkeit haben.

Historisch relativ neu, seit 1973 vervielfacht und am folgenschwersten ist jedoch nach wie vor die Langzeitarbeitslosigkeit. In der EU findet heute jeder zweite Arbeitsuchende über ein Jahr lang keinen Job mehr. Das Risiko, arbeitslos zu bleiben, ist in der EU achtmal höher als in Kanada und in den USA. Historisch neu ist auch die Haushaltsstruktur der Arbeitslosigkeit: ein Drittel der Arbeitslosen hat Eltern, Partner oder Kinder, die sie erhalten, sodass niemand verhungert; aber viele verschulden sich, werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt und verarmen. Unter den drei Millionen Obdachlosen in der EU sind viele Kinder, Familien und geistig behinderte Menschen.

Österreich zählt zu den zehn reichsten Ländern der Erde. Trotzdem wird vermeldet, dass auch bei uns die Zahl der Armutsgefährdeten oder von Armut Betroffenen von Jahr zu Jahr steigt. Der Grund dafür: Arbeitslosigkeit. Der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet den Verlust von durchschnittlich mindestens 40 Prozent des Einkommens. In Österreich sind eine Million Haushalte verschuldet. Berufstätige Menschen nehmen Kredite für die Wohnung oder für deren Sanierung auf. Wird nun ein Partner arbeitslos, wird die Situation schwierig. Es können dann weder Miete noch Kredite bezahlt werden, in vielen Fällen droht die Delogierung. Auch durch Scheidung oder Tod des Lebenspartners geraten Menschen in Armut. Im Gegensatz zu früher sind in Österreich heute vier Fünftel der Armutsgefährdeten oder von Armut betroffenen Menschen im erwerbsfähigen Alter und keine Pensionisten.

"Hausfrauisierung"

Bereits 1982 schreiben die Autorinnen Werlhof, Mies und Bennold-Thomsen: "Wir haben die Ökonomie erst verstanden, wenn wir die Hausarbeit verstanden haben." Hausfrau und Lohnarbeiter bilden eine Art siamesischer Zwillinge unserer Ökonomie. Die Hausfrau ist unfrei, gebunden an ihren Arbeitsplatz, an die Wohnung, den Mann und Kinder, ungleich in dem Sinne, dass sie ökonomisch abhängig ist, der Mann muss ihr nur Kost und Logis geben. Arbeitszeit und -bedingungen, Urlaub und Freizeit, all das ist bei Hausfrauen nicht geregelt.

Was wir beobachten können, ist eine unerhörte und weltweite Degradierung menschlicher Arbeit: Dienen und gehorchen, rund um die Uhr zur Verfügung stehen, gering oder gar nicht bezahlt, unter Einbringung der ganzen Person mitsamt ihren emotionalen Kräften. Doch trotz dieser kostenbegünstigten ideologischen Degradierung sind es gerade die Qualitäten weiblicher Arbeit, die die Begierde wecken: Flexibilität, Sich-verantwortlich-Fühlen, Sich-Aufopfern, das Einspringen für Andere, Durchhalten. In der Managementliteratur ist längst davon die Rede, dass "die emotionalen Ressourcen der Arbeitskräfte angezapft werden müssen."

Die neuen Denkmuster stellen auch in der Arbeitswelt neue Herausforderungen dar: es zählt in erster Linie nicht mehr Erfahrung, sondern die Schnelligkeit beim Umlernen. Dementsprechend sehen heute auch die Stellenangebote aus: Mobilität und Flexibilität werden vorausgesetzt, jemand der - etwa wegen familiärer Pflichten - nicht jederzeit abrufbar ist, hat von vornherein schlechtere Karten. Die "Flexibilisierung der Arbeitszeit" - ein von Arbeitnehmern in den sechziger und siebziger Jahren gefordertes Modell - hat auf die Art eine vollkommene Umkehrung erfahren. Immer weniger geht es heute darum, dass Arbeitnehmer durch flexiblere Arbeitszeitmodelle Familie und Beruf unter einen Hut bringen können, vielmehr sollen sie - je nach Bedarf - dann zum Beispiel an den Supermarktkassen sitzen, wenn sich mehr als fünf Kunden angestellt haben. Dann - und nur dann - werden sie auch dafür bezahlt.

So tauchen hinter scheinbar ganz modernen Forderungen - gerade aktuell die des Wirtschaftsministers Bartenstein zur Ladenöffnung rund um die Uhr - ganz alte Menschheitsfragen auf. Wer hat die Herrschaft über seine Zeit? Richten wir uns nach dem Wohl der Familien, oder versuchen wird durch Arbeitszeitmodelle Betriebsstätten und Maschinen besser auszulasten um die Gewinne zu erhöhen?

Menschen sind nicht als "Rund-um-die-Uhr-Wesen" konstruiert. Sie brauchen die Stunden des Schlafens und des Träumens, sie brauchen die geregelten Zeiten um etwas gemeinsam unternehmen zu können, und ihre Beziehungen zu pflegen, sie brauchen auch die Gewissheit, nicht in fünf Jahren - so lange dauert angeblich derzeit die sogenannte "Halbwertszeit", wo das erworbene Wissen nur noch zu 50 Prozent nutzbar ist - zum "alten Eisen" zu gehören.

Wer bleibt übrig?

Der Sozialwissenschaftler Bernd Marin malt das Bild der sogenannten Vier-Viertel-Gesellschaft: Im Jahr 2020, so die Vorhersage des Experten, wird nur mehr ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung einen gut bezahlten Ganztagsjob haben. Ein weiteres Viertel muss mit einer saisonal beschränkten Arbeit das Auslangen finden. Ein weiteres Viertel muss sich in einen Teilzeitjob dreinschicken, und das letzte Viertel bleibt arbeitslos auf der Strecke.

Solchen Entwicklungen sollte rechtzeitig gegengesteuert werden. Vorschläge, Konzepte beziehungsweise Auswege für eine derartige Entwicklung fehlen offensichtlich zur Gänze. Hier werden kirchliche Organisationen, wie die KAB (Katholische Arbeitnehmer/innen-Bewegung Österreichs) neuerdings verstärkt aktiv.

Die KAB stellte ihrem christlichen Auftrag gemäß zum 1. Mai 2001 drei Forderungen:

1. "Die Wirtschaft muss dem Menschen dienen!" Die KAB sieht die Wirtschaft als einen Teilbereich menschlichen Schaffens und fordert deshalb eine sozial gerechte Verteilung der Gewinne auf nationaler und internationaler Ebene, die notwendige Versorgung der Menschen mit Gütern und Dienstleistungen sowie das Recht auf Arbeit mit gerechter Entlohnung.

2. Schaffung einer Sozialverträglichkeits-Prüfung. Ein zentraler Satz der Katholischen Soziallehre fordert schon lange, dass der Mensch im Mittelpunkt eines Unternehmens zu stehen habe. Analog der Umweltverträglichkeits-Prüfung sollte für das Personal eines Betriebes eine Sozialverträglichkeits-Prüfung geschaffen werden.

3. "Globalisierung braucht Rahmenbedingungen." Während im Bereich der Finanzspekulation und der sogenannten "new economy" (Internet, e-commerce, Telekommunikation etc.) die Globalisierung rasend schnell vor sich geht, vollzieht sie sich auf kultureller und menschlicher Ebene sehr langsam, weist manchmal sogar rückläufige Tendenzen auf.

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Österreichs mahnte besonders anlässlich des "Tages der Arbeit", Schnelligkeiten des Wandels in der Welt der Arbeit, die sich derzeit weltweit vollziehen, auf ein menschliches Maß zu reduzieren, und die "De-Regulierung" nicht zu einem neuen Wert zu erheben.

Brigitte Ettl vom "Forum Beziehung, Ehe und Familie" der Katholischen Aktion Österreichs sowie Andreas Gjecaj vom "Forum Arbeit, Wirtschaft und Soziales" weisen zusätzlich auf die vielfältigen Möglichkeiten der Begleitung arbeitender Menschen hin. Betriebsseelsorger wie Hans Gruber (Betriebsseelsorgezentrum Linz) und Kaplan Franz Sieder (Betriebsseelsorger, Amstetten), bemühen sich seit vielen Jahren um vertretbare Rahmenbedingungen für arbeitende Menschen. Ihre Kontakte zu Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen gelingen gut auf der Basis gegenseitiger Toleranz. Weiters veranstaltet das Forum "Beziehung, Ehe und Familie" im Bildungshaus St.Bernhard (Wiener Neustadt), am 2., 23., und 30., Mai sowie am 6. und 13. Juni Vorträge und Seminare zum Thema "Arbeitslosigkeit und ihre Folgen". Zielgruppe sind arbeitslose Menschen und ihre Lebenspartner, Ziel der Veranstaltungsreihe ist das Bewusstmachen der eigenen Fähigkeiten und kreativen Möglichkeiten auch außerhalb der Erwerbsarbeit.

Auch wenn viele Menschen heute an den Rand gedrängt werden, gibt es doch auch viele engagierte Zeitgenossen, die sich für ihre Probleme und Sorgen verantwortlich fühlen und nach Lösungen suchen.

Trotz verschiedener EU-Initiativen ist die Arbeitslosigkeit in Europa untragbar hoch geblieben. Noch nie seit 1933 gab es in Europa mehr Menschen ohne Arbeit. Und die Untätigkeit ist größtenteils unfreiwillig.

In Österreich sind gemäß Mikrozensus 1999 146.700 Personen arbeitslos, der Anteil der Frauen beträgt 65.000, gerechnet nach dem sogenannten "Labour Force Concept". Die Umstellung auf das Labour-Force-Konzept hat Millionen Arbeitslose weltweit so gut wie "wegdefiniert", denn die OECD schätzt die "stille Reserve" unerfasster Arbeitswilliger oder unfreiwilliger Teilzeitarbeiter auf 13 Millionen.

In der Gruppe der sogenannten "Stillen Arbeitslosigkeit" finden sich vor allem Frauen. Viele von ihnen im Alter zwischen 35 und 40, die "versorgt" sind, melden sich nicht mehr arbeitssuchend, weil sie nach zahllosen Vorstellungsgesprächen und Bewerbungen zu oft gehört haben, dass sie für den Arbeitsmarkt "eigentlich zu alt" sind. In Österreich sind 70 Prozent der Arbeitsplätze, die in den letzten zehn Jahren geschaffen wurden, Teilzeitarbeitsplätze. Frauen nehmen heute oft einen Teilzeitjob an, weil sie sonst überhaupt keine Chance auf Arbeit haben. Die Teilzeitbeschäftigung der Frauen beträgt 21 Prozent. Wenn man geringfügig Beschäftigte dazurechnet, sind es immerhin 30 Prozent der Frauen die keine Vollerwerbstätigkeit haben.

Historisch relativ neu, seit 1973 vervielfacht und am folgenschwersten ist jedoch nach wie vor die Langzeitarbeitslosigkeit. In der EU findet heute jeder zweite Arbeitsuchende über ein Jahr lang keinen Job mehr. Das Risiko, arbeitslos zu bleiben, ist in der EU achtmal höher als in Kanada und in den USA. Historisch neu ist auch die Haushaltsstruktur der Arbeitslosigkeit: ein Drittel der Arbeitslosen hat Eltern, Partner oder Kinder, die sie erhalten, sodass niemand verhungert; aber viele verschulden sich, werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt und verarmen. Unter den drei Millionen Obdachlosen in der EU sind viele Kinder, Familien und geistig behinderte Menschen.

Österreich zählt zu den zehn reichsten Ländern der Erde. Trotzdem wird vermeldet, dass auch bei uns die Zahl der Armutsgefährdeten oder von Armut Betroffenen von Jahr zu Jahr steigt. Der Grund dafür: Arbeitslosigkeit. Der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet den Verlust von durchschnittlich mindestens 40 Prozent des Einkommens. In Österreich sind eine Million Haushalte verschuldet. Berufstätige Menschen nehmen Kredite für die Wohnung oder für deren Sanierung auf. Wird nun ein Partner arbeitslos, wird die Situation schwierig. Es können dann weder Miete noch Kredite bezahlt werden, in vielen Fällen droht die Delogierung. Auch durch Scheidung oder Tod des Lebenspartners geraten Menschen in Armut. Im Gegensatz zu früher sind in Österreich heute vier Fünftel der Armutsgefährdeten oder von Armut betroffenen Menschen im erwerbsfähigen Alter und keine Pensionisten.

"Hausfrauisierung"

Bereits 1982 schreiben die Autorinnen Werlhof, Mies und Bennold-Thomsen: "Wir haben die Ökonomie erst verstanden, wenn wir die Hausarbeit verstanden haben." Hausfrau und Lohnarbeiter bilden eine Art siamesischer Zwillinge unserer Ökonomie. Die Hausfrau ist unfrei, gebunden an ihren Arbeitsplatz, an die Wohnung, den Mann und Kinder, ungleich in dem Sinne, dass sie ökonomisch abhängig ist, der Mann muss ihr nur Kost und Logis geben. Arbeitszeit und -bedingungen, Urlaub und Freizeit, all das ist bei Hausfrauen nicht geregelt.

Was wir beobachten können, ist eine unerhörte und weltweite Degradierung menschlicher Arbeit: Dienen und gehorchen, rund um die Uhr zur Verfügung stehen, gering oder gar nicht bezahlt, unter Einbringung der ganzen Person mitsamt ihren emotionalen Kräften. Doch trotz dieser kostenbegünstigten ideologischen Degradierung sind es gerade die Qualitäten weiblicher Arbeit, die die Begierde wecken: Flexibilität, Sich-verantwortlich-Fühlen, Sich-Aufopfern, das Einspringen für Andere, Durchhalten. In der Managementliteratur ist längst davon die Rede, dass "die emotionalen Ressourcen der Arbeitskräfte angezapft werden müssen."

Die neuen Denkmuster stellen auch in der Arbeitswelt neue Herausforderungen dar: es zählt in erster Linie nicht mehr Erfahrung, sondern die Schnelligkeit beim Umlernen. Dementsprechend sehen heute auch die Stellenangebote aus: Mobilität und Flexibilität werden vorausgesetzt, jemand der - etwa wegen familiärer Pflichten - nicht jederzeit abrufbar ist, hat von vornherein schlechtere Karten. Die "Flexibilisierung der Arbeitszeit" - ein von Arbeitnehmern in den sechziger und siebziger Jahren gefordertes Modell - hat auf die Art eine vollkommene Umkehrung erfahren. Immer weniger geht es heute darum, dass Arbeitnehmer durch flexiblere Arbeitszeitmodelle Familie und Beruf unter einen Hut bringen können, vielmehr sollen sie - je nach Bedarf - dann zum Beispiel an den Supermarktkassen sitzen, wenn sich mehr als fünf Kunden angestellt haben. Dann - und nur dann - werden sie auch dafür bezahlt.

So tauchen hinter scheinbar ganz modernen Forderungen - gerade aktuell die des Wirtschaftsministers Bartenstein zur Ladenöffnung rund um die Uhr - ganz alte Menschheitsfragen auf. Wer hat die Herrschaft über seine Zeit? Richten wir uns nach dem Wohl der Familien, oder versuchen wird durch Arbeitszeitmodelle Betriebsstätten und Maschinen besser auszulasten um die Gewinne zu erhöhen?

Menschen sind nicht als "Rund-um-die-Uhr-Wesen" konstruiert. Sie brauchen die Stunden des Schlafens und des Träumens, sie brauchen die geregelten Zeiten um etwas gemeinsam unternehmen zu können, und ihre Beziehungen zu pflegen, sie brauchen auch die Gewissheit, nicht in fünf Jahren - so lange dauert angeblich derzeit die sogenannte "Halbwertszeit", wo das erworbene Wissen nur noch zu 50 Prozent nutzbar ist - zum "alten Eisen" zu gehören.

Wer bleibt übrig?

Der Sozialwissenschaftler Bernd Marin malt das Bild der sogenannten Vier-Viertel-Gesellschaft: Im Jahr 2020, so die Vorhersage des Experten, wird nur mehr ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung einen gut bezahlten Ganztagsjob haben. Ein weiteres Viertel muss mit einer saisonal beschränkten Arbeit das Auslangen finden. Ein weiteres Viertel muss sich in einen Teilzeitjob dreinschicken, und das letzte Viertel bleibt arbeitslos auf der Strecke.

Solchen Entwicklungen sollte rechtzeitig gegengesteuert werden. Vorschläge, Konzepte beziehungsweise Auswege für eine derartige Entwicklung fehlen offensichtlich zur Gänze. Hier werden kirchliche Organisationen, wie die KAB (Katholische Arbeitnehmer/innen-Bewegung Österreichs) neuerdings verstärkt aktiv.

Die KAB stellte ihrem christlichen Auftrag gemäß zum 1. Mai 2001 drei Forderungen:

1. "Die Wirtschaft muss dem Menschen dienen!" Die KAB sieht die Wirtschaft als einen Teilbereich menschlichen Schaffens und fordert deshalb eine sozial gerechte Verteilung der Gewinne auf nationaler und internationaler Ebene, die notwendige Versorgung der Menschen mit Gütern und Dienstleistungen sowie das Recht auf Arbeit mit gerechter Entlohnung.

2. Schaffung einer Sozialverträglichkeits-Prüfung. Ein zentraler Satz der Katholischen Soziallehre fordert schon lange, dass der Mensch im Mittelpunkt eines Unternehmens zu stehen habe. Analog der Umweltverträglichkeits-Prüfung sollte für das Personal eines Betriebes eine Sozialverträglichkeits-Prüfung geschaffen werden.

3. "Globalisierung braucht Rahmenbedingungen." Während im Bereich der Finanzspekulation und der sogenannten "new economy" (Internet, e-commerce, Telekommunikation etc.) die Globalisierung rasend schnell vor sich geht, vollzieht sie sich auf kultureller und menschlicher Ebene sehr langsam, weist manchmal sogar rückläufige Tendenzen auf.

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Österreichs mahnte besonders anlässlich des "Tages der Arbeit", Schnelligkeiten des Wandels in der Welt der Arbeit, die sich derzeit weltweit vollziehen, auf ein menschliches Maß zu reduzieren, und die "De-Regulierung" nicht zu einem neuen Wert zu erheben.

Brigitte Ettl vom "Forum Beziehung, Ehe und Familie" der Katholischen Aktion Österreichs sowie Andreas Gjecaj vom "Forum Arbeit, Wirtschaft und Soziales" weisen zusätzlich auf die vielfältigen Möglichkeiten der Begleitung arbeitender Menschen hin. Betriebsseelsorger wie Hans Gruber (Betriebsseelsorgezentrum Linz) und Kaplan Franz Sieder (Betriebsseelsorger, Amstetten), bemühen sich seit vielen Jahren um vertretbare Rahmenbedingungen für arbeitende Menschen. Ihre Kontakte zu Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen gelingen gut auf der Basis gegenseitiger Toleranz. Weiters veranstaltet das Forum "Beziehung, Ehe und Familie" im Bildungshaus St.Bernhard (Wiener Neustadt), am 2., 23., und 30., Mai sowie am 6. und 13. Juni Vorträge und Seminare zum Thema "Arbeitslosigkeit und ihre Folgen". Zielgruppe sind arbeitslose Menschen und ihre Lebenspartner, Ziel der Veranstaltungsreihe ist das Bewusstmachen der eigenen Fähigkeiten und kreativen Möglichkeiten auch außerhalb der Erwerbsarbeit.

Auch wenn viele Menschen heute an den Rand gedrängt werden, gibt es doch auch viele engagierte Zeitgenossen, die sich für ihre Probleme und Sorgen verantwortlich fühlen und nach Lösungen suchen.