Schwebfliege - © Foto: iStock/JimmyR

Corona-Politik: Der Schwebfliege Fluch & Segen

1945 1960 1980 2000 2020

Wer erfolgreiches Lügen zu höherem Zweck verstehen will, sollte die Schwebfliege beobachten, nicht aber die Politik.

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Wer erfolgreiches Lügen zu höherem Zweck verstehen will, sollte die Schwebfliege beobachten, nicht aber die Politik.

Da der Fasching heuer praktisch von der Straße und den Festhallen verbannt ist; da er daher exklusiv in unseren Köpfen stattfinden muss, soll aus der Not eine Tugend gemacht werden: Warum nicht den Gedankenbogen in etwas höherwertige Gefilde erweitern – in Gedankengalaxien, die noch nie zuvor ein Büttenkönig betreten hat? Es geht um das Phänomen der Maskierung in ihrer vollendetsten Form: als Mimikry. Die Natur, sonst ein Ort oft brutalster Wahrheit, hat in dieser Form der Täuschung ihren Höhepunkt erreicht. Da gibt es Ameisen, die Spinnen nachahmen, Orchideen, die Sexuallockstoffe von Insekten nachahmen, Kraken, die jede beliebige Form und Farbe ihrer Umgebung annehmen können.

Eine der bekanntesten Maskierten im Insektenreich ist die Schwebfliege, die eigentlich nicht schwebt, sondern ein ungeheuer agiler Flugakrobat ist. Ein Individuum aus der Familie der Syrphidae kann einem Kolibri gleich dank 300 Flügelschlägen pro Sekunde in der Luft stehen und perfekte Flugmanöver ausführen. Was immer sie an Gewöhnlichem oder Ungewöhnlichem tut, sie kann dabei höchst sicher vor Fressfeinden sein. Denn sie hat oberflächlich den Mantel einer wehrhaften Wespe übergestreift und bleibt deshalb meist unbehelligt.

Gehüllt ins Gefahrenzeichen

Während viele Insekten sich vor ihren Gegnern zu verbergen versuchen, indem sie äußerlich mit ihrer Umgebung zu verschmelzen suchen, hat die Schwebfliege den allergrellsten Tarnmantel angelegt, den es gibt. Sie hüllt sich quasi ins Gefahrenzeichen.

Daraus lässt sich nun mehrerlei ableiten. Erstens, dass die angewandte Unwahrheit höchst nützlich für alle sein kann. Indem sie etwa unbewaffnete Abschreckung ebenso effektiv macht wie die bewaffnete. Wer, wie die Fliege Bilder im Kopf seines Gegenübers auszulösen vermag, braucht keine irdische Macht, um die Welt zu bewegen. Gerade so muss es auch mit der optimalen Übertragung von Wissen funktionieren. In Bildern, die nicht wahr sein müssen, aber die Wirklichkeit nützlich prägen durch das Verhalten, das sie auslösen.

So wie das beim Vogel der Fall ist, der die Schwebfliege nicht frisst, weil er ­Wespen fürchtet. Die Tarnungslüge der Fliege dämpft die Nachfrage nach ihr.
Der Vorgang ist hochkomplex und nicht allen Menschen anzuraten, vor allem nicht Politikern. Sie erzählen etwa bewusst angstmachende Geschichten über Viren, in der Hoffnung, dass die Menschen dann disziplinierter Gesundheitsgesetze befolgen. Dann wird die Taktik ruchbar, und die Bürger pfeifen auf die Maßnahmen. Effekt: Die angstmachenden Geschichten über Opferzahlen werden Wirklichkeit, weil niemand mehr der Regierung glaubt. Es ist dann ein negatives Wunder geschehen: Die Schwebfliege hat sich tatsächlich in eine Wespe verwandelt. Und die gutgemeinte Lüge wurde zum Fluch.

Da der Fasching heuer praktisch von der Straße und den Festhallen verbannt ist; da er daher exklusiv in unseren Köpfen stattfinden muss, soll aus der Not eine Tugend gemacht werden: Warum nicht den Gedankenbogen in etwas höherwertige Gefilde erweitern – in Gedankengalaxien, die noch nie zuvor ein Büttenkönig betreten hat? Es geht um das Phänomen der Maskierung in ihrer vollendetsten Form: als Mimikry. Die Natur, sonst ein Ort oft brutalster Wahrheit, hat in dieser Form der Täuschung ihren Höhepunkt erreicht. Da gibt es Ameisen, die Spinnen nachahmen, Orchideen, die Sexuallockstoffe von Insekten nachahmen, Kraken, die jede beliebige Form und Farbe ihrer Umgebung annehmen können.

Eine der bekanntesten Maskierten im Insektenreich ist die Schwebfliege, die eigentlich nicht schwebt, sondern ein ungeheuer agiler Flugakrobat ist. Ein Individuum aus der Familie der Syrphidae kann einem Kolibri gleich dank 300 Flügelschlägen pro Sekunde in der Luft stehen und perfekte Flugmanöver ausführen. Was immer sie an Gewöhnlichem oder Ungewöhnlichem tut, sie kann dabei höchst sicher vor Fressfeinden sein. Denn sie hat oberflächlich den Mantel einer wehrhaften Wespe übergestreift und bleibt deshalb meist unbehelligt.

Gehüllt ins Gefahrenzeichen

Während viele Insekten sich vor ihren Gegnern zu verbergen versuchen, indem sie äußerlich mit ihrer Umgebung zu verschmelzen suchen, hat die Schwebfliege den allergrellsten Tarnmantel angelegt, den es gibt. Sie hüllt sich quasi ins Gefahrenzeichen.

Daraus lässt sich nun mehrerlei ableiten. Erstens, dass die angewandte Unwahrheit höchst nützlich für alle sein kann. Indem sie etwa unbewaffnete Abschreckung ebenso effektiv macht wie die bewaffnete. Wer, wie die Fliege Bilder im Kopf seines Gegenübers auszulösen vermag, braucht keine irdische Macht, um die Welt zu bewegen. Gerade so muss es auch mit der optimalen Übertragung von Wissen funktionieren. In Bildern, die nicht wahr sein müssen, aber die Wirklichkeit nützlich prägen durch das Verhalten, das sie auslösen.

So wie das beim Vogel der Fall ist, der die Schwebfliege nicht frisst, weil er ­Wespen fürchtet. Die Tarnungslüge der Fliege dämpft die Nachfrage nach ihr.
Der Vorgang ist hochkomplex und nicht allen Menschen anzuraten, vor allem nicht Politikern. Sie erzählen etwa bewusst angstmachende Geschichten über Viren, in der Hoffnung, dass die Menschen dann disziplinierter Gesundheitsgesetze befolgen. Dann wird die Taktik ruchbar, und die Bürger pfeifen auf die Maßnahmen. Effekt: Die angstmachenden Geschichten über Opferzahlen werden Wirklichkeit, weil niemand mehr der Regierung glaubt. Es ist dann ein negatives Wunder geschehen: Die Schwebfliege hat sich tatsächlich in eine Wespe verwandelt. Und die gutgemeinte Lüge wurde zum Fluch.

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