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Schule in Zeiten von Corona

Quint-Essenz

Homeoffice, Kind und Corona: Kugeln mit Stacheln

1945 1960 1980 2000 2020

Kolumnistin Brigitte Quint soll im Homeoffice Texte schreiben, während ihr Mann seiner systemrelevanten Tätigkeit nachgeht. Das Verständnis des gemeinsamen Sohnes, dessen Kindergarten coronabedingt geschlossen ist, ist enden wollend. Dennoch geht er auf seine Weise mit der Situation um ...

1945 1960 1980 2000 2020

Kolumnistin Brigitte Quint soll im Homeoffice Texte schreiben, während ihr Mann seiner systemrelevanten Tätigkeit nachgeht. Das Verständnis des gemeinsamen Sohnes, dessen Kindergarten coronabedingt geschlossen ist, ist enden wollend. Dennoch geht er auf seine Weise mit der Situation um ...

Mein Mann ist systemrelevant. Ich nicht. Deshalb geht er in die Arbeit und ich betreue unseren Sohn. Im Homeoffice. Während ich den leeren Bildschirm anstarre, ermahnt er seine Stofftiere. Sie sollen die Hände waschen, die Finger aus dem Mund nehmen, tapfer sein, da sie ja jetzt nicht auf den Spielplatz dürfen. Nach etwa 30 Minuten wird es meinem Kind zu langweilig. Es rüttelt an meinem Sessel, fragt, wann ich Pause mache. Wir stellen einen kleinen Tisch neben meinen Schreibtisch. Mein Sohn malt Kugeln mit Stacheln. Corona-Viren. Die hat ihm sein Papa gezeigt. In
einer Zeitschrift für systemrelevante Berufe. Ich habe noch keine druckfähige Zeile geschrieben, da mich mein Kind drängt, jeden einzelnen seiner Striche zu kommentieren.

Nach etwa 30 Minuten wird es ihm zu langweilig. Es rüttelt an meinem Sessel, fragt, wann ich Pause mache. Ich nehme das Kinderfahrrad und gehe mit ihm um die Ecke auf die Mariahilfer Straße. Wir begegnen einer sichtlich verwirrten Frau. Sie stürmt auf uns zu, riecht streng nach Schnaps und fuchtelt mit ihren Händen. Ich fürchte mich. Mein Sohn sagt dagegen gelassen: „Die hat Corona.“ Dann gehen wir zurück in die Wohnung. Erneut versuche ich zu schreiben.

Mein Kind schaut sich ein Buch an. Nach etwa 30 Minuten wird es ihm zu langweilig. Es rüttelt an meinem Sessel. Endlich öffnet sich die Eingangstür. Der Systemretter ist da! Todmüde mache ich mich an die Arbeit. Systemtechnisch gesehen habe ich mich innerhalb meines Mikrokosmos‘ heute definitiv relevant gefühlt. Und sich auf diesen zu besinnen, hilft ungemein. Ganz besonders, wenn sich die Welt um einen herum im Chaos befindet.

Mein Mann ist systemrelevant. Ich nicht. Deshalb geht er in die Arbeit und ich betreue unseren Sohn. Im Homeoffice. Während ich den leeren Bildschirm anstarre, ermahnt er seine Stofftiere. Sie sollen die Hände waschen, die Finger aus dem Mund nehmen, tapfer sein, da sie ja jetzt nicht auf den Spielplatz dürfen. Nach etwa 30 Minuten wird es meinem Kind zu langweilig. Es rüttelt an meinem Sessel, fragt, wann ich Pause mache. Wir stellen einen kleinen Tisch neben meinen Schreibtisch. Mein Sohn malt Kugeln mit Stacheln. Corona-Viren. Die hat ihm sein Papa gezeigt. In
einer Zeitschrift für systemrelevante Berufe. Ich habe noch keine druckfähige Zeile geschrieben, da mich mein Kind drängt, jeden einzelnen seiner Striche zu kommentieren.

Nach etwa 30 Minuten wird es ihm zu langweilig. Es rüttelt an meinem Sessel, fragt, wann ich Pause mache. Ich nehme das Kinderfahrrad und gehe mit ihm um die Ecke auf die Mariahilfer Straße. Wir begegnen einer sichtlich verwirrten Frau. Sie stürmt auf uns zu, riecht streng nach Schnaps und fuchtelt mit ihren Händen. Ich fürchte mich. Mein Sohn sagt dagegen gelassen: „Die hat Corona.“ Dann gehen wir zurück in die Wohnung. Erneut versuche ich zu schreiben.

Mein Kind schaut sich ein Buch an. Nach etwa 30 Minuten wird es ihm zu langweilig. Es rüttelt an meinem Sessel. Endlich öffnet sich die Eingangstür. Der Systemretter ist da! Todmüde mache ich mich an die Arbeit. Systemtechnisch gesehen habe ich mich innerhalb meines Mikrokosmos‘ heute definitiv relevant gefühlt. Und sich auf diesen zu besinnen, hilft ungemein. Ganz besonders, wenn sich die Welt um einen herum im Chaos befindet.