Schulen im Corona-Herbst: Verlerntes Vertrauen

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Endlich hat der Bildungsminister seine Pläne für eine „sichere Schule“ ab Herbst vorgestellt. Dass man immer mehr Schüler(innen) und Eltern nicht mehr erreicht, muss indes alarmieren.

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Endlich hat der Bildungsminister seine Pläne für eine „sichere Schule“ ab Herbst vorgestellt. Dass man immer mehr Schüler(innen) und Eltern nicht mehr erreicht, muss indes alarmieren.

Erholt und tatendurstig sah Heinz Faßmann aus, als er Mittwoch dieser Woche in der Aula der Wissenschaften vor die Öffentlichkeit trat: Nach lähmenden Monaten des Hinterherhechelns und nach nicht minder lähmenden Wochen des medialen Rätselratens, wann denn der Bildungsminister endlich konkrete Maßnahmen zum „coronafitten“ Schulstart im Herbst verkünden würde, konnte er nun Tacheles reden: Man werde alles tun, so seine Botschaft, um die Schulen dauerhaft offenzuhalten – und das Trauma „Distance Learning“ nicht zu wiederholen. Garantieren solle dies eine zweiwöchige Sicherheitsphase sowie ein „Vier-Punkte-Plan“ – bestehend aus einem Frühwarnsystem (durch Abwasseranalysen sowie Stichprobenkontrollen), Luftfilteranlagen (wo nicht gut gelüftet werden kann), einem neuen Testkonzept (inklusive aussagekräftigerer PCR-Tests) sowie forciertem Impfen.

Schon jetzt sind 19 Prozent der Zwölf- bis 15-Jährigen und 46 Prozent der 16- bis 19-Jährigen zumindest ein Mal geimpft. Um diese Quote zu erhöhen, werden Impfbusse die einzelnen Schulen ansteuern. Einer Impfpflicht für Lehrerinnen und Lehrer hat Faßmann freilich – wie die gesamte Regierung – längst eine Absage erteilt: So hilfreich diese Maßnahme bei der Pandemiebekämpfung wäre, so schwer ist sie politisch durchsetzbar. Dass sich in Umfragen drei Viertel der Österreicher(innen) dagegen aussprechen, hinterlässt offenbar Eindruck. Nur Niederösterreich hat bei neu eintretenden Landeslehrern diesen Schritt gesetzt. Ab Herbst folgt man auch in Wiener Kindergärten.

Häuslicher Unterricht als Fanal

Die Ablehnung einer Impfpflicht ist freilich noch die nachvollziehbarste Haltung unter jenen, die den Maßnahmen gegen die Pandemie ablehnend bis feindselig gegenüberstehen. Hochproblematisch wird es dann, wenn Eltern selbst die bislang vorgeschriebenen Nasenbohr- bzw. die künftig vorgesehenen Spültests als Eingriff in die körperliche Integrität ihres Kindes betrachten. Schließlich verhindert dies dessen Schulbesuch. Immer mehr Mütter und Väter sind freilich gewillt, selbst diesen Schritt zu setzen: Bis zu 6000 Kinder könnten laut Schätzungen österreichweit bis September von der Schule abgemeldet und nur mehr zu Hause von ihren Eltern unterrichtet werden. In der Steiermark habe sich laut ZIB bereits jetzt die ursprüngliche Zahl der Fälle häuslichen Unterrichts verdoppelt.

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