Lene Mayer-Skumanz_Porträt - Am 7. November 1939 in Wien geboren, studierte sie Germanistik und Altphilologie. Sie arbeitete als Lehrerin und Redakteurin der Kinderzeitschrift „Weite Welt“. Seit 1965 ist sie als freie Schriftstellerin tätig. - © Georg Huemer
Literatur

Zwiegespräche mit Gott und anderen

1945 1960 1980 2000 2020

Am 7. November feiert Lene Mayer-Skumanz ihren 80. Geburtstag. Die österreichische Schriftstellerin hat mit ihren Werken Generationen von Kindern Trost und Mut geschenkt.

1945 1960 1980 2000 2020

Am 7. November feiert Lene Mayer-Skumanz ihren 80. Geburtstag. Die österreichische Schriftstellerin hat mit ihren Werken Generationen von Kindern Trost und Mut geschenkt.

Die Altbauwohnung mit Blick auf den Augarten hat etwas Entrücktes an sich. Mitten im Stadtgeschehen, und doch in einem Hort fremder Stille, sitzt Lene Mayer-Skumanz an einem alten Holztisch und erzählt, ganz nebenbei, als könnte es ein jeder, von ihren ersten schriftstellerischen Versuchen, der Familie und den Wegbegleiterinnen.

Lene Mayer-Skumanz gehört zu jenen mehrfach ausgezeichneten Schriftstellerinnen, deren Name bereits Assoziationen erweckt. Ihr Werk ist von unterschiedlichen Genres geprägt, sie hat für Kleinkinder genauso geschrieben wie für Jugendliche und Erwachsene, und dennoch ist es ihr gelungen, einen hohen Wiedererkennungswert zu erzielen. Längst schon ist sie „eine Marke“ im Literaturbetrieb. Befasst man sich mit religiöser Literatur aus Österreich, stößt man unweigerlich auf Lene Mayer-Skumanz. Generationen haben Trost und Mut in „Wenn du meinst, lieber Gott“ (1987) gefunden: Xaverl sieht kein hierarchisches Gefälle zum Himmel, für ihn ist Gott ein Freund, ein Du, jemand, der Trost und Zuversicht im unmittelbaren Zwiegespräch gibt. Der Junge ist in seinem Wünschen und Sehnen ganz ein Mensch des 20. Jahrhunderts: Er kennt noch kein Handy, keine SMS, kein Tablet und kein Smartphone. Trotzdem wird der Bestseller 2020 erneut wieder aufgelegt und belegt damit eine über dreißig Jahre andauernde Erfolgsgeschichte.

Zwiegespräch mit Gott

Die Haltbarkeit von Kinder- und Jugendbüchern ist überschaubar und umso beachtlicher ist die Anzahl der Long- und Bestseller, die Lene Mayer-Skumanz in über fünfzig Jahren geschaffen hat. Das Zwiegespräch mit Gott ist eines ihrer prominentesten Motive. Bereits in der Heranwachsenden erwachte eine große Faszination für die antiken Götterwelten der Griechen und Römer, die die Autorin dann zum Studium der Altphilologie ­brachte. Auch Germanistik studierte sie und widmete sich Texten älterer Sprachstufen, eine Faszination, die sie auch jüngeren Lesern näherbringen möchte. Für „Frau Ava“ (2002), in der sie über eine der ersten namentlich bekannten deutschsprachigen Dichterinnen schrieb, durchstöberte Lene Mayer-Skumanz Archive und las die mittelhochdeutschen Originaltexte aus dem 11. Jahrhundert. Erzählt sie von der Arbeit an dem historischen Roman, gerät sie ins Schwärmen: Kinder im Sinne eines humanistischen Bildungsideals zu formen, ist der Autorin ein besonderes Anliegen, wobei sie ihre eigene Begeisterung weitergeben möchte. Neben den Heiligenbiografien entstanden so zahlreiche Musikerporträts in den letzten Jahren.

Magdalena Mayer, die am 7. November 1939 geboren wurde, war nie eine, die sich für ihren Wunsch zu schreiben schämte. Als Gymnasiastin verteilte sie voller Stolz ihre Geschichten am Schulhof in der Klostergasse, wofür sie von ihren Kommilitonen gelobt, aber auch ungeniert kritisiert wurde: „Gib her das Zeug, wenn man gähnt, muss man’s ausbessern“, zitiert sie mit einigem Augenzwinkern einen Kindheitsfreund. Stilfragen beschäftigten sie nach eigenem Ermessen nie lange, vielmehr war es die unmittelbare Resonanz ihres Publikums, die sie zu Änderungen veranlasste. Ein Zugang, der vielleicht dem Künstlermilieu entstammte, aus dem ihre Eltern kamen: Sie waren Schauspieler, Vater und Mutter erzeugten ein starkes Sensorium für die Zuhörerschaft bei der jungen Lene. Die Zuversicht in die eigene Schaffenskraft gedieh früh und stetig: „Bereits mit 18 Jahren war ich überzeugt, dass ich schreiben kann.“

Die Altbauwohnung mit Blick auf den Augarten hat etwas Entrücktes an sich. Mitten im Stadtgeschehen, und doch in einem Hort fremder Stille, sitzt Lene Mayer-Skumanz an einem alten Holztisch und erzählt, ganz nebenbei, als könnte es ein jeder, von ihren ersten schriftstellerischen Versuchen, der Familie und den Wegbegleiterinnen.

Lene Mayer-Skumanz gehört zu jenen mehrfach ausgezeichneten Schriftstellerinnen, deren Name bereits Assoziationen erweckt. Ihr Werk ist von unterschiedlichen Genres geprägt, sie hat für Kleinkinder genauso geschrieben wie für Jugendliche und Erwachsene, und dennoch ist es ihr gelungen, einen hohen Wiedererkennungswert zu erzielen. Längst schon ist sie „eine Marke“ im Literaturbetrieb. Befasst man sich mit religiöser Literatur aus Österreich, stößt man unweigerlich auf Lene Mayer-Skumanz. Generationen haben Trost und Mut in „Wenn du meinst, lieber Gott“ (1987) gefunden: Xaverl sieht kein hierarchisches Gefälle zum Himmel, für ihn ist Gott ein Freund, ein Du, jemand, der Trost und Zuversicht im unmittelbaren Zwiegespräch gibt. Der Junge ist in seinem Wünschen und Sehnen ganz ein Mensch des 20. Jahrhunderts: Er kennt noch kein Handy, keine SMS, kein Tablet und kein Smartphone. Trotzdem wird der Bestseller 2020 erneut wieder aufgelegt und belegt damit eine über dreißig Jahre andauernde Erfolgsgeschichte.

Zwiegespräch mit Gott

Die Haltbarkeit von Kinder- und Jugendbüchern ist überschaubar und umso beachtlicher ist die Anzahl der Long- und Bestseller, die Lene Mayer-Skumanz in über fünfzig Jahren geschaffen hat. Das Zwiegespräch mit Gott ist eines ihrer prominentesten Motive. Bereits in der Heranwachsenden erwachte eine große Faszination für die antiken Götterwelten der Griechen und Römer, die die Autorin dann zum Studium der Altphilologie ­brachte. Auch Germanistik studierte sie und widmete sich Texten älterer Sprachstufen, eine Faszination, die sie auch jüngeren Lesern näherbringen möchte. Für „Frau Ava“ (2002), in der sie über eine der ersten namentlich bekannten deutschsprachigen Dichterinnen schrieb, durchstöberte Lene Mayer-Skumanz Archive und las die mittelhochdeutschen Originaltexte aus dem 11. Jahrhundert. Erzählt sie von der Arbeit an dem historischen Roman, gerät sie ins Schwärmen: Kinder im Sinne eines humanistischen Bildungsideals zu formen, ist der Autorin ein besonderes Anliegen, wobei sie ihre eigene Begeisterung weitergeben möchte. Neben den Heiligenbiografien entstanden so zahlreiche Musikerporträts in den letzten Jahren.

Magdalena Mayer, die am 7. November 1939 geboren wurde, war nie eine, die sich für ihren Wunsch zu schreiben schämte. Als Gymnasiastin verteilte sie voller Stolz ihre Geschichten am Schulhof in der Klostergasse, wofür sie von ihren Kommilitonen gelobt, aber auch ungeniert kritisiert wurde: „Gib her das Zeug, wenn man gähnt, muss man’s ausbessern“, zitiert sie mit einigem Augenzwinkern einen Kindheitsfreund. Stilfragen beschäftigten sie nach eigenem Ermessen nie lange, vielmehr war es die unmittelbare Resonanz ihres Publikums, die sie zu Änderungen veranlasste. Ein Zugang, der vielleicht dem Künstlermilieu entstammte, aus dem ihre Eltern kamen: Sie waren Schauspieler, Vater und Mutter erzeugten ein starkes Sensorium für die Zuhörerschaft bei der jungen Lene. Die Zuversicht in die eigene Schaffenskraft gedieh früh und stetig: „Bereits mit 18 Jahren war ich überzeugt, dass ich schreiben kann.“

Wenn Lene Mayer-Skumanz von ihrer Schriftstellerei spricht, wirkt sie gelöst, ihre Geschichten und Figuren füllen den Raum.

Von der Theaterwelt entnahm sie ihre Plansicherheit. Wenn sie heute schreibt, komponiert sie ihr Werk zunächst in Szenen und Akten, lässt Bilder und Figuren vor ihrem inneren Auge entstehen, bevor sie es zu Papier bringt. Schreiben war für die Schriftstellerin nie Last, nie Qual, sondern Freude, eine willkommene Ablenkung vom Alltäglichen.

Inspirationsquelle Schule

Eine eigene Künstlerkarriere war jedoch zunächst nicht vorgesehen: Der Vater, Axel Skumanz, selbst nur mäßig erfolgreich und oft zu Reisen gezwungen, riet seinen beiden Töchtern vehement von einem künstlerischen Beruf ab. Warum sie diesen Rat befolgte? Bereits als Kind hatte sie viele Entbehrungen kennengelernt – 1944 hatte sie mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwes­ter Lorle Zuflucht in einem Gutshof in der Steiermark gefunden, erst spät war der Vater aus dem Krieg heimgekehrt, die Existenz der Familie war gesichert. „Gott ist für Überraschungen gut“, wurde zum lebensbejahenden Leitmotiv für die Schriftstellerin.

Im Gespräch erinnert sie sich an die Enge der kleinen Wohnung in der Paulinenstraße in Währing, in der die vierköpfige Familie mit der Großmutter lebte. Es dürfte auch ein Wunsch nach gesetzteren Verhältnissen, mehr Bürgerlichkeit gewesen sein, der die junge Lene Mayer zunächst Gymnasiallehrerin werden ließ – der Beruf habe ihr viel Freude bereitet. Die Zeit an der Schule blieb allerdings ein Intermezzo, passierte, wie so vieles, nebenher und wurde zugleich zur Inspirationsquelle. Ihre ersten Kinderbücher verweisen so auf unterschiedliche Art auf den Lehrberuf, vieles habe sie auch dem Schulalltag entnommen und auch einige Kolleginnen erkannten sich in den Figuren wieder.

Den spielerischen Zugang zum Schreiben, die Leichtigkeit, mit der so vieles in jungen Jahren gediehen war, bewahrte sie sich jedoch. Später, sie hatte bereits ihren Erstlingsroman „Ein Engel für Monika“ (1965) mit Erfolg veröffen­t­licht, wurde sie von Mira Lobe unter die Fittiche genommen. Auch bei den Treffen des Autorenkollektivs rund um Käthe Recheis nahm sie begeistert teil, hier entstand „Das Sprachbastelbuch“ (1975), in dem ein gänzlich egalitärer Zugang zur Sprache vertreten wurde – auch Kinder können reimen und dichten, ja sollen sogar spielerisch dazu angeleitet werden. Ein Blick auf die Gemeinschaftspublikationen macht schnell deutlich, welch zentrale Stellung Lene Mayer-Skumanz hier einnahm. Viele alte Freundschaften zur Kinder- und Jugendbuchszene haben bis heute Bestand.

Förderung junger Talente

Auch in ihrer Tätigkeit für die Kinderzeitschrift Weite Welt, für die Lene Mayer-Skumanz lange als Chefredakteurin tätig war, konnte sie sich ihr Talent, unterschiedliche Schriftstellerinnen zusammenzubringen und selbst junge Talente zu fördern, zunutze machen. Einander kritisieren, befruchten, fördern: Viele Kinderbücher wie „Die Mutwurzel“ (1985) oder „Schwester Halleluja in spezieller Mission“ (1989) entstanden zunächst als Fortsetzungsgeschichten für die Kinderzeitschrift der Steyler Missionare. Frühe Veröffentlichungen von Georg Bydlinski und Heinz Janisch finden sich hier, Autoren, die heute selbst bereits etabliert sind. Mit Winfried Opgenoorth, zu dem sie in den 1980er Jahren eine enge Freundschaft knüpfte, entstehen noch immer gemeinsame Werke. Größere Erfolge stellten sich ein, neben dem Würdigungspreis für Kinder- und Jugendliteratur wurde ihr auch der päpstliche Gregoriusorden zugesprochen. Privat war sie glücklich verheiratet und selbst Mutter zweier Kinder.

Wenn Lene Mayer-Skumanz von ihrer Schriftstellerei spricht, wirkt sie gelöst, ihre Geschichten und Figuren füllen den ganzen Raum. In den letzten Jahren zog sie sich bewusst aus vielem zurück, auch private Schicksalsschläge machten Projekte unmöglich. Gerade Wien verändere sich in rasendem Tempo. Hier im 2. Bezirk, den Blick auf den herbstlichen Augarten, scheint die Zeit jedoch stillzustehen.

Georg Huemer

Der Autor ist Literatur- und Kulturwissenschaftler und lehrt an der Pädagogischen Hoch­schule Burgenland