Glaubensfrage

Narzissus und die Tulipan

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

„Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide!“ Wie gerne habe ich schon als Kind besonders diese Zeile gesungen aus dem Sommerglaubenslied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ von Paul Gerhard. Diese wenigen wahren Worte für die Kirche und für die Welt von der ewigen Schönheit Gottes und ihrer alles überwindenden Macht. Für Abgrundaugenblicke aber werde ich sehr zögerlich und meine, in einer Zeit der größtmöglichen Ungerührtheit zu leben. Ein Äon der Herablassung und einer um sich greifenden Abfälligkeit scheint angebrochen. Da ist etwas ins globale Driften geraten: Wahrnehmen und Wahrleben mit Anstand und aus der Sehnsucht nach gleicher Augenhöhe, das ist nicht dran.

„Unsere Augen sehen den Sommer, unser Denken wohnt im Grab“, meint Baudelaire, den Grundton des Sommerzweifelsliedes anstimmend. Manchmal jedoch ist in mir eine ganz eigene Sommerfreude, als hätten und dann bald haben wir dennoch eine Chance zum Wunder. Wollten wir alle Ismen aufgeben, die politischen, die religiösen und die persönlichen, allen voran den Narzissmus, die böse Blume aller Egoismen, die zu leben, in welcher Form auch immer, die ungarische Philosophin Ágnes Heller, sich geweigert hatte. Diese Frau, ein Merk- und Mahnmahl eines rettenden Nein zu jedweder Form von falscher Vereinnahmung, die einen neuen Ismus bildet, ist in diesen Sommertagen in ihren Tod geschwommen. In Gott ist diese Haltung für mich eine, in ihrer geheimnisvollen Verborgenheit, mit tiefem Dank angenommene Möglichkeit, zu erwachen aus jedem selbst geschaufelten Grab des Denkens und des an sich selbst als letzte Instanz des Glaubens! „Mach in mir deinem Geiste Raum“, bittet Paul Gerhard in demselbigen Lied und macht ahnen, dass wir Gott und dem Leben doch noch blühen können zum Sinn und zur Liebe.

Die Autorin ist Pfarrerin an der Lutherischen Stadtkirche in Wien.

„Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide!“ Wie gerne habe ich schon als Kind besonders diese Zeile gesungen aus dem Sommerglaubenslied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ von Paul Gerhard. Diese wenigen wahren Worte für die Kirche und für die Welt von der ewigen Schönheit Gottes und ihrer alles überwindenden Macht. Für Abgrundaugenblicke aber werde ich sehr zögerlich und meine, in einer Zeit der größtmöglichen Ungerührtheit zu leben. Ein Äon der Herablassung und einer um sich greifenden Abfälligkeit scheint angebrochen. Da ist etwas ins globale Driften geraten: Wahrnehmen und Wahrleben mit Anstand und aus der Sehnsucht nach gleicher Augenhöhe, das ist nicht dran.

„Unsere Augen sehen den Sommer, unser Denken wohnt im Grab“, meint Baudelaire, den Grundton des Sommerzweifelsliedes anstimmend. Manchmal jedoch ist in mir eine ganz eigene Sommerfreude, als hätten und dann bald haben wir dennoch eine Chance zum Wunder. Wollten wir alle Ismen aufgeben, die politischen, die religiösen und die persönlichen, allen voran den Narzissmus, die böse Blume aller Egoismen, die zu leben, in welcher Form auch immer, die ungarische Philosophin Ágnes Heller, sich geweigert hatte. Diese Frau, ein Merk- und Mahnmahl eines rettenden Nein zu jedweder Form von falscher Vereinnahmung, die einen neuen Ismus bildet, ist in diesen Sommertagen in ihren Tod geschwommen. In Gott ist diese Haltung für mich eine, in ihrer geheimnisvollen Verborgenheit, mit tiefem Dank angenommene Möglichkeit, zu erwachen aus jedem selbst geschaufelten Grab des Denkens und des an sich selbst als letzte Instanz des Glaubens! „Mach in mir deinem Geiste Raum“, bittet Paul Gerhard in demselbigen Lied und macht ahnen, dass wir Gott und dem Leben doch noch blühen können zum Sinn und zur Liebe.

Die Autorin ist Pfarrerin an der Lutherischen Stadtkirche in Wien.