Hans Eichhorn - © Foto: Brigitte Schwens-Harrant
Nachruf

Ein Abschied

1945 1960 1980 2000 2020

Persönliche Erinnerung an Hans Eichhorn.

1945 1960 1980 2000 2020

Persönliche Erinnerung an Hans Eichhorn.

Er war einer der gastfreundlichsten Menschen, die ich kannte. Er war so bescheiden, dass ihn der Literaturbetrieb deswegen manchmal fast vergaß. Bei öffentlichen Gesprächen konnten sich die Rollen schon einmal verkehren: Dann sah die sogenannte Literaturkritikerin staunend zu, wie der Autor selbst sein schärfster Kritiker wurde. Nein, das ist ein völlig falsches Wort. Hans Eichhorn war im besten Sinne zweifelnd, behutsam mit der Sprache (beim eigenen Sprechen ebenso wie beim Schreiben, zu lesen in seinen vielen Büchern).

Geboren am 13. Februar 1956 in Vöcklabruck, wuchs Eichhorn in einem Elternhaus auf, „wo es eigentlich keine Bücher gegeben hat. Trotzdem war dieser Drang da, etwas mit der Sprache zu machen.“ Er studierte Religionspädagogik, merkte aber: „Eigentlich geht mich dieser Stoff gar nichts an, wenn ich nicht vorher eine Sprache habe für mich, mit der ich die Welt sehen kann.“

Diese Sprache bzw. die Suche danach wurde ab seinem ersten Buch „Das Zimmer als voller Bauch“ (1993) nun auch für andere sichtbar. Selbst wenn Eichhorn oft ins „Zimmer“ schaut, auf ganz alltägliche Details, weist sein Schreiben, sein Interesse, sein Wahrnehmen doch immer hinaus in den Gesellschaftsraum, in die Welt.

Von seinen Eltern übernahm er das Fischereirecht am Attersee, und dort besuchte ich ihn in einem heißen Sommer, der die Fische nahezu verschwinden ließ (ein heißer Sommer, dem noch heißere Sommer folgen sollten). Sah leere Netze, sah seine Verbundenheit mit dem See und der Natur, die sich in Werken wie „Logenplatz. SommerSeeGedichte“ (2010) auch lesen lässt. Erlebte seine Gastfreundschaft.

Samuel Beckett begleitete sein Werk, gab das Motto noch für das vorletzte so umfangreiche Buch „FAST das Große Haus“, in dem sich Hans Eichhorn poetisch verabschiedete. Mit der kürzesten Ode an das Leben am Ende: „Wie schön!“ Um dann heuer doch noch den Prosaband „Ungeboren“ in die Welt zu setzen. Wie hat er trotz seiner Krankheit so viel schreiben können? Die Frage ist wohl falsch gestellt: Er hat so vieles geschafft, auch weil er die Sprache hatte.