Kapital für die Banken ist …

Knapp vor Jahresende hat die erste österreichische Großbank 900 Millionen Euro zusätzliches staatliches Kapital erhalten. Weitere Banken haben Wünsche für die insgesamt 15 Milliarden Euro Kapital angemeldet. Auf den ersten Blick wirken diese Summen enorm und manche fragen, warum Banken in diesem Ausmaß - mit Steuergeld - unterstützt werden sollen.

Dem Bankensystem kommt in modernen Volkswirtschaften eine Schlüsselrolle zu. Vor allem sind sie entscheidend als Vermittler zwischen Sparern und Investoren - sie transformieren Einlagen in langfristige Kredite. Das ist besonders für kleinere und mittlere Unternehmen sowie für private Haushalte unverzichtbar, die kreditfinanzierte Investitionen tätigen bzw. den Bau eines Eigenheims finanzieren wollen.

… Hilfe für die gesamte Wirtschaft

Schwierigkeiten im Bankensektor werden deshalb rasch und unweigerlich zu einem Problem für die gesamte Wirtschaft. Schränken die Banken ihre Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen ein, unterbleiben für das Wachstum der Wirtschaft notwendige Investitionen. Selbst deutliche Zinssenkungen, wie jene der EZB um -1,75 Prozentpunkte im 2. Halbjahr 2008, verlieren dann an Wirkung auf Wachstum und Beschäftigung.

Es ist daher wichtig, dass das Banksystem über ausreichend Kapital verfügt. Die Kapitalspritzen für die österreichischen Banken sind aber keine Geschenke. Insbesondere müssen die Banken im Gegenzug neue Kredite vergeben sowie das bereitgestellte Kapital mit Zinsen zurückzahlen.

Der Beschluss des Finanzmarktstabilitätsgesetzes war ein wichtiger und richtiger Schritt. Jetzt muss dafür gesorgt werden, dass die staatlichen Mittel sparsam und effizient für die Gesamtwirtschaft eingesetzt werden.

* Der Autor ist Gouverneur der Österreichischen Nationalbank

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