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Galeriebetrieb - vorsichtig

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Weihnachtsbasarbetrieb in den meisten Wiener Galerien. Bilder und Druckgraphik als „Aktien an der Wand“, „Das gute Bild für jeden“, Appelle ans bürgerliche Prestigedenken. Alles soll mitwirken, zum Kunstkauf animieren. Allen geht es darum, die Kommerzflaute der vergangenen Monate aufzufangen. Und überall großes Graphikangebot. Vor allem auch in der Kunstauktion des Dorotheums, das wenigstens einen Teil der Graphikbestände loszuwerden versuchte, die es sich beim Konkurs der Wiener „Ariadne“-Galerie eingewirtschaf-tet hat. Wobei für das Auktionshaus freilich ein Problem unlösbar geblieben ist: wie man die großen Bestände absetzen kann, ohne durch das Uberangebot zu Schleuderpreisen das ganze Wiener Graphikgeschäft zu ruinieren!

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Weihnachtsbasarbetrieb in den meisten Wiener Galerien. Bilder und Druckgraphik als „Aktien an der Wand“, „Das gute Bild für jeden“, Appelle ans bürgerliche Prestigedenken. Alles soll mitwirken, zum Kunstkauf animieren. Allen geht es darum, die Kommerzflaute der vergangenen Monate aufzufangen. Und überall großes Graphikangebot. Vor allem auch in der Kunstauktion des Dorotheums, das wenigstens einen Teil der Graphikbestände loszuwerden versuchte, die es sich beim Konkurs der Wiener „Ariadne“-Galerie eingewirtschaf-tet hat. Wobei für das Auktionshaus freilich ein Problem unlösbar geblieben ist: wie man die großen Bestände absetzen kann, ohne durch das Uberangebot zu Schleuderpreisen das ganze Wiener Graphikgeschäft zu ruinieren!

Internationales Niveau, internationale Namen sind freilich gerade jetzt im Wienerischen Kunstzirkus rar (Pencks zu Grundsymbolen vereinfachte Stenogrammblätter in der Galerie Curtze, Grünangergasse 12, sind geradezu ein Sonderfall!). Denn niemand will etwas riskieren. Für internationale Künstler müssen schon staatliche Galerien einspringen: die Akademie der bildenden Künste zum Beispiel, die Constant Permeke zeigt und daneben eine wichtige Ausstellung der Meisterschule Plischke.

Permeke (1886 bis 1952), den Meister des belgischen Expressionismus, Maler und Plastiker, kennt man aus einer Ausstellung im Museum des 20. Jahrhunderts. Er ist ein Mann radikaler Vereinfachung, des kritischen Uberdenkens jeder Geste. Mächtige Blockfiguren posieren nicht ohne Pathos. Landschaften, gelb leuchtend und grob geformt, lasten schwer wie bei Egger-Lienz. Einer der großen, alten Eigenwilligen, hinter dessen Werk die Absage an alles Vordergründige steht.

Eine Dokumentation der Meisterschule Professor Ernst Plischkes an der Wiener Akademie am Schillerplatz, eine Bestandsaufnahme aus den zehn Jahren seit 1963, als man Plischke aus Neuseeland nach Wien zurückholte: Das präsentiert diese Schau, in der es vor allem um so wichtige Probleme wie „Baugesinnung“ und „organische Bauformen“, um „differenzierte Formen“ statt „modischer Formalismen“ geht... Wobei Plischke, dieser führende Mann „Neuer Sachlichkeit“ in den dreißiger Jahren, eigentlich immer um „Baucharakter“ kämpfte (Plischke schuf etwa das Arbeitsamt Liesing und beteiligte sich an der Planung der berühmt gewordenen Werkbundsiedlung). Was Plischke anstrebte, wird heute aber vor allem im Schaffen seiner Schüler sichtbar: bei Kur-rent, Czech, Hagmüller, Blau, Friedler, Fonatti, Neversal und all den anderen, die schon drauf und dran sind, ebenso eigenwillige wie prominente Architekten zu werden. Ein soeben erschienenes Buch, übrigens eine vorzügliche Dokumentation, zeigt diese Meisterschule in ihrer Bedeutung.

Einem sehr rasch sehr prominent Gewordenen flicht man in der Albertina Kränze: Walter Schmögner, als brillanter Zeichner satirischer Blätter und bissiger Karikaturen bis 1972 ein Senkrechtstarter, zeigt sich jetzt „von der anderen Seite“. Seinen Versuch, Nur-Witziges abzustreifen, hat er mit aller Konsequenz durchexerziert. Zwar hängen in der Albertina auch noch die bekannten - für mich sehr poetischen - Blätter von früher: die Rollstuhlgroßmutter, die mit „Zoom“ zusammenkracht, oder die freche Geschichte vom Wecker und vom Gasherd, hinter denen es furchtbar „Wumm“ macht... Aber nun hat Schmögner seine Ideen von einst gefiltert. Das Quirlig-Phantastische wurde feinsäuberlich zu rechtgeschliffen, Krauses weggeputzt. Schmögner hat sich ins Schneckenhaus seiner Symbole zurückgezogen, bei deren Auswahl ihm offenbar Walter Pichler manche Anregung vermittelt hat.

Arbeiten ist für Schmögner heute mehr denn je starke Ich-Spiegelung, der immer neue Versuch, in sich selbst Neues aufzuspüren. Und dementsprechend kritisch, melancholisch, grüblerisch, manchmal sogar verquält wirken jetzt manche Arbeiten: seine gerüsthafte Libelle, sein schwereloser Sessel, seine Metallstelen. Durchwegs sehr ästhetische Arbeiten, wenngleich ich Schmögner auf den ersten Anhieb nicht nachsagen möchte, daß er das zentrale Thema der nächsten Jahre für seine Arbeit bereits herauskristallisiert hat

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