doris schmidauer - © Fotos: Carolina Frank

Doris Schmidauer über ihr neues Buch „Land der Töchter, zukunftsreich“

Doris Schmidauer, Frau und Beraterin von Bundespräsident Alexander Van der Bellen sowie ehemalige Geschäftsführerin des Grünen Parlamentsklubs, spricht im FURCHE-Interview über ihre aktuelle Rolle, den globalen politischen Backlash, katholische Feministinnen und ihr Motto: „Trau dich!“

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Es war nicht so geplant, aber es hat so sollen sein: Just in der Woche, in der Doris Schmidauer ihr neues Buch „Land der Töchter, zukunftsreich“ präsentiert, kann ihr Ehemann, Alexander Van der Bellen , endlich die neue Regierung in der Hofburg angeloben. Zur Tagespolitik will sich Schmidauer nicht äußern, zu ihren großen Anliegen aber sehr wohl. DIE FURCHE hat sie kurz vor dem Frauentag besucht.

DIE FURCHE: Ein Stockwerk unter uns hat Ihr Mann am Montag die neue Regierung angelobt – mehr als fünf Monate nach der Wahl. Er sei „sehr froh“, dass die drei Parteien doch noch „über ihren Schatten“ gesprungen seien, meinte er. Wie froh sind Sie – als Ehefrau und als Staatsbürgerin?
Doris Schmidauer: Ich bin genauso froh wie mein Mann und wohl viele Österreicherinnen und Österreicher, die jetzt lange darauf gewartet haben, dass es eine neue Regierung gibt.

DIE FURCHE: In Ihrem Buch beschreiben Sie sich als enge Beraterin Ihres Mannes. So sei es etwa 2017 Ihre Idee gewesen, Brigitte Bierlein zu fragen, ob sie Übergangs-Bundeskanzlerin werden wolle. Sind Sie Ihrem Mann auch bei den jetzigen Regierungsverhandlungen beratend zur Seite gestanden – zumal Sie einst als Geschäftsführerin im Grünen Parlamentsklub auch für das Managen interner Krisen verantwortlich waren?
Schmidauer: Ich bin hier in der Präsidentschaftskanzlei nicht als Organisationsberaterin tätig, sondern betrachte mich als Mitglied eines großartigen Teams, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren unterschiedlichen Perspektiven für meinen Mann extrem wichtig sind. Und ich bin Teil dieses Teams. Ich bringe mich mit Ideen gerne ein, aber meine Rolle hier ist eine andere als damals bei den Grünen, wo ich Managerin und Personalchefin war.

DIE FURCHE: Ihr Buch trägt den Titel „Land der Töchter, zukunftsreich“. Weltpolitisch stehen die Zeichen aber gerade bestens für autokratische, starke Männer. Kann das kleine Österreich ein Gegenmodell zu diesen Entwicklungen sein?
Schmidauer: Das wäre natürlich wünschenswert. Aber gerade weil die Gegenbewegungen derzeit so stark sind, gerade weil wir derzeit extreme geopolitische Herausforderungen erleben und sehen, was mächtige Männer auf dieser Welt anrichten können, um es neutral zu sagen, ist es umso wichtiger, Frauen zu stärken. Wir Frauen machen eben 50 Prozent der Menschheit aus, deswegen steht uns auch auf allen Ebenen die Hälfte zu. Wir sollten uns gerade jetzt überlegen, mit welchen Mitteln und Strategien wir mehr Menschen von dieser Grundhaltung überzeugen können. Ich denke hier aus frauenpolitischer Perspektive zum Beispiel an Polen. Dort waren wir zu einem Zeitpunkt auf Staatsbesuch, an dem gerade das Abtreibungsrecht extrem verschärft bzw. de facto abgeschafft worden war – und sehr, sehr viele Frauen dagegen auf die Straße gegangen sind. Ihnen war klar, dass sie sich jetzt schon rüsten müssen für den nächsten Wahlgang, damit dann wieder ein Gegentrend stattfindet.

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