Vea Kaiser - © Foto: Astrid Wenz

Vea Kaiser: Sind Kinder und das Schreiben miteinander vereinbar?

Ohne Mütter als Schriftstellerinnen fehlt ein realer Blick auf das Phänomen Familie, sagt Bestseller-Autorin Vea Kaiser. Ein Gespräch über unzureichendes Karenzgeld, Diskriminierung von Frauen in der Literaturbranche und den Kult um vermeintliche Genies.

Werbung
Werbung
Werbung

Die Autorin Vea Kaiser veröffentlichte mit 23 ihren Debütroman „Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“. Seitdem hat die gebürtige Niederösterreicherin zwei weitere Romane veröffentlicht und zwei Kinder bekommen. Über diesen Balanceakt hat sie in einem vielbeachteten, sehr persönlichen Essay für das Schweizer Reportagen-Magazin geschrieben. Aktuell arbeitet sie an Roman Nummer vier, der rund um ein Wiener Grand Hotel in den späten 80er Jahren spielt.

DIE FURCHE: Sie sprechen sehr offen über Ihren Arbeitsprozess, offener als viele Ihrer Kolleginnen. Warum?

Vea Kaiser: Es ist definitiv eine sehr bewusste Abgrenzung zum Geniekult, weil ich selbst lange darunter gelitten habe, dass ich den männlich geprägten, genieästhetischen Autorenkult als einzig wahre Information zum Entstehungsprozess von Büchern hatte. Als junges Mädchen, das immer gern geschrieben hat, dachte ich, dass Schreiben nichts für Leute wie mich ist, weil ich habe kein großes Erbe oder sonstige Geldreserven, die mir ermöglichen, mich in Landhäuser, Villen oder Leuchttürme zurückzuziehen. Dieses Aufrechterhalten von völlig realitätsfernen Bildern tut aber niemandem besonders gut. Ich verstehe das Bedürfnis, einen Mythos um sich selbst herum zu erzeugen, aber man kann auch näher an der Realität bleiben. Ich finde das nicht schlecht, offen damit umzugehen, dass es verdammt viel Arbeit ist, ein gutes Buch zu schreiben.

DIE FURCHE: Macht diese Offenheit Sie nicht auch verletzlich?

Kaiser: Tatsächlich eher das Gegenteil. Man macht sich heutzutage uninteressant, wenn man eine Wand aufbaut. Verletzlichkeit hat ja sehr viel mit der Beschaffenheit der eigenen Hülle zu tun. Ich kann nur verletzlich sein, wenn ich eine so fragile Hülle habe, dass mir falsche Wahrnehmungen von anderen etwas ausmachen. Da bin ich von der lieben Natur sehr gut begütert, weil mir das meistens völlig wurscht ist. Ich habe ein sehr unerschütterliches Selbstbewusstsein und kann auch gut damit umgehen, wenn jemand meine Bücher nicht mag. Um Gottes Willen, es gibt so viele Bücher der Weltliteratur, mit denen ich nichts anfangen kann. Wir leben heute in einer Zeit, in der Leser und Leserinnen als ersten Schritt Autoren googeln. Da ist ein gewisses Bedürfnis da, sich mit dem Menschen auseinanderzusetzen, dem man Zeit schenkt.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau
Werbung
Werbung
Werbung