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Literatur

Mehr als Spaß & Action

1945 1960 1980 2000 2020

Ach, diese jungen Leute - wer kann die noch verstehen? Genau darum geht es in der neuen Furche-Serie. Wir zeigen, wie sich die junge Generation selber sieht.

1945 1960 1980 2000 2020

Ach, diese jungen Leute - wer kann die noch verstehen? Genau darum geht es in der neuen Furche-Serie. Wir zeigen, wie sich die junge Generation selber sieht.

Wir kennen sie alle, die Vorurteile - obwohl missmutige Eltern und Ältere darin eine Portion Wahrheit sehen werden: 1. Man lässt den Jungen zu viele (persönliche und finanzielle) Freiheiten.

2. Sie können machen, was sie wollen (in der Liebe, beim Sex ...) und kennen keine Grenzen mehr.

3. Sie wollen nur Spaß und sind nicht gewillt, die Herausforderungen und Härten des Lebens auf sich zu nehmen.

4. Sie fordern und fordern, weil sie schon von Kind an daran gewöhnt wurden, Geld und Zugeständnisse zu bekommen.

5. Sie sind extrem wählerisch - essen und kaufen nur das, was sie selber wollen.

Es gibt also einen ganzen Block von Vorurteilen und Haltungen gegenüber den Jungen. Dazu die Aussagen: Die sind frei und unbekümmert, immer so selbstsicher und sehr egoistisch. Die Frage ist nur: Sieht sich diese Generation auch selber so? Oder ganz anders? Und wie sehen sie uns, die Älteren? Das ist das Thema, das wir in einer siebenteiligen Serie behandeln werden.

Wir behaupten nicht, ganz genau zu wissen, wie "die Jungen" heute wirklich sind. Das wäre ja sogar irgendwie beleidigend. Wir machen allerdings eine Momentaufnahme und zeigen, wie einige von ihnen leben, wie sie zwischen Ängsten und Fun, Lust und Süchten, Exzessen und Widerstand nach ihren Werten und ihrer Wahrheit suchen. So wie Jasmin S., die ihr derzeitiges Lebensgefühl so beschreibt: * Die Eltern "Mit meinen Eltern wird es immer unerträglicher. Früher, da war meine Mutter viel toleranter. Jetzt regt sie sich dauernd auf, wenn ich bis zwei oder drei Uhr früh in der Fun-Factory bin, in diesem Tanztempel da in der Gegend von meiner Freundin Roberta. Früher war sie sogar stolz drauf, eine tolerante Mutter zu sein. Na ja, vielleicht war das die Kompensation dafür, dass sie so ein total fades Leben lebt. Meine Eltern sind immer so gestresst, die kommen gar nicht dazu, miteinander auszugehen, und Spaß ist überhaupt ein Fremdwort ...

* Das Aussehen Es hat wieder einen Riesenkrach gegeben, weil ich mir das Piercing am Zahn hab' machen lassen. Dabei war das mein zusammengespartes Geld und Roberta war begeis-tert. Sie sagt, ich sei viel inte-ressanter geworden, seit in meinem Lächeln ein funkelnder Punkt drinnen ist.

Meine Eltern sind uncool. Die laufen immer gleich heiß, wenn sie was aufregt. Ich will sie immer nur provozieren, sagen sie ...

* Der Beruf Vielleicht studiere ich Ethnologie wie mein Freund Matthias. Papa sagt, so ein Blödsinn! Damit kannst du doch nichts anfangen. Was willst denn da groß studieren? Das hat er wohl vom Grasser, dem neuen Finanzminister. Der tut auch immer so vernünftig. Schade, dass er jung ist und trotzdem irgendwie alt. Der spielt uns ja auch nur was vor. Eine Zumutung ist das. "Be real and stay original" sagen meine Freunde immer. Echt sein. Das ist es, was zählt ...

* Die Vorbilder Irgendwie verbittert mich das an meinem Papi. Er hat überhaupt nichts übrig für die interessanten Seiten des Lebens. Er kennt nur seine Arbeit und das blöde Joggen. Er sagt, er braucht das. Dann beobachtet er dauernd, wie sein Puls rauf- und runtergeht, und dabei redet er mit niemandem ein Wort.

Im Grunde mag ich meine Eltern ja, wenn sie mir nur nicht immer damit kämen, wie das alles ganz anders war in ihrer Jugend, und dass ich es ohnehin so gut habe. Wie eine Drohung hört sich das an ...

* Die Beziehung Wenn ich so weitertäte wie jetzt, wo ich mit dem Matthias zusammen bin, dann wird nie was aus mir, hat die Mutti gesagt. Ja - ich geb's ja zu. Seit ich das Handy hab', telefonier' ich dauernd mit ihm. Aber man darf ja nie was machen, ohne dass nicht gleich der Vorwurf kommt: "Überlegst du denn nie, bevor du etwas tust!?" Waren die nie unbekümmert ... ?

* Zweisamkeit Wir wollen jedenfalls zu Weihnachten für 14 Tage nach Marokko. Das wird wieder Ärger geben! Papi war ganz empört: "Willst du Weihnachten vielleicht bei diesen Moslems in einer Moschee zubringen?!" Meine Mutter stört die Beziehung mit Matthias sowieso. Ach Gott, sie versteht das nicht.

Bleib cool, sagt mein Freund. Aber es ärgert mich trotzdem. Ich weiß ja, dass ich an der Unerträglichkeit meiner Mutter gar nicht allein schuld bin. Seit Omi hingefallen ist und Hilfe braucht, stöhnt die Mama, dass sie jetzt überhaupt keine freie Minute mehr hat. Sie zeigt immer, dass sie vorbildlich ist. Aber wieso muss dann immer ich den ganzen Stress ausbaden? ...

* Die Sorgen Leistung! Leistung! Das ist alles, was sie von mir erwarten. Ein Vorbild wollen sie sein. Dabei weiß der Papa gar nicht, wer der Zlatko von Big Brother ist. Oder warum's mir bei den Freestylern so gut gefällt.

Ich muss zum Beispiel so drum kämpfen, dass ich nicht zunehme. Den beiden ist es ja egal, dass sie schon so mollig geworden sind. Mir jedenfalls ist manchmal zum Heulen zumute. Da tröstet mich mein Freund. Der ist total witzig. Er sagt: Sei doch zufrieden, dass sie dir das Studium zahlen. Emotional kannst die Eltern heutzutage eh vergessen.

Ach, es ist ätzend. Schon wieder hat da einer von diesen Politikern gesagt, dass es noch keiner Generation zuvor so gut ging wie der meinigen..."

* Hier also die Vorteile, da die Realität - und die Kluft dazwischen. Wir werden uns daher in unserer Serie schrittweise mit den Vorurteilen und Einstellungen gegenüber den jungen Menschen (z. B. "Die sollen sich selber abstrampeln") auseinander setzen. Und zwar durch Bilder, die uns die Jungen selber bieten, ergänzt durch Aussagen von Expertinnen und Experten. Wir schreiben daher auch nicht einfach "über" diese Generation, sondern "für" und "mit" ihr. Wir - das sind die Furche und zwei junge, ambitionierte Kollegen aus der "Presse" - lassen die Jungen selbst sprechen. Mit Statements, Kommentaren, Beiträgen. Dazu gibt's ein eigenes Internetforum zum Mitreden und Mitdiskutieren: www.furche.at.