OÖ nach den Wahlen: VP mit FP? Oder wieder mit Grün? - Zentrale Frage der OÖ-Wahlen ist, ob die schwarz-blaue Regierung fortgesetzt wird oder es zu einem Koalitionswechsel Richtung Grün kommt. - © picturedesk.com / Weingartner-Foto

Hans Bürger: „Oberösterreich hat sein eigenes politisches Klima“

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Oberösterreich wählt am Sonntag. Der Wahlkampf gleiche einem „Stehbild“, heißt es – warum das durchaus auch positiv und typisch oberösterreichisch ist, erklärt ORF-Politikexperte Hans Bürger.

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Oberösterreich wählt am Sonntag. Der Wahlkampf gleiche einem „Stehbild“, heißt es – warum das durchaus auch positiv und typisch oberösterreichisch ist, erklärt ORF-Politikexperte Hans Bürger.

Die Liste seiner Tätigkeiten im ORF ist lang: Ressortleiter der „Zeit im Bild“ für Innenpolitik und EU sowie stellvertretender Chefredakteur für TV-Information. Die Beschreibung, wer oder was Hans Bürger mit Herz und Seele ist, fällt hingegen sehr kurz aus: ein Oberösterreicher – durch und durch!

DIE FURCHE: Herr Bürger, Sie sind in Linz geboren und beschreiben sich selbst als „bekennenden Oberösterreicher“, der in Freundesrunden durchaus die Landeshymne anstimmt. Was macht Oberösterreich so besonders?

Hans Bürger: Als Oberösterreicher arbeitet und redet man eher nach dem Grundsatz: „Frisch aussa, wie es drin is‘!“ Diese Mentalität wird gerade in Wien oft nicht verstanden, und man eckt damit auch an. Aber ich finde, wir sind als Oberösterreicher ziemlich in der Mitte zwischen Vernunft und „Bauch“ angesiedelt. Das mag auch geographische Gründe haben. Wir sind halt einfach die beste Mischung von allen – Achtung Scherz! Bitte schreiben Sie das dazu…

DIE FURCHE: Mach ich.

Bürger: Aber Spaß beiseite, ich sehe Oberösterreich tatsächlich als ein Land in der Mitte, was sich in der Mentalität der Menschen widerspiegelt: durchaus vernunftorientiert, aber schon auch sehr bodenständig, lustig, volksnah… Das ist für mich eine schöne Verbindung, ein schöner Mittelweg, wir sind keine Tiroler, wir sind keine Wiener. Wir sind eine gute Mischung.

DIE FURCHE: Ich würde die Einflüsse aus Bayern noch dazunehmen. Bayern bezeichnet sich als Land mit „Laptop und Lederhose“ – gilt das auch für Oberösterreich?

Bürger: In Oberösterreich gehört die Lederhose vor allem im Salzkammergut wirklich dazu, im Mühlviertel, Traunviertel eher nicht. „Anzugs-frei und PC“ trifft es also bei uns eher. Wir schätzen – und das fängt bei der Gastronomie an – eher das Gemütliche als das G‘spitzte, das Feine. Bei uns gibt es auch da eine gelungene Mischung aus Gemütlichkeit und Zukunftsorientiertheit. Wir schauen nach vorne, aber bleiben ab und zu auch sitzen. Darf ich Ihnen eine kurze Geschichte dazu erzählen…

DIE FURCHE: Gern!

Bürger: 1985, ich war noch Journalist bei der Kronenzeitung, wurde ich in Linz zur Pressekonferenz eines Landesrats geschickt. Alle Medien des Landes waren vertreten: ORF-Radio, APA, Kurier, die OÖ Nachrichten … Nach der Pressekonferenz gab es ein gemeinsames Mittagessen, das war damals so üblich. Da sagt der Landesrat: „Es ist grad so nett, bleibt‘s doch da, schreibt‘s es halt morgen.“ Kurze Überlegung, die ORF-Kollegin ruft bei ihrem Chefredakteur an, der schließlich auch zustimmt – und wir sind sitzen geblieben. Heute wäre das völlig undenkbar – bevor der Landesrat zu reden beginnt, wäre schon die erste Twitter-Meldung draußen. Meine Conclusio daraus: Die Gemütlichkeit und Langsamkeit, die haben wir uns austreiben lassen müssen, aber in uns innen drinnen steckt noch immer der Hang zur Geselligkeit.

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