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Weg vom Wegwerfen

FOKUS
Reparaturpionier Sepp Eisenriegler - © Damien Richard

Schluss mit dem Konsum-Schrott!

1945 1960 1980 2000 2020

Raus aus dem Hamsterrad materieller Bedürfnisbefriedigung, fordert der Reparaturpionier – und wirbt für enkeltaugliches Wirtschaften. Ein Plädoyer.

1945 1960 1980 2000 2020

Raus aus dem Hamsterrad materieller Bedürfnisbefriedigung, fordert der Reparaturpionier – und wirbt für enkeltaugliches Wirtschaften. Ein Plädoyer.

Der globale Ressourcenverbrauch hat sich seit den 1970er Jahren verdreifacht, die Elektroschrottmengen haben sich im selben Zeitraum sogar vervierfacht. Unser Umgang mit Elektrogeräten ist ein guter Indikator für die Vernichtung von nichtregenerativen Rohstoffen. Seltene Erden tragen die Problematik in ihrem Namen: Auf einem endlichen Planeten kann die Wirtschaft nicht unendlich (materiell) wachsen. Es kann doch nicht sein, dass profitorientierte internationale Konsortien Rohstoffe in den Ländern des globalen Südens ausbeuten, die dann mehrheitlich in Schwellenländern unter Ausbeutung von Arbeitskräften zu Produkten verarbeitet werden, die wir im Norden billig kaufen, entsprechend wenig wertschätzen und schnell wegwerfen. Meist landen diese Abfälle dann dort, wo die Rohstoffe herkommen – und richten weiteren Schaden an.

Eines ist klar: Der Wandel von der linearen zur zirkulären Wirtschaftsweise wird weiteres Wachstum nicht verhindern. Immerhin wird die Kreislaufwirtschaft unsere imperiale Lebensweise vom Ressourcenverbrauch abkoppeln und damit dieses imperiale Element reduzieren. Dass das den Planeten rettet, darf bezweifelt werden. Aber die Postwachstumsökonomie ist politisch (noch) nicht anschlussfähig. Noch etwas muss uns bewusst werden: Eigentlich geht es nicht darum, den Planeten zu retten, sondern darum, auf diesem Planeten als Menschheit zu überleben. Wir müssen raus aus dem Hamsterrad der materiellen Bedürfnisbefriedigung und rein in ein gutes Leben für alle!

EU-Ordnungspolitik wirkt!

Die gute Nachricht: Die EU-Ordnungspolitik hat spät, aber beeindruckend grundsätzlich reagiert. Der „Green Deal“ der EU und das Kreislaufwirtschaftskonzept schreiben nicht weniger vor als einen systemischen Wandel von der rohstoffvernichtenden linearen zur enkeltauglichen zirkulären Wirtschaftsweise. Die herstellende Industrie leistet keinen ernstzunehmenden Widerstand (mehr). Zitat eines großen Herstellervertreters bei den Standardisierungsarbeiten in Brüssel: „Weißt du, Sepp, wir wissen schon lange, dass das so nicht weitergeht. Aber hätten wir schon früher mit nachhaltigem Produktdesign begonnen, hätten wir uns einen Marktnachteil eingehandelt. Jetzt, wo das für alle gilt, sind wir mit Feuereifer dabei.“ Also: Ordnungspolitik wirkt!

Jetzt kommt es auf uns Konsumentinnen und Konsumenten an: Brauchen wir den ganzen Schrott, mit dem wir uns belasten? SUV-Fahrer wären bei Psychotherapeuten ohnehin besser aufgehoben als in ihren Monster-Cars. Mit einem derartigen Statussymbol, das in drei Jahren schon einmal 100.000 Euro an Wert verliert, wird auch am Verlust der Lebensgrundlagen der Spezies Mensch mitgearbeitet. Ich orte hingegen eine wachsende Minderheit, die neue Statussymbole entdeckt: Es darf auch einmal eine Reparatur, etwas runderneuertes Gebrauchtes oder mein Nutzen-statt-kaufen-Gerät sein. Die Zukunft des Konsums liegt in unseren Händen. Re-fuse, Re-think, Re-duce, Repair, Re-use, Re-cycle – genau in dieser Reihenfolge – können als Handlungsanleitung verstanden werden. Wem das zu kompliziert ist: Weniger ist mehr – all you need is less!

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