werkzeug - © Illustration: iStock / Vitalii Barida (Bildbearbeitung: Rainer Messerklinger)

Königin der Kreislaufwirtschaft

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Reparatur schont Umwelt und Geldbörse, stärkt den inländischen Arbeitsmarkt und bringt sogar handwerkliche Talente zum Vorschein. Seit Frühling 2022 soll eine landesweite Förderung den Gang zur Werkstätte ankurbeln. Wird Reparatur damit zum Trend?

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Reparatur schont Umwelt und Geldbörse, stärkt den inländischen Arbeitsmarkt und bringt sogar handwerkliche Talente zum Vorschein. Seit Frühling 2022 soll eine landesweite Förderung den Gang zur Werkstätte ankurbeln. Wird Reparatur damit zum Trend?

Ist es noch vertretbar, sich in Zeiten ökologischer und wirtschaftlicher Herausforderungen unreflektiert für den Erwerb eines Neuprodukts zu entscheiden, wenn brauchbare Alternativen verfügbar – und im besten Fall auch kostengünstiger – sind? Immer mehr Konsument(inn)en ärgern sich über die Kurzlebigkeit von Produkten, die bereits rasch nach Erwerb irreparable Fehler aufweisen. Gefragt ist, was länger hält. Die Reparatur erweist sich als kluge Option zum Konsum und entzieht ihm seine rauschhafte Fliehkraft.

Seit April 2022 versüßt der landesweit eingeführte Reparaturbonus für elektronische Geräte österreichischen Konsument(inn)en den Gang zum Dienstleister. Jeder Reparaturbon deckt nämlich 50 Prozent der Kosten und ist bis zu 200 Euro wert. Laut Klimaschutzministerium sind in ganz Österreich nach rund dreieinhalb Monaten schon über 100.000 Reparaturen durchgeführt worden. Am stärksten wurde der Bonus bisher in der Altersklasse der 40- bis 60-Jährigen beansprucht, aber auch das Interesse der jüngerer Generation ist mit 3000 Nutzer(inne)n unter 20 Jahren spürbar. Handys und Laptops sowie gängige Haushaltsgeräte wie Geschirrspüler, Espresso-, Kaffee- und Waschmaschinen zählen zu den am meisten reparierten Elektrogeräten. Über 2500 teilnehmende Reparaturpartnerbetriebe erfreuen sich seit der Einführung der Förderung verstärkter Laufkundschaft.

Dem Ziel, durch den Reparaturbonus die Grundlage für eine neue Wiederherstellungskultur und -infrastruktur in Österreich zu schaffen und dabei ein Bewusstsein für die Kreislaufwirtschaft zu generieren, scheinen die Initiator(inn)en näher gekommen zu sein: Auf Nachfrage der FURCHE berichtet die Wirtschaftskammer Österreich von wohlwollenden Reaktionen seitens Konsument(inn)en und Reparaturbetrieben. Ähnlich positiv bewertet auch Markus Piringer von „Die Umweltberatung“, einer Beratungseinrichtung für ökologisches Leben und Wirtschaften, die Wirksamkeit der Förderung: „Der Reparaturbonus kurbelt die Nachfrage stark ankurbelt. Viele Partnerbetriebe geben uns gerade die Rückmeldung, dass die Auftragslage durch die staatliche Reparaturförderung stark gestiegen ist.“

Die Hilfe, es selbst zu tun

Auch abseits der autorisierten und unabhängigen Werkstätten sprühen in Reparatur- und „Do-it-yourself“-Workshops (DIY) die „Instandsetzungsfunken“: Das Erlernen praxisnaher Techniken zur Eigenreparatur hat Konjunktur. Für wenig Geld können Lernwillige beispielsweise an der Volkshochschule in Wien-Rudolfsheim im Oktober 2022 den „Check your bike: Fahrrad-Reparatur-Workshop“ beim Fahrradmechaniker belegen oder an der KunstHandWerk-Volkshochschule in WienMargareten im DIY-Kurs „Werkzeugkunde“ in der Praxis den Hammer schwingen.

„Wir beobachten ein gestiegenes Interesse an DIY-Kursen. Dieser Trend hat während Corona, als viele Menschen mehr Zeit zu Hause verbracht und dort bemerkt haben, was sie verändern oder verbessern wollen, so richtig Fahrt aufgenommen“, sagt Herbert Schweiger, Geschäftsführer der Wiener Volkshochschulen. „Gleichzeitig ist Selbermachen auch oft billiger – ein Aspekt, der immer stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Auch ein erhöhtes Umweltbewusstsein, der Wunsch, Ressourcen zu schonen und weniger Müll zu produzieren, bewegt viele unserer Kundinnen und Kunden dazu, sich nach Kursen umzusehen, in denen sie Techniken erlernen, um Dinge selbst herstellen oder reparieren zu können. Nicht zuletzt macht es einfach Spaß und stolz, Produkte der eigenen Kreativität, Anstrengung oder Fingerfertigkeit zu verwenden.“

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