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Mit guten Ideen in die Chefetage

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Die Zeichen stehen günstig für „unternehmenslustige“ Menschen, denn immer mehr wird der Wert kleiner Betriebseinheiten erkannt. Was bedeutet es, selbständig zu sein?

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Die Zeichen stehen günstig für „unternehmenslustige“ Menschen, denn immer mehr wird der Wert kleiner Betriebseinheiten erkannt. Was bedeutet es, selbständig zu sein?

Jeder siebente Berufstätige ist selbständig. Nur mehr jeder siebente, müßte man eigentlich sagen. Noch vor zwanzig Jahren war jeder dritte erwerbstätige Österreicher sein eigener Arbeitgeber.

Die Gründe für diesen Wandel sind schnell aufgezählt. Sie hängen mit der Schrumpfung des landwirtschaftlichen Sektors (die selbständigen Bauern wanderten in die Fabriken ab) und dem Trend zu den großen Einheiten bei Produktion und Handel in der Phase des Wirtschaftswachstums zusammen. Der kleine Tischler konnte kostenmäßig nicht mehr mit der Serienfertigung der Möbelindustrie mithalten, der Greißler um die Ecke nicht mit den Preisen des Supermarktes am Stadtrand. Aus selbständigen Handwerkern und Händlern wurden in der Folge angestellte Facharbeiter und Verkäufer.

Bis hinein in die siebziger Jahre wurde diese Entwicklung als fortschrittlich und wohlstandsvermehrend beklatscht.

Mittlerweile läßt sich auch in Österreich ein Umdenken feststellen. Betriebs- und volkswirtschaftlich hat man den Wert kleiner und mittlerer Einheiten erkannt. Gesellschaftspolitisch den Wert des freien Unternehmertums als eine Barriere gegen totalitäre Machtansprüche des Staates.

Heute stehen die Zeichen wieder günstig für „unternehmenslustige“ Menschen. Hat jeder, der eine gute Idee, ein klares Konzept mitbringt, aber auch kaufmännisch denken kann, eine gute Chance, sich selbständig zu machen. Unternehmensgründungen gelten wieder als Rezept zur Bewältigung des notwendigen Strukturwandels in der Wirtschaft und zur Bewältigung der Arbeitsmarktprobleme. Nach einer im Vorjahr durchgeführten repräsentativen Umfrage des Fessel-Instituts glauben jedenfalls nur 17 Prozent der Österreicher, daß es zu viele Unternehmer gibt. 39 Prozent würden hingegen die Gründung weiterer Unternehmen begrüßen. Allerdings glauben mehr als zwei Drittel, daß es heutzutage schwieriger ist, sich als Unternehmer selbständig zu machen.

Trotz aller bürokratischen Hürden, trotz Steuerlast und Launen der Konjunktur gibt es auch heute noch den märchenhaften Erfolg einer Idee, an die jemand glaubt und sie konsequent verfolgt.

Der Wunsch nach Selbständigkeit, dem Gefühl, unabhängig zu sein, für sich selbst zu arbeiten statt einen „sicheren“, vielleicht gut bezahlten Arbeitsplatz zu haben, sind die Hauptantriebsgründe für den Aufbau eines eigenen Unternehmens. Bei einer Jungunternehmerbefragung des österreichischen Wirtschaftsbundes nannten 62 Prozent der befragten Jungchefs dies als Grund für den Sprung in das Unternehmertum. Nur 19 Prozent lockte ein höheres Einkommen, fünf Prozent versprachen sich mehr gesellschaftliches Prestige, nur zwei Prozent mehr Urlaub und Freizeit.

Was heißt es nun aber, „selbständig“ zu sein, „Unternehmer“ zu sein? Sicherlich mehr, als die bisherige Tätigkeit (z. B. ein Handwerk) fortzuführen — nur eben auf eigene Rechnung und eigenes Risiko, sozusagen jetzt eben sein eigener Herr auf eigene Gefahr zu sein. Es heißt, im Betrieb und in der Volkswirtschaft die spezifisch unternehmerischen Aufgaben wahrzunehmen.

Im Betrieb selbst bedeutet das, zu führen, sich selbst und dem Unternehmen Ziele zu setzen und nach Mittel und Wegen zu suchen, diese zu erreichen. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, die nicht an andere delegiert werden können — weder an Mitarbeiter, noch an außenstehende Berater. Entscheidungen, die die Entwicklung des Unternehmens auf längere Sicht beeinflußen, sind jedenfalls immer Aufgabe eines Unternehmers.

Kaufmännisch denken

Jeder Betrieb, auch der Einmannbetrieb, braucht ein Mindestmaß an Organisation. Und in jedem Unternehmen gibt es neben dem „eigentlichen“ Unternehmenszweck zahlreiche Aufgaben wie z. B. das Rechnungs- oder Personalwesen, deren sachgerechte Erledigung wichtig für die Erbringung dieser „eigentlichen“ ( Unternehmenstätigkeit ist. Für viele schöpferisch denkende, ideenversprühende Menschen ist es oft nicht plausibel, sich Gedanken über eine ordentliche Buchführung zu machen, egal ob diese nun selbst gemacht oder an einen Buchhalter oder Steuerberater weitergereicht wird. Auch in kaufmännischen Bereich sollte daher nichts dem Zufall überlassen werden. Ein Gefühl für wirtschaftliche Zusammenhänge ist unerläßlich. Es reicht beispielsweise nicht aus, ein begabter Ingenieur zu sein, um eine Werkstätte für die Reparatur elektrischer Geräte auf Dauer erfolgreich führen zu können.

Längere Durststrecke

Im Prinzip kann jeder, der die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, Unternehmer werden. Doch sollte man sich möglichst kritisch prüfen, ob man auch die entsprechenden fachlichen und persönlichen Voraussetzungen für diese Berufsrolle mitbringt (siehe nebenstehenden Kasten).

Da der Einsatz von Zeit und Geld beim Selbständigmachen hoch sind und unter Umständen eine Rückkehr in eine gleich bezahlte unselbständige Position nicht immer leicht ist, ist das Scheitern für einen Jungunternehmer meist besonders tragisch.

Neben den in der eigenen Person begründeten Voraussetzungen wie der Bereitschaft zu überdurchschnittlichem Arbeitseinsatz, Durchsetzungsvermögen etc. sollte geprüft werden, ob man gegebenenfalls eine längere — finanzielle — Durststrecke nach der Unternehmensgründung durchstehen kann. Und wichtig ist auch, daß die eigene Familie „mitzieht“ und ebenfalls bereit ist, die ins Haus stehenden Belastungen mitzutragen. Nach den Erfahrungen der Kreditschutzverbände ist ein neugegründetes Unternehmen erst nach drei bis fünf Jahren „über den Berg“.

Service vorhanden

Herabsetzen läßt sich das Gründungsrisiko in erster Linie durch eine sorgfältige Vorbereitung des Sprungs in die Selbständigkeit. Der Ratschlag erfahrener Unternehmensberater lautet daher: Es kann gar nicht genug Information gesammelt werden. Immer wieder klagen die extra dafür geschaffenen Informationseinrichtungen der Handelskammern und anderer Institutionen, daß ihr — in der Regel kostenloses - Service viel zuwenig — und oft erst reichlich spät - in Anspruch genommen wird.

Die FURCHE will mit dieser Serie die wichtigsten Überlegungen aufzeigen, die jeder anstellen sollte, der sich — sei es als Handwerker, sei es als Kaufmann, sei es als freiberuflich Tätiger-selbständig machen will. Sie will aber auch ein Wegweiser zu weiterführender Information für den sein, der eine Unternehmensgründung konkret in Angriff nimmt. Die nächste Folge befaßt sich daher mit dem Thema „Wo und in welcher Branche habe ich Zukunft?“.

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