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Das "marktgerechte" Schulsystem

Es gibt wohl keinen Staat in der Gruppe der Industrienationen und schon gar keinen innerhalb der Europäischen Union, der nicht Probleme mit seinem Schulsystem hätte: was die Effizienz der Leistung seiner Lehrer, seiner Schüler, den Nutzen der ganzen Ausbildung und die Gesamtkosten des Bildungssektors beträfe. In (fast?) allen Staaten gibt es einen Überhang an Lehrern (alleine in Österreich warten rund 8.000 Junglehrer auf einen Posten), in allen Staaten wird der Nutzen der momentanen schulischen Ausbildung für die Wirtschaft in Frage gestellt, und in allen Staaten fehlt den Regierungen das nötige Geld, das - stets kritisierte - Schulsystem nutzenoptimal zu bedienen.

Durch die Maastricht-Kriterien gepeinigt, sparen alle Regierungen der EU-Staaten vor allem dort, wo es vorerst nicht schmerzt und wo es erst später zum Debakel kommen wird: im Bildungsbereich. Dieser bietet sich für ein kurzfristiges und -sichtiges Sparpaket nachgerade in klassischer Manier an: Nutzen (nämlich ökonomischen, also in Geldwerteinheiten umlegbaren) erwirtschaftet jedes Bildungssystem stets erst nach frühestens neun bis spätestens 20 Jahren - dann nämlich, wenn der Auszubildende (AZUBI oder Schüler) die Schul- oder Universitätsbank verläßt und ins Berufsleben einsteigt: als manuell Werkender (Lehrling oder Hilfsarbeiter) mit 15, als Akademiker mit (im Schnitt) 26 Jahren. Alles, was sich der Staat an Kosten im Ausbildungssektor heute erspart, wird zwar budgetär sofort wirksam, rächt sich aber in neun bis 20 Jahren.

"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" ist nur die sprichwörtliche Variante jener modernen Erkenntnis, nach der heute eher eine lebenslange Ausbildung anzustreben sei, denn eine nur einmalige während der Schulpflicht. Denn lernt der AZUBI in jungen Jahren nicht lernen und sich lernend beständig weiterzubilden, wird er - in späteren Jahren - dies auch nicht tun beziehungsweise gar nicht können.

Nicht nur aus ökonomischer Sicht ist ausreichende, besser: exzellente (Aus-)Bildung der Grundstein bzw. die Voraussetzung zur Erzielung größtmöglichen Nutzens - und Nutzen ist, wie es Malik kurz und prägnant ausdrückt, jenes wirtschaftliche Vorgehen, etwas zu erzeugen, das auch gekauft wird. Um zufriedene Kunden zu finden, müssen Produkte geschaffen werden, die Kunden gerne bezahlen. Angesichts der enormen Konkurrenz innerhalb der Marktwirtschaft (freie oder soziale) ist es die größte Kunst des Unternehmers, solche Produkte auf den Markt zu bringen, die trotz Marktpräsenz anderer, auch durchaus ähnlicher oder sogar gleichwertiger Produkte, ohne Rücksicht auf tatsächlichen Bedarf gekauft - und immer wieder gekauft - werden (Markentreue).

Der Zweck eines Unternehmens ist also - ökonomisch gesehen - nichts anderes als, wie Malik es nennt, Ressourcen in Nutzen zu transformieren. So einfach ist das, und es ist nicht Sache des Unternehmers, sich Gedanken darüber zu machen, ob Tamagotchis, Wegwerfkameras oder eine Antarktiskreuzfahrt tatsächlich einen - ideellen - Gewinn für den Kunden darstellen. Sobald er dafür zahlt, ist der geschaffene Mehrwert (= Wertschöpfung) akzeptiert und volkswirtschaftlich wirksam.

Im Zeitalter der Globalisierung ist es nun gar nicht so einfach, Dinge zu erzeugen oder Dienstleistungen anzubieten, die von Kunden auch angenommen, sprich: bezahlt werden. Also müssen gerade Fähigkeiten, die solche Produktionen überhaupt erst ermöglichen, nämlich Querdenken und Innovationsbereitschaft, geschult werden.

Innovatives und Vor-Denken wird aber in unserem Schulsystem entweder nicht, oder wenn - bei mutigen Lehrern - nur selten gefördert. Dabei sollten es gerade die folgenden Fähigkeiten sein, die in der heutigen schulischen Ausbildung geweckt und unterstützt werden sollten: * neue Ideen wagen, * Phantasie entwickeln, * Kreativität schöpfen, * Durchsetzungsvermögen beweisen, * Durchhaltevermögen zeigen, * optimal kommunizieren beherrschen, * über Teamfähigkeit verfügen, * Konkurrenzdenken praktizieren, * Elitebewußtsein (weniger schroff gesagt: Selbstbewußtsein) stärken, * kämpferische Qualitäten anwenden * und konfliktfähig sein.

All dies sind Eigenschaften, die in dem nun fast 30jährigen sozialistischen beziehungsweise sozialdemokratischen Schuldenken nicht nur nicht gefördert, sondern massiv unterdrückt worden sind.

Die Grenze zum Obszönen Wer bei der (Aus-)Bildung spart, bewegt sich an der Grenze zur Obszönität und verletzt obendrein den Generationenvertrag. Wobei obszön als Synonym für unanständig und schamlos steht - etwas, das zu sein man von Pädagogen und den ihnen Vorgesetzten (sie Verwaltenden; also der Schulbehörde selbst) am wenigsten erwartet. In den Geruch des Obszönen kommt deren Verhalten auch deswegen, weil mangelnde Ausbildung die späteren Erwerbschancen des mangelhaft Ausgebildeten automatisch schmälert, also eine bewußte und beabsichtigte Schädigung des AZUBIS beinhaltet. Das aber grenzt nicht nur ans Obszöne, es ist auch ethisch bedenklich und somit völlig unvertretbar. Derartiges Verhalten wird aber politisch vertreten und auch noch verteidigt, unter anderem auch mit dem Argument, (auch) an der Schule müsse gespart werden, weil (Maastricht!) dem Staat nicht ausreichend Geld dafür zur Verfügung stünde. Und es wird tatsächlich (auch) an der Institution Schule gespart, weil es dort den Steuerzahler - jetzt! - am wenigsten schmerzt und der gesamtwirtschaftliche Katzenjammer erst längst nach dem Ausscheiden der für solche Frivolitäten verantwortlichen Politiker (vom Bundeskanzler über den Finanzminister, die Unterrichtsministerin bis zu den Landes- beziehungsweise Stadtschulratspräsidenten ...) wirksam wird. Nach der Erfüllung der Maas-tricht-Kriterien die Sintflut, ökonomischer Nutzen her oder hin!

Leistungs- und Lernbereitschaft Was nun ist der Nutzen von Schule? Er kann im Malikschen Sinn kein direkter (Wer "kauft" schon Schüler?), sondern muß ein indirekter sein. Der Nutzen von Schule muß darin liegen, Menschen auszubilden, die dereinst in der Lage sein müssen, ökonomischen Nutzen zu schaffen. Dazu müssen sie richtig ausgebildet sein, einen richtigen Posten erhalten und dort die richtigen Entscheidungen treffen. Werden diese Ausgebildeten vom "Kunden gekauft" (= finden sie einen Unternehmer, der ihnen einen adäquaten Arbeitsplatz bietet), wird aus dem Nutzen der Schule (= den richtig Ausgebildeten) Gewinn für die Schule: etwa durch Dotationen von Unternehmervertretung(en) und Wirtschaftsförderungsinstitut(en), die aus den von ihnen gesponserten Schulen dann die nach den Bedürfnissen des Marktes ausgebildeten Schulabgänger an Firmen empfehlen. Oder, allgemein gehalten: Der Gewinn der Schule liegt darin, durch Aussicht auf einen gesicherten Arbeitsplatz (und damit Aussicht auf ein entsprechendes Einkommen) ausreichend für Leistung und Lernbereitschaft motiviert zu sein. Dies entspricht auch der Malikschen Definition von Gewinn: "Der Gewinn ist nicht der Zweck eines Unternehmens, sondern er ist der Maßstab dafür, wie gut das Unternehmen seinen eigentlichen Zweck erfüllt, nämlich Nutzen für die Kunden zu schaffen."

Der moderne Pädagoge Lernbegleiter und "Animateur"Gewinn ist also, wirtschaftswissenschaftlich gesprochen, die Umlegung des Nutzens in Geld, das dem Unternehmer, nach Abzug seiner Kosten, bleibt. Gewinn - zeitverzögert umgelegt auf das Unternehmen Schule - ist jenes Geld, das der (nun optimal) Ausgebildete dem Unternehmen, dem er jetzt als für die Produktion Verantwortlicher dient, erwirtschaftet.

Also: Die Kunden der Schule sind die Wirtschaftstreibenden, der Nutzen der Schule ist es, ihre "Produkte" (AZUBIS, Schüler) "kundengerecht" (= auf die Anforderungen des Marktes) vorzubereiten, sie also im realen Wirtschaftsleben unterzubringen. "Gewinn" der Schule tritt dann ein, wenn ihre "Produkte" "gekauft" werden, also einen Arbeitsplatz geboten kriegen. Dann, und nur dann produziert die Schule nicht am (Arbeits-)Markt vorbei!

Zur Zeit wird aber am Arbeitsmarkt vorbeiproduziert. Sie stiftet damit - nach Malik - Schaden, geht "aus dem Ruder", wird "unkontrollierbar und korrupt". Will sie das alles nicht (Will sie das wirklich nicht?), muß sie sich ändern: Sie muß ihre Produkte dem Markt (= der Nachfrage) anpassen und via entsprechende Lehrinhalte die Fähigkeiten der Schüler für die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes effektiver fördern und entwickeln.

Nur Persönlichkeiten stiften Nutzen Wie erhöht man die Effizienz (wirtschaftswissenschaftlich: die Produktivität) der Schüler? Es ist seit langem bekannt und alle Pädagogen wissen es: durch Reduktion der Klassenschülerzahl auf zwölf bis 15. (Zur Zeit sind in Österreich bis zu 36 Schüler möglich beziehungsweise gesetzlich gedeckt.) Mit einer Klassenstärke von zwölf bis 15 findet jeder Lehrer optimale Lehrbedingungen vor, die persönliche Betreuungs- (= Zuwendungs-)zeit, die auf den einzelnen Schüler der Klasse entfällt, erhöht sich auf das Zwei- bis Dreifache. Der einzelne Schüler versinkt mit seiner Leistungsbereitschaft (die zu fördern wäre und nicht abzusenken, wie es in den letzten 25 Jahren besonders in Wien der Fall gewesen ist) nicht, wie bisher, in einem fast schon anonymen Haufen von bis zu 36 Kommilitonen, sondern wird mit den Leistungen seiner Kameraden häufiger und schärfer konfrontiert. Und das mit all seinen psychischen Begleiterscheinungen: vom Ansporn bis zum Frust.

Nur in sozialistischer (heute: sozialdemokratischer) Diktion ist Frust ausschließlich negativ besetzt. Jeder Psychologe weiß, daß Frustrationsgefühle notwendig sind zur Selbstfindung und zur Stärkung des Selbstbewußtseins - freilich unter begleitender und betreuender Mithilfe eines Verantwortlichen. Im Schulbetrieb ist dies der erfahrene Lehrer. Bei zwölf bis 15 Schülern muß der Lehrer seine Zuwendung und Aufmerksamkeit nicht auf eine mehr oder weniger anonym bleibende Klasse aufteilen (= verschwenden), sondern kann sich den werdenden Persönlichkeiten der einzelnen Schüler häufiger und intensiver zuwenden und somit an deren Persönlichkeitsbildung aktiv mitwirken! Erst solche Persönlichkeiten bilden aber die Grundvoraussetzung für das, was Malik im Wirtschaftsleben "Nutzen" nennt: Nur Persönlichkeiten können Nutzen schaffen; Mitläufer verrichten bestenfalls Arbeit. Und: Nur wer Nutzen schafft lukriert auch Gewinn. Wer bloß arbeitet, tut seinen Job - aber nicht jede Arbeit stiftet bekanntlich auch Nutzen!

Wie immer das Steuersystem der Zukunft aussehen wird, sei es ein modifiziertes Einkommensteuersystem mit einem staatlich garantierten Sockelbetrag für die Grundbedürfnissicherung oder ein (was wahrscheinlicher ist) maschinenbesteuertes Wertschöpfungssteuersystem - nur Wirtschaftsgewinne bringen dem Staat die nötigen Steuereinnahmen. Die Kosten dafür hat der Staat einen Ausbildungszyklus früher ausgelegt - aber beim Unternehmen Schule dabei sehr gespart.

Wir befinden uns heute in diesem Ausbildungszyklus für morgen. Und da wir am Markt vorbei ausbilden, wird der später lukrierte Gewinn des Staates (seine Steuereinnahmen) durch den verfehlten Nutzen (falsch ausgebildete, daher unfähige, nicht innovative Manager) sehr gering sein. Der zukünftige Staat wird - durch seine verkehrte Schulpolitik - seinen heute fehlausgebildeten Bürgern später weniger bieten können Der Generationenvertrag wird von den heute Verantwortlichen bewußt, und damit böswillig gebrochen; die heutigen AZUBIS werden wissentlich betrogen: um ihren späteren Lebensstandard, der niedriger als der unsere sein muß.

Die Besten entsorgen?

Nach Malik ist es nicht Aufgabe eines Unternehmens, vorrangig Arbeitsplätze zu schaffen, sondern Nutzen zu generieren. Arbeitsplätze ergeben sich - noch - aus dem Umstand, daß Arbeit eine Ressource ist, also einen Produktionsfaktor darstellt. Das wird bei manueller Arbeit nicht mehr lange der Fall sein, nicht einmal mehr eine Generation lang, bei geistiger oder sozialer Arbeit hingegen immer, da diese nicht mechanisierbar ist.

Der Lehrer vereint in seltener institutionalisierter Überlappung geistige (= sachliche und autoritäre) und soziale (= persönliche, erzieherische) Disziplinen und wird daher nie durch Maschinen ersetzbar sein. Lehrer sind daher ein Beruf, dem höchste Wichtigkeit und höchste Priorität im "Ranking" von Berufen einzuräumen ist.

Das Lehrerbild hat sich gewandelt. Die Aufgabe des modernen und zukünftigen Pädagogen ist nicht mehr die reine Wissensvermittlung, sondern vielmehr den Schülern nahezubringen: Wie gehe ich mit dem Wissen, das ich mir aus den neuen Medien geholt habe, richtig um? Wie bewerte ich dieses Wissen, und wie suche ich das für mich Wichtige und Richtige aus? Der Lehrer wird so zu einem Lernbegleiter, Supervisor und "Animateur" fürs Lernen - aber er ist sicher kein bloßer Wissensvermittler mehr!

Nach Malik muß in einem Unternehmen größtmöglicher Nutzen angestrebt werden; gelingt dies, ergeben sich größtmöglicher Gewinn und eine maximale (in diesem Fall: optimale) Zahl von Arbeitsplätzen quasi von selbst. Umgelegt auf die Schule liest sich das so: Die schon erwähnte Senkung der Klassenschülerhöchstzahl auf 15 bedeutet eine schlagartige Schaffung von Arbeits- (Lehrer-)plätzen um etwa ein Viertel bis zu einem Drittel der derzeitigen Planposten (die Hälfte kann es nicht sein, da tatsächlich nur die wenigsten Klassen 36 Schüler aufweisen! Aber die wartenden 8.000 Junglehrer wären sofort versorgt).

Die maximal 15 Schüler einer Klasse erführen sofort eine um ein Vielfaches bessere Ausbildung, der einzelne Lehrer wäre effizienter eingesetzt (= genutzt). Seine effizientere Nützlichkeit diente den Schülern, die damit zu fundierterem und besser verankertem Wissen kämen - von der sozialen und humanen Komponente der nun individuelleren Betreuung durch den (die) Lehrer einmal ganz abgesehen. In heutigen Unternehmen sind humane und soziale Komponenten so wichtig geworden, daß erst ein befriedigendes Zusammenspiel dieser beiden Bereiche eine optimale Entfaltung des Wissens und Könnens zum höheren Nutzen aller ermöglicht. Nach der Schulzeit wandelte sich die nun nutzenoptimierte Ausbildung der nun Gereiften in ökonomischen Nutzen für die Unternehmen und über deren Steuerzahlungen auch für den Staat um. Die höheren Ausgaben für Lehrergehälter jetzt flössen mehr als einmal durch die dann effizienteren Unternehmen wieder an den Staat zurück.

Zur Zeit wird in Österreich dagegen das "Gehrer-Modell" in Gesetze geschmiedet, nach dem bewährte, bestens ausgebildete, auf der Höhe ihrer pädagogischen Fähigkeiten stehende Lehrer kostenneutral "entsorgt" werden sollen. Um Platz für Junglehrer zu schaffen, möchte man ihnen den Gang in die Frühpension "schmackhaft" machen - mit Vorschlägen die nur ein zu "Entmündigender" akzeptieren kann. Ministerieller (Finanz-)Hintergedanke dabei: es soll Geld gespart werden, da Junglehrer natürlich um vieles billiger kommen, als "Alt"lehrer, die - aus Kostengründen - zur Altlast werden.

Ich darf an die Maliksche Nutzenanalyse erinnern: Das Schaffen von Arbeitsplätzen ist bestenfalls ein Nebeneffekt des Nutzenstrebens. Lehrer sind also im Schulsystem niemals Selbstzweck, sondern - bestenfalls - Nebeneffekt. Weil sie aber unverzichtbar sind (Roboter können Schüler niemals pädagogisch betreuen!) sind sie für den Schulbetrieb notwendig! Und - um Malik sinngemäß zu zitieren: Arbeitsplätze - so sie notwendig sind - dürfen nicht abgebaut, sondern müssen bestmöglich genutzt werden.

Die bestmögliche Nutzung von Lehrern kann aber nun wirklich nicht darin liegen, gerade die bewährtesten (= besten) in Pension zu schicken, sondern müßte vielmehr darin gesehen werden, sie optimal einzusetzen.

Das muß nicht unbedingt vor der Klasse sein und könnte zum Beispiel in die Ausbildung von Junglehrern (= Betreuungslehrer) münden. Solche "Betreuungslehrer" gibt es nun zwar schon seit nahezu 15 Jahren, sie sind aber weder entsprechend ausgebildet, noch werden sie nutzenmaximierend eingesetzt. Einmal Betreuungslehrer - immer Betreuungslehrer. Einmal schlechter Betreuungslehrer - immer schlechter Betreuungslehrer. Einmal guter Betreuungslehrer - immer frustrierter und durchaus pensionsfreudiger Betreuungslehrer, den nur das Skandalöse am Gehrer-Modell davon abhält, es an- und ernst zu nehmen. Wird der Gehrer-Vorschlag Realität (was in etwa einem Jahr der Fall sein dürfte), werden - wenn sich genug durch ihren Fehleinsatz Frustrierte finden, die sich mit ihrem diesbezüglichen Entschluß tatsächlich selbst "entmündigen" - zumindest einige der bewährtesten und besten Betreuungslehrer (natürlich auch andere) in die Pension getrieben. Damit geht dem Unternehmen Schule enormer potentieller Nutzen verloren.

Notwendige Schulreform Freilich: von einer Frau Gehrer und einem Herrn Scholz wird dann niemand mehr etwas wissen - in 20 Jahren? Oder? Otto Glöckel hingegen kennt heute noch jeder Pädagoge und er weiß, daß jener einer der größten Schulreformer unseres Landes war. Wenn Gehrer und Scholz (und natürlich all die anderen Landesschulräte Österreichs) im Malikschen Sinn die Diskussion um diese dringend nötige Schulreform ins Parlament brächten und dieses (noch regiert ja die SPÖVP-Koalitionsregierung, aber wie lange noch?) die entsprechenden Gesetze mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit beschlösse, wäre Österreich in den letzten zwei Jahren des ausgehenden 20. Jahrhunderts um ein paar Schulreformernamen reicher.

Zum Thema: Was leisten Schulen?

Fredmund Malik, Professor und Leiter des Managementzentrums St. Gallen, stellt in seinem Artikel "Gebt uns Arbeit" im Magazin "trend" die These auf, vordringlichste Aufgabe von Unternehmen sei es nicht, Arbeitsplätze oder Gewinn zu schaffen, sondern Nutzen.

Walter Weiss, seit 21 Jahren Professor an einer Wiener AHS (Fächer Philosophie, Psychologie, Geographie und Wirtschaftskunde), Schriftsteller, Publizist und Verleger, ergänzt diese These und stellt folgendes zur Debatte: Würde die Maliksche Sicht 1:1 auf das Unternehmen Schule umgelegt, ergäben sich Nutzen, Gewinn und zusätzliche Arbeitsplätze für die Lehrer. ET

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