Franziska Marhold - © Privat
Politik

"Konkreter und schneller sein"

1945 1960 1980 2000 2020

Franziska Marhold ist eine der Sprecherinnen der Fridays-for-Future-Bewegung. Ein Gespräch über die Wichtigkeit der Wissenschaft und die Erwartungen an die türkis-grüne Bundesregierung.

1945 1960 1980 2000 2020

Franziska Marhold ist eine der Sprecherinnen der Fridays-for-Future-Bewegung. Ein Gespräch über die Wichtigkeit der Wissenschaft und die Erwartungen an die türkis-grüne Bundesregierung.

Franziska Marhold ist eines der herausragenden Gesichter der Klima­bewegung Fridays for Future (FFF) Österreich. Sie studiert Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der BOKU.­ Im März diskutiert sie beim Symposion Dürnstein zu Zukunftsfragen.

DIE FURCHE: Haben wir unsere Regierung FFF zu verdanken?
Franziska Marhold:
Es gibt viele innenpolitische Gründe, warum heute eine andere Regierung an der Macht ist als vor einem Jahr. Einer davon ist sicher Fridays for Future, die eine andere Politik einfordert. Allein dass eine bestimmte Partei in der Regierung ist, ist noch kein Erfolg, aber vielleicht ein Anzeichen, dass eine gewisse Veränderung im Gange ist. Das Klima war für viele Wählerinnen und Wähler das Wahlmotiv Nummer eins, demnach sind die Erwartungen an diese neue Regierung entsprechend hoch. Gemessen wird die Regierung aber an ihren Taten, nicht ihrer Parteifarbe.

DIE FURCHE: Ist die Klimaagenda aus dem Regierungsprogramm – immerhin 62 Seiten – geeignet, die Pariser Ziele zu erreichen?
Marhold:
Wir werden sehen. Wenn diese Regierung wirklich den Klimaschutz umsetzt, ist das was sehr Positives. Allein wieviele Seiten drin sind, sagt nicht viel. Wir haben schon sehr viele Pläne und Ziele und Agenden gesehen, aber umgesetzt wurde relativ wenig. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist sehr positiv. Kritisieren kann man, dass die ökosoziale Steuerreform erst für 2022 vorgesehen ist und nicht konkret beschrieben wird. Sie wird vertagt und im Endeffekt vielleicht nicht umgesetzt. Es gibt sie ja z. B. in der Schweiz. Man könnte also konkreter und auch schneller sein.

DIE FURCHE: ÖVP-Klubchef August Wöginger hat gesagt, nicht einmal Nobelpreisträger haben Lösungen. Hat FFF diese Lösungen?
Marhold:
Das ist nicht unsere Aufgabe. Wir bauen Druck auf, damit eine Lösung gefunden wird. Es gibt Länder, wo ökosoziale Steuerreformen funktionieren, wo klimaschädliches Verhalten besteuert wird und das Geld in klimafreundliche Aktivitäten fließt. Das ist sicher nicht die Lösung der Klimakrise, aber schon einmal ein Schritt.

DIE FURCHE: Der Bundeskanzler versprüht Optimismus, dass die Klimawende möglich ist, ohne den Unternehmern weh zu tun, allein durch technologischen Fortschritt.
Marhold:
Die Wirtschaft insgesamt hat eine wichtige Rolle. Wir haben aber gesehen, dass sie wie die Politik viel versprochen, den Klimaschutz auf an die Fahnen geheftet, aber wenig umgesetzt hat. Wir würden uns freuen, wenn die Unternehmen mehr in Richtung Klimaschutz gehen wollen. Die Rahmenbedingungen muss die Politik setzen, damit das auch funktionieren kann. Klimafreundliches Verhalten gehört gefördert, klimaschädliches Verhalten bepreist. Allein mit gutem Willen wird es nicht gehen.

DIE FURCHE: US-Finanzminister Steven Mnuchin hat Greta Thunberg ausgerichtet, diese Göre solle erst einmal die Schule fertig machen und Wirtschaft studieren, bevor sie die fossile Industrie attackiert. Wieviel Sachverstand brauchen die Klimaaktivisten?
Marhold:
Wir maßen uns nicht an, Experten zu sein. Wir haben dank wissenschaftlicher Erkenntnisse mitbekommen, das wir vor einer Krise stehen. Wir verlangen nicht, dass man auf uns „Kinder“ hört, sondern auf die Wissenschaft. Aber auch ohne Studium kann man aber verstehen, dass die derzeitige Menge an CO₂, die wir ausstoßen, und die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels nicht zusammenpassen.

DIE FURCHE: Wie eng ist der Kontakt zur Wissenschaft?
Marhold:
Wir haben eine Allianz mit Scientists for Future, das sind 26.800 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im deutschsprachigen Raum, die Anfang 2019 gesagt haben, die Bedenken von FFF sind berechtigt und sie teilen sie.