Michelangelo  - © Foto: Getty Images/Fototeca Gilardi

Michelangelo als „Der göttliche Künstler“

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Während seines langen Lebens schuf Michelangelo ikonische Meisterwerke, die die Zeiten überdauerten – auch wenn er selbst mit seinem Werk nie gänzlich zufrieden war.

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Während seines langen Lebens schuf Michelangelo ikonische Meisterwerke, die die Zeiten überdauerten – auch wenn er selbst mit seinem Werk nie gänzlich zufrieden war.

Michelangelo gilt als Universalkünstler der Renaissance, der durch seine Vielseitigkeit zu einem Mythos wurde. Rainer Maria Rilke verglich ihn mit einem Giganten, der sich in seiner künstlerischen Tätigkeit der Zwangsjacke von normativen Ansprüchen entzog. Der Schöpfer der Monumentalfresken der Sixtinischen Kapelle, von Statuen wie dem „David“ oder der „Pietà“ und der Architekt der Kuppel des Petersdoms erlangte bereits zu Lebzeiten den Status eines Künstlers, der von einer „himmlischen Schöpferkraft“ geleitet wurde.

Michelangelo Buonarroti wurde am 6. März 1475 als Sohn einer dem niedrigen Adel entstammenden Familie geboren. Im Alter von dreizehn Jahren kam er als Lehrling in die Werkstatt des renommierten Malers Domenico Ghirlandaio in Florenz, wechselte dann aber in die von Lorenzo de’ Medici gegründete Kunstschule, um eine Lehre als Bildhauer zu absolvieren. 1492 begab sich Michelangelo nach Bologna und Venedig, um seine Studien fortzusetzen. Politische Wirren und Unruhen, ausgelöst von dem fanatischen Bußprediger Girolamo Savonarola, hatten den Künstler bewogen, Florenz zu verlassen.1496 zog Michelangelo nach Rom.

Dort entstanden Skulpturen wie „Trunkener Bacchus“ und die „Pietà“, die sich im Petersdom im Vatikan befindet. Die Figurengruppe aus weißem Carrara-Marmor zeigt – gemäß dem Vertrag, den Michelangelo eingegangen war – „die bekleidete Jungfrau Maria mit dem toten, unbekleideten Christus im Arm“. Auffallend daran ist, dass Michelangelo die übliche expressive Darstellung der Mater Dolorosa nicht nachvollzog. Vielmehr hält Maria den toten Sohn auf den Knien, als wäre er ein zu beschützendes Kind.

1501 kehrte Michelangelo nach Florenz zurück und arbeitete rund drei Jahre an der Monumentalstatue „David“, die er aus einem einzigen Marmorblock anfertigte. Laut dem italienischen Kunsthistoriker Antonio Paolucci ist sie das „perfekte Symbol heterosexueller Männlichkeit“, das den Pop-Art-Künstler Andy Warhol inspirierte. Vielfach wurde speziell die „Pietà“ im Sinne der neuplatonischen Philosophie interpretiert, die davon ausging, dass die rohe Materie formlos sei und der geistigen Formung bedürfe, die im Kunstwerk beispielhaft verwirklicht werde.

Die Sixtinische Kapelle

1505 erfolgte ein erneuter Aufenthalt Michelangelos in Rom, wo er Vorbereitungen für das Grabmal von Papst Julius II. traf. Nach einem Zwischenspiel in Florenz, das durch politische Querelen des Papstes verursacht wurde, kam Michelangelo wieder nach Rom, um die Ausmalung der Decke der Sixtinischen Kapelle zu beginnen, die von 1508 bis 1513 dauerte. Das zentrale Thema war die Darstellung der Schöpfungsgeschichte, die bis zur Sintflut reicht.

Nach der Fertigstellung der Sixtinischen Kapelle arbeitete Michelangelo in den folgenden Jahrzehnten hauptsächlich als Bildhauer, vornehmlich für das Grabmal des Papstes Julius II. Geplant war ein mehrstöckiges, elf Meter hohes Monument, das alle bekannten Vorbilder in den Schatten stellen sollte.

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