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Weltweit nehmen die Seuchen zu

Nicht nur die Angst vor Computerviren prägte den Jahreswechsel. Auch die Grippeviren hatten heuer Hochsaison: Hohes Fieber, Übelkeit, Kranke, wohin man kam - trotz der intensiven Werbung für die Grippe-Impfung im Herbst. Ein Zeichen dafür, daß die Medizin im Kampf gegen Seuchen keineswegs schon den Sieg davongetragen hat.

Im Gegenteil: Weltweit spielen Seuchen nach wie vor eine bedeutende Rolle. Mit 13 Millionen Toten pro Jahr liegen die Infektionskrankheiten an der Spitze der Todesursachen. Tuberkulose, Malaria, Durchfallerkrankungen, Lungenentzündungen sind für einen Großteil dieser Todesfälle verantwortlich. Keineswegs bewältigt ist auch die Aidsgefahr: Mehr als 33 Millionen Menschen sind HIV-infiziert. Besonders hoch liegen die Zahlen in Afrika: Schätzungen zufolge sind Simbabwe und Botswana am ärgsten betroffenen. 25 Prozent der Erwachsenen seien dort infiziert und in Südafrika steckten sich täglich 1.500 Mensch an Aids an. Enorme Aids-Zuwachsraten werden auch aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion gemeldet.

Diese Tatsache ist schon an sich schlimm genug, hat aber auch Folgen für die Verbreitung einer weiteren Krankheit, die Tuberkulose, von der viele Aids-Kranke befallen sind. Die Tuberkulose hat - vor allem aufgrund der weitweit grassierenden Armut - eine enorme Verbreitung gefunden. Man schätzt, daß etwa ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Tuberkelbazillus infiziert ist und daß 15 Millionen Menschen an dieser Armenseuche erkrankt sind. In Österreich kommt es jährlich zu 1.000 bis 2.000 Tuberkulose-Neuerkrankungen.

Manche Seuchen, von denen man meinte, sie seien längst auf dem Rückzug, treten wieder vermehrt auf. Zu diesen Erkrankungen zählen Syphilis und Gonorrhoe (in England und Wales bei Jugendlichen allein von 1995 auf 1996 ein Anstieg um rund 30 Prozent), Diphterie, Typhus, Cholera, Influenza oder Gelbfieber. 275 Millionen Menschen sind Malaria-infiziert. Durch die intensive Reisetätigkeit werden Krankheiten, die vor allem in Asien, Lateinamerika und Afrika auftreten, auch nach Europa verschleppt. So gibt es in Österreich jährlich rund 100 Malariafälle.

Aber es gibt auch gute Nachrichten von der Front der Seuchenbekämpfung. So dürften die Pocken weitgehend ausgerottet worden sein. Sehr erfolgreich war auch der Kampf gegen die Kinderlähmung. Sie könnte nach Meinung von Experten bei gezielten Anstrengungen ebenso ausgerottet werden wie die Röteln und Masern. Große Erfolge gab es auch im Kampf gegen die Lepra. Sie war Mitte der achtziger Jahre noch in mehr als 100 Ländern verbreitet, ist jetzt aber nur mehr in 28 Ländern anzutreffen.

So sehr medizinische Anstrengungen bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten eine Rolle spielen, so sehr bedarf es aber auch sozialer Bemühungen, denn das Elend in den Ballungsräumen der Dritten Welt ist eine Hauptursache von Epidemien.

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