Neymar - ©  APA / / AFP Dominique Faget
Wirtschaft

Hohe Kanten des runden Leders

1945 1960 1980 2000 2020

Die UEFA scheitert mit ihrem angeblichen Vorhaben, den Fußball durch Financial Fairplay gerechter zu machen. Vernachlässigte Kontrollen, janusköpfige Sanktionen und Profitgier werfen ein schlechtes Licht auf den Verband.

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Die UEFA scheitert mit ihrem angeblichen Vorhaben, den Fußball durch Financial Fairplay gerechter zu machen. Vernachlässigte Kontrollen, janusköpfige Sanktionen und Profitgier werfen ein schlechtes Licht auf den Verband.

Frenetisch jubelnde Fans, Schüsse wie aus der Traumfabrik und atemberaubend schnelle Kombinationen – romantisch hochstilisiert ist Fußball vielen die schönste Nebensache der Welt. Doch der global beliebteste Sport hat auch noch eine andere Seite, auf der der rollende Ball eher zum Nebendarsteller für den rollenden Rubel wird.
Seit 1. Juli läuft die heiße Transferphase im Fußball. Spieler werden für teils irrwitzige Beträge zu anderen Vereinen gelockt. Mittlerweile haben die 15 teuersten Wechsel des aktuellen Transferzeitraums zusammengerechnet mehr als eine Mrd. Euro in Umlauf gebracht.

Die 2015 veröffentliche Financial-Fairplay-Richtlinie der UEFA hätte derartige Deals verhindern sollen. Durch sie wären Klubs gezwungen, nicht mehr Geld auszugeben, als sie zuvor eingenommen haben. Bei Kontrollen werden relevante Bilanzwerte der Klubs über die letzten drei Spielzeiten hinweg begutachtet. In diesem Bemessungszeitraum darf ein Minus von bis zu fünf Mio. Euro generiert werden. Wenn ein Investor die Differenz zu diesen 5 Mio. aus der eigenen Tasche zahlt, darf das Defizit sogar bis zu 45 Mio. Euro betragen. Kleinere Vereine, die ohne größeren Sponsor auskommen müssen, leiden darunter – obwohl die UEFA bei der Präsentation des Regelwerks davon sprach, dass vor allem sie zu den Gewinnern zählen würden.

222 Millionen als Anstoß

Für 222 Millionen Euro wechselte der brasilianische Superstar Neymar im Sommer 2017 vom FC Barcelona zu Paris St. Germain. Führt man sich diese Summe vor Augen, klingt der Vorsatz der UEFA, durch das Financial Fairplay (FFP) die Gier und Verschwendungssucht von Vereinen zu drosseln, wie ein zynischer Scherz – und ist schlichtweg gescheitert. Auch wenn der Brasilianer derzeit mit einer Rückkehr zu den Katalanen liebäugelt, war der Aufschrei über die Ablösesumme groß. Um 222 Millionen Euro zu verdienen, müsste ein Arbeiter zum gesetzmäßig festgelegten Mindestlohn in Österreich rund 2511 Jahre durcharbeiten (24 Stunden am Tag/365 Tage im Jahr). Die surreale Summe für den brasilianischen Spielmacher verstieß damals gegen die für jeden einsehbaren Richtlinien von Financial Fairplay. PSG umging die UEFA jedoch, ließ Neymar selbst seine Ablösesumme bezahlen und vermittelte ihm daraufhin einen mit 300 Millionen Euro dotierten Werbevertrag mit dem Wüstenstaat Katar.

Ein Jahr nach Neymar wechselte auch das französische Top-Talent Kylian Mbappé nach Paris. 180 Millionen Euro Ablösesumme lockten den erst 19-Jährigen. Erneut umging der Hauptstadtverein die finanziellen Regulierungen. Die Tricks neben dem Platz muten dabei fast ausgefuchster an als Neymars Übersteiger oder Mbappés Tempodribblings auf dem grünen Rasen. Wie durch die Enthüllungsplattform „Football Leaks“ bekannt wurde, wurden in der Buchhaltung Sponsoren-Gelder künstlich auffrisiert, um die Einnahmeseite vermeintlich stärker erscheinen zu lassen. Die UEFA hielt die Transaktionen des französischen Serienmeisters für nicht weiter bedenklich und lässt die Pariser nach wie vor ungeniert auf dem Transfermarkt Millionenbeträge investieren.

Seitenwechsel

Unzähligen Mediengerüchten der letzten Jahre zu Folge, nach denen Paris St. Germain von der UEFA aus deren Wettbewerben wie etwa der Champions League ausgeschlossen werden sollten, folgten nie Konsequenzen. Die französische Tageszeitung L’Equipe berichtete bereits 2014, dass PSG Gehälter und Transfers in den folgenden zwei Jahren begrenzen müsse, sofern man einem Ausschluss aus der Königsklasse entgehen wolle. Fünf Jahre später feierten die Pariser ihren sechsten Meistertitel innerhalb der letzten sieben Jahre, und dies bei einem Minus von 426 Mio. Euro auf dem Konto. Im internationalen Fußball bezweifelt trotzdem niemand, dass auch nächste Saison die Champions-League-Hymne im Pariser Prinzenpark ertönen wird. Konsequenzen gab und gibt es keine – zumindest bei PSG.