DürerDasgroßeRasenstück - © © Albertina, Wien
Feuilleton

Meister des Augentrugs

1945 1960 1980 2000 2020

Die Albertina präsentiert Albrecht Dürer: Wie zuletzt im Jahr 2003 zur Wiedereröffnung des Hauses ist dem vielfältigen Künstler nun erneut eine große Schau gewidmet, die mit erstaunlichen Erkenntnissen aufwartet.

1945 1960 1980 2000 2020

Die Albertina präsentiert Albrecht Dürer: Wie zuletzt im Jahr 2003 zur Wiedereröffnung des Hauses ist dem vielfältigen Künstler nun erneut eine große Schau gewidmet, die mit erstaunlichen Erkenntnissen aufwartet.

Hände, deren filigrane Finger einander nur zart berühren. Adern, die sich stark abzeichnen, Fingerspitzen, die förmlich glänzen. Dürers „Betende Hände“ kennen wir als Einzelikone. Dass die vielfach reproduzierte Zeichnung jedoch eine Kreation unter vielen war, die auf einem großen, später in Teile geschnittenen Papierbogen geschaffen wurden, ist eine der Erkenntnisse, die in der neuen Albrecht-Dürer-Ausstellung in der Albertina staunen lassen.

Der Apostel, dessen Schulter man bei genauem Hinsehen auf dem Ausschnitt der „Betenden Hände“ erkennen kann, hängt in dieser gleich daneben. Beide und einige mehr waren zwar Vorzeichnungen für den Heller-Altar, bestehen aber auch als autonome Virtuosenstücke, die durch ihre höchst akribische Ausführung Kunden von Dürers Werkstatt beeindrucken sollten, wie Chef-Kurator Christof Metzger betont. Er hat für die chronologisch gehängte Schau mehr als 200 Exponate vereint.

Meister des Details

Zuletzt gab es in diesem Museum 2003 eine Dürer-Ausstellung. Die aktuelle war bereits geplant, bevor Klaus Albrecht Schröder in seiner Funktion als Albertina-Direktor verlängert wurde. Hätte er früher von seiner Prolongation gewusst, hätte er sie wohl nicht jetzt – als vermeintliche Krönung – sondern in zwei Jahren zum 550. Geburtstag Dürers gemacht. Nun sagt er: „Dürer ist bedeutsam und einflussreich genug, er braucht keine Jubiläen.“ Man wolle, so Schröder, die Schau von 2003 sogar noch übertreffen und den Künstler in Nuancen anders darstellen, vor allem aber ein vielfältiges Bild Dürers präsentieren.

Nicht nur sind diesmal Werke wie „Die Marter der zehntausend Christen“ oder „Die Anbetung der Könige“ als Leihgaben dabei, wenn man neben zahlreichen Druckgrafiken und Zeichnungen auch mit rund einem Dutzend Gemälden aufwartet.
Vor allem geht es Metzger darum zu zeigen, wie Dürer von Anbeginn seiner Karriere an ein glänzender Beobachter und Analytiker war, ja wie er förmlich die Grenze des mit Feder und Pinsel Machbaren auslotete. Wie sehr der Künstler jedes Detail genau studierte und in größter Meisterschaft wiedergab, zeigt sich schon in frühen Werken und gipfelt in den berühmten Tier- und Naturstudien wie dem „Feldhasen“, dem „Großen Rasenstück“ und dem „Flügel einer Blauracke“, bei dem die genaue Analyse sogar bis zur Wiedergabe einer ausgerissenen Feder geht.