Papst Leo XIV.
DISKURS
Franziskus: Ein Papst der Muslime
Wen würden Muslime zum Papst wählen, wenn sie denn könnten? Die Antwort liegt für viele auf der Hand: jemanden wie Papst Franziskus. Er hat mit seiner offenen Haltung gegenüber der islamischen Welt Maßstäbe gesetzt. Er besuchte Abu Dhabi, Bahrain, Marokko und den Irak – symbolisch starke Orte, die weit über die rituellen Gesten hinaus eine Brücke zwischen den Religionen schlagen sollten.
Brücken von Franziskus
Vor allem das „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen“, das Franziskus 2019 gemeinsam mit Großimam Ahmad al-Tayyeb von al-Azhar in Abu Dhabi unterzeichnete, gilt als Meilenstein im interreligiösen Dialog. So bedeutend das Dokument in seiner Symbolkraft ist, es ist leider weitgehend folgenlos geblieben. Es wurde kaum theologisch weiterentwickelt, noch hat es den interreligiösen Diskurs in der muslimischen Welt grundlegend verändert. Das Papier wirkt wie ein Leuchtturm, der hell aufscheint, aber niemandem wirklich den Weg weist.
Umso wichtiger wäre es, dass der nächste Papst diese offene, dialogorientierte Haltung nicht nur fortsetzt, sondern vertieft. Ein möglicher Kandidat, der für einige Muslime ein Hoffnungsträger sein könnte, ist der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa.
Gerade Jerusalem ist ein Ort, der wie kein anderer für das Spannungsfeld und das Potenzial religiöser Versöhnung steht. Seine Wahl wäre nicht nur ein Zeichen der Kontinuität, sondern auch ein Appell: Religion darf im Nahostkonflikt nicht länger als Teil des Problems gelten, sondern muss Teil der Lösung werden. In einer Zeit, in der Populismus weltweit zunimmt, braucht es ein Oberhaupt, das Brücken baut, nicht aus diplomatischer Höflichkeit, sondern aus tiefer theologischer Überzeugung. Franziskus hat diese Brücken begonnen. Wer auch immer ihm folgt, sollte den Mut haben, sie zu betreten und weiterzubauen.
Der Autor leitet das Zentrum für Islamische Theologie an der Uni Münster.
Diesen Kommentar lesen Sie in der Printausgabe der FURCHE vom 08. Mai 2025 unter dem Titel „Ein Papst der Muslime“.
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