Christen in Macau - © APA / AFP / Eduardo Leal

Woher kommt der nächste Pontifex?

Die „Kontinentalverschiebung“ im Kardinalskollegium ist unter Papst Franziskus weiter vorangeschritten.

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Kaum eine Frage wird aktuell in Hinblick auf das am 7. Mai beginnende Konklave häufiger gestellt: Ist nach dem Südamerikaner Jorge Mario Bergoglio mit einem weiteren nichteuropäischen Papst zu rechnen? Kommt er vielleicht diesmal aus Afrika oder Asien? Beides wäre kein absolutes Neuland in der Kirchengeschichte, auch wenn es lange so schien, als wäre Europa seit jeher auf dieses Amt abonniert. Schon der erste Papst stammte aus Asien. Er wuchs als jüdischer Fischer Simon auf, ehe er sich Jesus von Nazaret anschloss und schließlich in dessen Auftrag die Aufgabe übernahm, die junge christliche Herde zu weiden. Petrus gilt als erster Bischof von Rom – und bis heute haben sich Päpste, auch Franziskus bei seinem Amtsantritt, deutlich auf diese Funktion bezogen, wobei der Bischof von Rom auch schon früh den Anspruch auf die Leitung der gesamten Kirche erhob. Es dürfte sogar sieben in Asien – meist in Syrien – geborene Päpste gegeben haben, der letzte von ihnen war Gregor III. im achten Jahrhundert. Zumindest zwei, vielleicht sogar drei Bischöfe von Rom sollen aus Afrika gestammt haben, allerdings aus Nordafrika, das damals so wie der vordere Orient zum mediterranen, römisch-griechisch-jüdisch geprägten Kulturkreis zählte

Wahl durch das Volk

In den ersten Jahrhunderten wurde in Rom wie in der übrigen christlichen Welt der Bischof vom Klerus und vom Volk gewählt, erst später ging das Wahlrecht auf kleinere Gremien wie Domkapitel über. Heute werden weltweit fast alle Bischöfe vom Papst ernannt, nur den Bischof von Rom wählen seit dem elften Jahrhundert die von seinen Vorgängern „kreierten“ Kardinäle. Sie repräsentieren, auch wenn sie jetzt aus aller Welt kommen, gleichsam den Klerus von Rom, weil jedem Kardinal unabhängig von seiner sonstigen Funktion auch eine „Titelkirche“ in Rom zugewiesen wird. Die geografische Ausweitung des Kardinalskollegiums auf Mitglieder außerhalb Europas dauerte fast ein Jahrtausend. Im zwölften Jahrhundert stammten 80 Prozent der Kardinäle aus Italien, zwölf Prozent aus Frankreich, der Rest aus Deutschland, England, dem Burgund und dem heutigen Belgien. In den darauf folgenden hundert Jahren wuchs der französische Anteil auf 22 Prozent, der italienische sank auf 65 Prozent, dazu kamen acht Engländer, ein Ungar, zwei Portugiesen, vier Spanier und zwei Deutsche. Während der „Babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ in Avignon im 13. Jahrhundert stellte Frankreich 85 Prozent der neuen Kardinäle – der weitaus größte Teil kam aus einer bestimmten Region Südfrankreichs, der auch die damals gewählten Päpste entstammten.

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