Weißer Rauch über der Sixtina - © Foto: APA /  AFP / Alberto Pizzoli

Konklave: Die nächsten Tage werden entscheidend sein

Am 7. Mai beginnt die Wahl des nächsten Papstes. Warum das Konklave diesmal kurz ausfallen könnte und wer sich Chancen auf den Stuhl Petri ausrechnet, in einem Überblick.

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Rund 250.000 Menschen haben am Wochenende laut Schätzungen in Rom Abschied von Papst Franziskus genommen. Tausende Polizisten und Militärs sorgten für die Sicherheit der hochrangigen Staatsgäste. 4500 Medienvertreter berichteten aus der Ewigen Stadt. Diese war im Ausnahmezustand und der Vatikan Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Unterdessen steuert die katholische Welt bereits auf das nächste Spektakel zu: Das Konklave wird ab dem 7. Mai hinter den verschlossenen Türen der Sixtinischen Kapelle abgehalten.

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Bis dahin findet bereits das Vorkonklave statt, bei dem die Kardinäle mit Blick auf die kommende Papstwahl regelmäßig zusammenkommen. Von den 252 Kardinälen sind allerdings nur 135 wahlberechtigt, weil sie unter 80 Jahren alt sind. Auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn ist zwar bei den sogenannten „Kongregationen“ dabei, wird aber nicht an der streng geheimen Papstwahl in der Sixtinischen Kapelle teilnehmen, nachdem er im Jänner seinen 80. Geburtstag feierte. Damit ist erstmals seit 1958 kein Österreicher unter den Papstwählern. Gewählt werden könnte Schönborn theoretisch trotzdem. Entsprechende – vom italienischen TV-Sender RAI lancierte – Gerüchte, die Schönborn tatsächlich als möglichen Franziskus-Nachfolger ins Spiel brachten, wehrte der Kardinal allerdings als „reine Spekulation“ ab.

Einig sind sich die Wettanbieter darin, dass die bisherige Nummer Zwei im Vatikan, der italienische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (70), als Topfavorit ins Konklave gehen wird

Auch Wettbüros und Buchmacher sehen Schönborn allenfalls mit Außenseiterchancen. Einig sind sich die Wettanbieter darin, dass die bisherige Nummer Zwei im Vatikan, der italienische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (70) als Topfavorit ins Konklave gehen wird. Auf den Plätzen zwei und drei haben fast alle den philippinischen Kurienkardinal Luis Antonio Tagle (67) und mit dem Erzbischof von Bologna, Kardinal Matteo Zuppi (69), einen weiteren Italiener gelistet. Gute Chancen haben – geht es nach den Buchmachern – auch der Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa (60), der ghanaische Kurienkardinal Peter Turkson (76) sowie der Erzbischof von Kinshasa, Kardinal Fridolin Ambongo Besungu (65). Auch der Erzbischof von Marseille und Franziskus-Vertraute, Erzbischof Jean-Marc Aveline (66), wird immer wieder als papabile genannt. Aus dem österreichischen Nachbarland Ungarn gehört Kardinal Péter Erdő (72) immerhin zum erweiterten Kandidatenkreis, ebenso wie der erzkonservative emeritierte Kurienkardinal Robert Sarah (79) aus Guinea.

Pietro Parolin: der Spitzendiplomat des Vatikan

Parolin - © Foto: Helmberger
© Foto: Helmberger

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (70) gilt als einer der Favoriten für die Papstnachfolge. DIE FURCHE traf den Top-Diplomaten des Heiligen Stuhls im Juni 2023 im Rahmen einer von Kardinal Christoph Schönborn begleiteten Pressereise der Kathpress in den Vatikan. Die Stimmung im Gespräch war durchaus aufgeräumt. Inhaltlich ging es um die damalige Vermittlungsmission von Kardinal Matteo Zuppi zwischen Moskau und Kyjiw, die fehlende gemeinsame Linie des europäischen Episkopats im Umgang mit Flucht und Migration und das schwierige Verhältnis des Heiligen Stuhls mit China.

Ein Papst wie Trump?

Nach katholischer Überzeugung wird der Heilige Geist die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle bei ihrer Suche nach dem neuen Papst begleiten und unterstützen. Es gehe rein darum, auszuloten, „wen Gott für diese Aufgabe bestimmt hat“, ist demnach auch die Standardantwort der Kardinäle auf Medienanfragen. Faktisch ist die Wahl höchst politisch, wird doch über nichts Geringeres als die Linie, die die katholische Kirche in den kommenden Jahren einschlagen soll, abgestimmt.

Ein offenes Geheimnis ist es, dass sich die konservativen US-Katholiken, die es unter Präsident Trump bis in höchste Ämter der US-Administration geschafft haben, einen Papst auf der Linie des amerikanischen Präsidenten wünschen. Bekannter Vertreter dieser Gruppierung unter den Papstwählern ist der US-amerikanische Kurienkardinal Raymond Burke. Diesem wurden 2023 von Papst Franziskus als Strafmaßnahme noch Dienstwagen und Gehalt gestrichen. Burke gehörte auch zu den Verfassern der sogenannten Dubia (Zweifel), einem Dokument, mit dem fünf prominente Kardinäle den Papst zur Klärung zentraler Lehrfragen aufforderten, darunter die Stellung von wiederverheirateten Geschiedenen. Da der Einfluss des US-amerikanischen Episkopats unter Franziskus stark zurückgegangen ist und immerhin 80 Prozent der wahlberechtigten Kardinäle von Franziskus ernannt wurden, ist ein solches Schreckensszenario allerdings eher unwahrscheinlich. So befindet sich unter den favorisierten Kandidaten auch kein einziger US-Amerikaner.

Italien oder „Peripherie“

Interessanter wird wohl die Frage, ob nach drei Nicht-Italienern auf dem Stuhl Petris erstmals wieder ein Italiener zum Papst gewählt werden könnte. Pietro Parolin wäre sicher ein heißer Kandidat, wenn es darum geht, die mannigfachen, von Franziskus angestoßenen Reformen in kirchenrechtlich umsetzbare und praktikable Regelungen zu gießen. Zudem ist Parolin nach Jahren im Amt des Kardinalstaatssekretärs diplomatisch beschlagen, was bei den aktuellen geopolitischen Krisen mit Sicherheit kein Nachteil wäre. Der 70-Jährige gilt als einer, der die Linie von Franziskus im Großen und Ganzen fortführen würde. Nachteil: Ein Charismatiker, wie es sein bisheriger Chef war, ist Pietro Parolin nicht.

Lange galt der Kardinal Luis Tagle als der logische Nachfolger des verstorbenen Papstes. Allerdings hatte die Karriere des Philippiners zuletzt einen Knick: Franziskus setzte ihn als Leiter der internationalen Caritas ab.

Mit Matteo Zuppi gilt ein weiterer Italiener als papabile. Der 69-Jährige hat als Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz großen Einfluss. Papst Franziskus vertraute ihm ganz und schickte ihn etwa als Vermittler an heikle Schauplätze wie etwa die Ukraine, Russland, aber auch China. Zuppi gilt als Reformer, der aber auch ausgleichend wirken kann. Der Erzbischof von Bologna ist zudem als Straßenseelsorger bekannt und lebt bescheiden in einem Altersheim, nicht aus Gründen der Gebrechlichkeit, sondern um näher an den Menschen zu sein.

Als großer Favorit der „Peripherie“ geht der Philippiner Luis Antonio Tagle ins Konklave. Wie Franziskus setzt er sich für eine Kirche an der Seite der Armen ein. Der ehemalige Erzbischof von Manila leitete zudem als Pro-Präfekt das Dikasterium für die Evangelisierung, das unter Franziskus eine massive Aufwertung erhalten hatte. Lange galt Tagle als der logische Nachfolger des verstorbenen Papstes. Allerdings hatte seine Karriere zuletzt einen Knick: Franziskus setzte ihn als Leiter der internationalen Caritas ab. Insider sprachen zudem von chaotischen Zuständen in den von Tagle geleiteten Vatikan-Abteilungen.

Wie lang sich die katholische Welt diesmal gedulden muss, wird wohl stark davon abhängen, inwieweit die Kardinäle sich bereits vor dem Einzug in das eigentliche Konklave auf ein Profil verständigen können.

Diejenigen, die sich einen Papst vom afrikanischen Kontinent wünschen, müssten wohl mit einem deutlich konservativeren Pontifikat als jenem von Papst Franziskus rechnen. Sowohl Peter Turkson als auch Fridolin Ambongo Besungu würden etwa den progressiven Kurs von Franziskus in Sachen gleichgeschlechtlicher Paare nicht weiterführen. Während Ambongo dafür sorgte, dass die Regelung für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in Afrika keine Gültigkeit erfuhr, stellte Turkson gleich gänzlich in Abrede, dass es unter den afrikanischen Katholiken überhaupt Homosexuelle gebe. Noch konservativer eingestellt ist Kardinal Robert Sarah aus Guinea. Der Hardliner spricht sich gänzlich gegen Reformen in der Kirche aus und gilt als Wunschkandidat fundamentalistischer Katholiken.

Peter Turkson im FURCHE-Interview

Peter Turkson - © Foto: Foto Fischer
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"Green Europe. Deal or no deal?“ lautete im Juni 2022 das Thema des Pfingstdialogs auf Schloss Seggau. Im damaligen Interview mit FURCHE-Chefredakteurin Doris Helmberger-Fleckl sprach Kurienkardinal Peter Turkson über globale Solidarität, Klimaschutz und die Aufgabe der Kirche.

Die Augen der Welt werden also weiterhin auf Rom gerichtet sein und aussichtsreiche Kandidaten auf Schritt und Tritt von der akkreditierten Presseschar beobachtet werden. Wie lange das Konklave dauern wird und wann tatsächlich der berühmte weiße Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle aufsteigen wird, lässt sich freilich nicht abschätzen. So dauerte das Konklave 2005, bei dem Joseph Ratzinger als Papst Benedikt XVI. hervorging, gerade einmal zwei Tage und vier Wahlgänge. Bei der Wahl Jorge Mario Bergoglios im Jahr 2013 waren auch nur fünf Wahlgänge vonnöten, das Konklave dauerte ebenfalls nur zwei Tage. Wie lang sich die katholische Welt diesmal gedulden muss, wird wohl stark davon abhängen, inwieweit die Kardinäle sich bereits vor dem Einzug in das eigentliche Konklave auf ein Profil verständigen können. Insofern werden die nächsten Tage wohl entscheidend sein.

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