Papst Franziskus auf Lesbos 2021 - © Foto: APA / AFP / Vatican Media

Papst Franziskus: Eine andere Kirche ist möglich

Aus universalkirchlicher Perspektive hinterlässt Papst Franziskus eine andere Kirche, als er sie 2013 vorgefunden hat. Diese mag nicht so aussehen, wie es viele hierzulande – konservativ wie liberal – erwartet haben.

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Was bleibt vom Pontifikat von Papst Franziskus – und aus welcher Perspektive soll diese Einschätzung erfolgen? Nimmt man z.B. die Anliegen der österreichischen Kirche im synodalen Prozess als Maßstab, zeigt sich ein widersprüchliches Bild. Zwar kritisierte Papst Franziskus unermüdlich den Klerikalismus, d.h. den Machtmissbrauch durch kirchliche Amtsträger, aber kirchenrechtliche Folgen hatte diese Kritik auch nach den beiden Weltsynoden nicht. Auch die Stärkung der Rolle von Laien in der Kirche, vor allem von Frauen, gehörte zu den Anliegen des Papstes, aber das Weiheamt für Frauen wie auch die Stärkung von Laienrechten sind ausständig. So bleiben viele Reformhoffnungen unerfüllt und vor allem viele Frauen enttäuscht zurück. Der Religionsjournalist Michael Meier bezeichnete Papst Franziskus sogar als einen „Papst der Enttäuschungen“, der als Seelsorger zwar immer wieder Barmherzigkeit über Lehramt und Dogma stellte, aber als Hirte alles beim Alten ließ.

Zuhören und Verständnis

Aber wird diese auf Eigeninteressen fokussierte Perspektive dem Wirken des Papstes gerecht? Widerspricht sie nicht sogar seinem Anliegen eines Kulturwandels im Zeichen der Umkehr? Denn Papst Franziskus wollte vor allen Reformen zuerst einen neuen Stil bei Entscheidungen etablieren, der auf Zuhören und Verständnis für andere als die eigene Position sowie geistliche Vertiefung setzt – und so aus den auch in der Kirche üblichen Machtkämpfen aussteigen. Man versteht dieses Anliegen vielleicht besser, wenn man die jesuitische Spiritualität des Papstes berücksichtigt. Zu dieser gehört als Voraussetzung jeglicher Entscheidung die sogenannte „Indifferenz“, d.h. jene innere Freiheit, die immer auch bereit ist für das Gegenteil dessen, was man selbst will, weil nur so Gott wirken kann. Davon aber sind viele Gläubige, „links“ wie „rechts“, – seien wir ehrlich – doch noch ziemlich entfernt. Ohne solch innere Haltung aber fällt ein Jesuit keine Entscheidung. Möglicherweise hat der Papst mit diesem Ziel das kirchliche Personal über- wie auch den „politischen“, d.h. immer auch Machtinteressen aushandelnden Charakter der Kirche unterschätzt. Dies wird wohl die Wahl des nächsten Papstes zeigen. Aber die (Nicht)Entscheidungen des Papstes lassen sich so besser verstehen.

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