Franziskus - © Foto: Andrew Medichini / AP / picturedesk.com

Papst Franziskus’ 85. Geburtstag: Boden für Neuland bereiten

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Er ist der erste Lateinamerikaner auf dem Stuhl Petri. Und der erste Jesuit. Als er 2013 mit 77 zum Papst gewählt wurde, schien ein kurzes Pontifikat bevorzustehen. Zu Franziskus’ 85. Geburtstag am 17. Dezember.

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Er ist der erste Lateinamerikaner auf dem Stuhl Petri. Und der erste Jesuit. Als er 2013 mit 77 zum Papst gewählt wurde, schien ein kurzes Pontifikat bevorzustehen. Zu Franziskus’ 85. Geburtstag am 17. Dezember.

Nun wird er also demnächst 85 . Und er ist immer noch Papst. Obwohl er selber, als er am 13. März 2013 gewählt wurde, im 77. Lebensjahr stehend, mit einem kurzen Pontifikat gerechnet hat: drei oder vier Jahre vielleicht. Es ist anders gekommen. Die Anfang Juli kurzfristig fällige Darm-OP, der sich Papst Franziskus unterziehen musste, hat jedoch deutlich gemacht, dass jeder Tag der letzte sein kann. Wie bei jedem Menschen natürlich. Aber wenn ein Papst stirbt oder amtsunfähig wird, ist das etwas Anderes.

Ende August plauderte Papst Franziskus dann aus, dass ihm ein Krankenpfleger das Leben gerettet habe, weil er erkannt hatte, dass eine Operation unumgänglich ist. Damit schloss sich ein Kreis: Weil Jorge Mario Bergoglio schon als junger Mann an der Schwelle des Todes stand, als ihm ein Teil des rechten Lungenflügels mit drei Zysten entfernt wurde. Dabei gab es Komplikationen. Eine Krankenschwester verabreichte ihm, entgegen den ärztlichen Anweisungen, die dreifache Dosis eines Medikaments – und das hat ihn damals gerettet, mit 21. Ein Jahr später, 1958, trat Bergoglio, mit einem Abschluss als Chemietechniker in der Tasche, in den Jesuitenorden ein.

Gegen die Selbstbezogenheit

Man erinnert sich: Nach heftigen Debatten im Vorkonklave, in dem der Erzbischof von Buenos Aires durch eine Brandrede auffiel, in der er sich gegen die Selbstbezogenheit (autoreferencialidad) der Kirche aussprach, entschieden sich die Kardinäle im fünften Wahlgang für den ersten Lateinamerikaner als Bischof von Rom. Sie stimmten damit der Diagnose zu, dass eine Kirche, die nur um sich selbst kreist, krank ist. Ordensmänner stellten bisher etwa zehn Prozent der Päpste, nun war es erstmals in der Geschichte ein Jesuit.

Durch markige und saloppe Sprüche, manche davon verunglückt oder durch die Übersetzung in andere Sprachen zugespitzt, durch harte Kritik an der römischen Kurie, durch Direktheit und Spontaneität, einen überzeugenden Lebensstil und einfaches Auftreten fiel der Neue auf. Der Papst wurde nahbar. Die Metaphern von einer „Kirche der offenen Türen“, der Kirche als „Feldlazarett“ blieben hängen, Barmherzigkeit wurde zum Cantus firmus einer Pastoral, die nicht abrechnen und aufrechnen sollte, sondern helfen. Dienen statt befehlen lautet das Motto. Dabei lässt Franziskus sich weder ausbremsen noch bevormunden. Vieles erfolgt nach wie vor am Protokoll vorbei.

Es heißt oft: Dieser Papst fremdelt mit dem Amt, er vernachlässigt Strukturen und verachtet den Apparat. Entscheidet er schnell, kompromisslos oder hart, heißt es: Wo bleibt die Barmherzigkeit? Franziskus kann sich für Fehleinschätzungen auch entschuldigen, er nimmt Entgleisungen zurück, räumt ein, dass er zu schnell reagiert hat oder falsch informiert war. Wer ihm vorwirft, er sei „beratungsresistent“, konnte erleben, dass er eine komplette Bischofskonferenz in den Vatikan zitierte. Die chilenischen Bischöfe boten geschlossen ihren Rücktritt an – wegen ihres Umgangs mit Missbrauchsfällen. Der „Kinderschutzgipfel“ im Vatikan im Februar 2019 führte schon drei Monate später zu gravierenden Verschärfungen im Kirchenrecht.

Skandale (Missbrauch, Finanzen, verunglückte Personalien) blieben auch zwischen 2013 bis 2021 nicht aus. Franziskus setzt weniger auf Machtworte (an denen es nicht fehlte) als auf Überzeugungsarbeit. Kardinäle und Bischöfe, denen das nicht passt, lässt er oft gewähren, auf Ultimaten geht er nicht ein – man denke an die vier „Dubia“-Kardinäle, die Erläuterungen zum nachsynodalen Schreiben „Amoris laetita“ verlangten. Einen Kurienkardinal hat Franziskus vor Gericht gebracht. Der US-amerikanische Kardinal Theodore E. McCarrick wurde wegen sexuellem Missbrauch gar aus dem Klerikerstand entlassen. Kardinal George Pell wurde zwar freigesprochen, aber das mangels an Beweisen. Der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, resignierte vor der Zeit und arbeitet jetzt wieder in der Seelsorge.

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