Papst Leo XIV.
DISKURS
Warum Franziskus ein Jahrtausendpapst war
Am Morgen des Ostermontags ist Papst Franziskus in seiner Wohnung im Vatikanischen Gästehaus Santa Marta gestorben. Dort nächtigen für gewöhnlich die aus aller Welt angereisten Kardinäle während eines Konklaves. Dass Jorge Mario Bergoglio nach seiner Wahl zum 266. Bischof von Rom am 13. März 2013 aus dem bescheidenen Gästehaus erst gar nicht aus- und wie üblich in den Apostolischen Palast einzog, machte augenblicklich klar, wie ernst es der damals 77-jährige Argentinier mit der Wahl seines – dem Armenheiligen Franz von Assisi entlehnten – Namens meinte.
Von Konservativen ausgebremst
Bekannt ist, wie der Menschenfreund Franziskus im Laufe der Jahre sein Pontifikat interpretierte: Er zeigte keine Scheu, aß mit Obdachlosen und umarmte Kranke, das Tragen einer kugelsicheren Weste, etwa bei Reisen in unsichere Regionen, soll er meistens abgelehnt haben. All diese Gesten brachten Franziskus, auch weit über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus, Sympathien ein. Geschickt in Szene gesetzt wurden sie zudem von einer Vatikanischen Pressestelle, die es aufgrund der Unberechenbarkeit ihres Chefs nicht immer leicht hatte. Franziskus trug das Herz stets auf der Zunge, was zu mehr oder weniger großer Aufregung führte (Stichworte „Weiße Fahne“, „Schwuchteleien“ usw.). Letztlich verzieh die Öffentlichkeit dem Argentinier meist schnell, was sicherlich auch an Franziskus’ im Allgemeinen unverkrampftem Umgang mit dem Papstamt lag.
Auch abseits der Symbolik war Franziskus ganz ein Papst des 21. Jahrhunderts. In Sachen Klimaschutz wirkte er mit seiner Umweltenzyklika Laudato si’ weit über die kirchlichen Wahrnehmungsgrenzen hinaus. Immer wieder kritisierte er die „Wegwerfgesellschaft“, allerdings nicht nur in Bezug auf die Umwelt, sondern auch bei Abtreibungen und Sexualmoral. In diesen Bereichen wich er von der Lehre der katholischen Kirche keinen Zentimeter ab. Eine Ausnahme bildete der Umgang mit Homosexuellen, die er immer als Teil der katholischen Kirche verstand. Ausgebremst wurde er in der Debatte um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare letztendlich aber doch von konservativen Kräften. So war es der von Franziskus selbst ernannte Kardinal Fridolin Ambongo Besungu aus dem Kongo, der die Regelung in Afrika für null und nichtig erklärte.
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