Papst Franziskus
DISKURS
Franziskus, der erste Jesuitenpapst
Jesuitenkardinäle im Konklave gab es immer wieder einmal. Einen Jesuitenpapst noch nie. Der 13. März 2013 war deswegen eine Premiere. So wie auch der Papstname, der zum Programm wurde: Franziskus. Noch nie hatte sich ein Papst so genannt. Noch nie war ein Lateinamerikaner gewählt worden. Die Kirche brauchte Zeit, um all das zu verkraften. Der Jesuitenorden auch. Nun ist Papst Franziskus im 89. Lebensjahr gestorben.
Nach dem deutschen Benedikt XVI. mit armer Körpersprache ein Argentinier mit italienischem Migrationshintergrund, der sehr direkt auf Menschen zuging, buchstäblich mit der Tür ins Haus fallen konnte mit Blitzbesuchen oder Handyanrufen, geradezu inflationär von Zärtlichkeit und Barmherzigkeit sprach und mit eingängigen, oft etwas schrägen, hierzulande missverständlichen Bildern und Vergleichen („Karnickel-Gate“, „Klaps-Debatte“) aufhorchen ließ. Franziskus wurde zur riesigen Projektionsfläche. Barack Obamas Wahlkampfslogan „Yes We Can“ (2008) galt auch für Franziskus: Plötzlich durfte nachgedacht und geredet werden, worauf zuvor Sanktionen standen.
Kirche als Feldlazarett
Der Papst „vom anderen Ende der Welt“ ließ aufatmen. Viele fühlten sich an Johannes XXIII. (1958–1963) erinnert. Franziskus, im 77. Lebensjahr ins höchste Amt der Kirche gewählt, rechnete selbst mit einem kurzen Pontifikat: vier oder fünf Jahre. Nun sind es ein Dutzend geworden. Und dieser Bischof von Rom hat die Kirche verändert – nachhaltiger, als manche bereit sind zu sehen und anzuerkennen. Die Metaphern von den „offenen Türen“ und von der „Kirche als Feldlazarett“ werden ihn überdauern. Als Vermächtnis.
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