Sixtinische Kapelle vor demn Konklave - © APA / AFP / Osservatore Romano / Handout
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Papst-Experte Batlogg: „Mit Kardinälinnen würde das Konklave anders ausgehen“

Im FURCHE-Interview erklärt Andreas R. Batlogg die geheimnisumwittertste Wahl der Welt – und sagt, warum er glaubt, dass die Linie des verstorbenen Papstes zwar fortgeführt werden, der nächste Pontifex aber nicht Franziskus II. heißen wird.

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Am Mittwoch, dem 7. Mai, startet in Rom das Konklave, wo in der Sixtinischen Kapelle unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein neuer Papst für die katholische Kirche gewählt wird. Was rund um das Konklave passiert, wie die Entscheidungsbildung unter den Kardinälen vonstattengeht, womit zu rechnen ist und womit eher nicht, erklärt der FURCHE-Autor und Papst-Experte Andreas R. Batlogg im FURCHE-Interview.

DIE FURCHE: Herr Batlogg, was ist Ihre Erwartung an das Konklave?

Andreas R. Batlogg SJ: Dass sie den Besten finden! Ich glaube, dass die Hautfarbe, die Nation oder der Kontinent dabei keine Rolle spielen. Es muss ein Mann sein, der in gewisser Weise die Themen von Franziskus aufgreift, weiterführt und auch abschließt. Es ist ja einiges auf der Strecke geblieben. Eine theologische und auch kanonistische Konsolidierung steht an, die die von Franziskus auf den Weg gebrachte neue Pastoralkultur verstetigt und absichert. Was ich mir nicht vorstellen kann ist: ein theologischer Hardliner.

DIE FURCHE: In aller Munde war in den vergangenen Tagen das Vorkonklave, an dem auch die Kardinäle teilnehmen, die aus Altersgründen bei der eigentlichen Papstwahl nicht dabei sind. Wie wichtig sind diese sogenannten „Generalkongregationen“?

Batlogg: Sehr wichtig. Gerade dieses Mal sind 108 der 133 Wahlmänner zum ersten Mal bei einem Konklave dabei. Sie kommen aus allen Ecken der Welt nach Rom und müssen sich zum Teil erst einmal kennenlernen, dafür sind die Generalkongregationen ein gutes Instrument. Ich würde aber auch die Rolle der älteren Kardinäle nicht unterschätzen – darunter eben Kardinal Schönborn, Walter Kasper oder der 91-jährige Kardinaldekan Giovanni Battista Re, der der Messe (Pro Eligendo Romano Pontifice) am ersten Tag der Papstwahl vor dem Einzug in die Sixtinische Kapelle vorstehen wird. Diese erfahreneren Kardinäle können hoffentlich im Vorfeld darauf Einfluss nehmen, dass die Wahl tatsächlich ein geistlicher Prozess wird und nicht von politischen Kategorien oder Machenschaften überschattet wird.

„Es ist jedenfalls nicht die Zeit, um einen Schritt rückwärts zu machen oder schlimmer noch, Rachepläne und Machtbündnisse zu schmieden. Vielmehr bedarf es einer radikalen Bereitschaft, in den Traum Gottes einzutreten“: Das sagte Kardinal Baldassare Reina, der Vikar des verstorbenen Papstes für das Bistum Rom, in seiner Predigt bei der Messe am dritten Tag der neuntägigen Trauerzeit. Gleichzeitig werden bei den Generalkongregationen durchaus Pflöcke eingeschlagen. Denken Sie an die berühmte Rede Mario Jorge Bergoglios von 2013, in der er vom Übel einer nur um sich selbst kreisenden Kirche sprach. Auch Joseph Ratzingers Relativismus-Rede 2005 bei der Eröffnung des Konklaves als Kardinaldekan hatte wohl Einfluss auf das Konklave im Anschluss.

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