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Essen mit GENuss

Bald könnte EU-weit Mais angebaut werden, der seine natürlichen Feinde selbst tötet. In Österreich formiert sich allerdings heftiger Widerstand gegen die gentechnik-veränderte Landwirtschaft. von claudia feiertag

Wenn es nach dem US-amerikanischen Biotech-Unternehmen Monsanto ginge, würde bald in der gesamten Europäischen Union dem schädlichen Maiszünsler der Appetit vergehen. Denn die Maislinie "Mon810" wurden in den EU-Sortenkatalog aufgenommen und ist dadurch mit ihren derzeit 17 registrierten Sorten - theoretisch - in der gesamten Union zum Anbau freigegeben. Der Mais ist mit einem Gen versehen, das den Bauplan für ein bestimmtes Gift enthält und so den ungeliebten Maiszünsler abtötet. Somit müssten beim Anbau keine oder jedenfalls weniger Insektenvernichtungsmittel eingesetzt werden.

Verbotenes Verbot

Nachdem bereits im Frühjahr erstmals seit sechs Jahren die EU-weite Einfuhr und Verarbeitung eines genveränderten Produktes, nämlich des Süßmaises BT11, zugelassen wurde, ist nun also auch der Anbau von Mon810 in der gesamten EU erlaubt, solange er gekennzeichnet ist. Aber eben nur theoretisch, denn Österreich hat den Anbau genau dieser Maissorte bereits vor Jahren untersagt. Allerdings ist dieses Verbot wahrscheinlich EU-rechtswidrig. Ein Landwirt, der das MonsantoProdukt anbauen will, könnte folglich beim Europäischen Gerichtshof klagen, "und würde vermutlich Recht bekommen", erklärt Ulrich Herzog, Leiter der Abteilung Verbrauchergesundheit im Gesundheitsministerium. Damit würde sich der Bauer jedoch höchst unbeliebt machen. Denn in der Ablehnung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in der Landwirtschaft scheint österreichweit große Einigkeit zu herrschen: Der Vorarlberger Agrar-Landesrat Erich Schwärzler hat angekündigt, die Bewilligung für die Aussaat zu verweigern. In Oberösterreich gilt ein generelles Verbot von GVO in der Landwirtschaft (was ebenfalls EU-widrig ist). Kärnten, Salzburg, Tirol und Steiermark haben entweder schon entsprechende Gesetze, um eine Aussaat im Einzelfall verhindern zu können, oder bereiten sie gerade vor. Auch Landwirtschaftsminister Josef Pröll favorisiert Gentechnikfreiheit in seinem Zuständigkeitsbereich.

Vorläufig bleibt Saatgut mit GVO jedoch ohnehin österreichweit verboten. "Wir werden sicher nicht von uns aus etwas ändern und das Verbot von Mon810 aufheben, es sei denn, wir werden von der EU dazu gezwungen", betont Herzog gegenüber der Furche. Derzeit darf also kein absichtlich gentechnisch verändertes Saatgut verwendet werden. Liegt bei konventionellem Saatgut durch unbeabsichtigte Verunreinigung der GVO-Anteil über 0,1 Prozent, ist ein Inverkehrbringen in Österreich ebenfalls verboten.

Sollte Österreich jedoch durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes oder durch die Kommission gezwungen werden, daran etwas zu ändern, glauben sich die zuständigen Stellen gewappnet. Vergangene Woche passierte die Novelle zum Gentechnik-Gesetz den Ministerrat, am 1. Jänner 2005 ist ihr Inkrafttreten geplant. Geregelt sein wird darin nicht nur, dass jede Anbaufläche mit Gentech-Saatgut in einem öffentlich zugänglichen Register verzeichnet sein muss, sondern auch die Haftungsfrageder Bauern, die auf dieses Saatgut zurückgreifen. Denn wer glaubhaft machen kann, dass seine konventionell oder nach Biolandbau-Kriterien bepflanzten Felder beispielsweise durch Pollenflug mit gentechnisch veränderten Organismen kontaminiert sind und er daraus einen Schaden erlitten hat, kann den Verursacher auf Schadenersatz klagen. Wegen dieses Haftungsrisikos ist Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat zuversichtlich, dass es auch künftig keine GVO auf österreichischen Feldern geben wird.

Erlaubnis ohne Folgen

Helmut Gaugitsch von Umweltbundesamt schätzt die Situation ähnlich ein. Zwar erwartet er, dass die Kommission gegen das österreichische Verbot von Mon810 vorgehen wird. Aber er glaubt nicht, dass danach der Mais auch angebaut wird: "Nicht nur politisch, sondern auch in der Landwirtschaft gibt es derzeit kein großes Interesse daran." Denn der Maiszünsler, gegen den die Sorte ja immun ist, sei "in Österreich ohnehin kein sehr großes Problem."

Weitere Informationen im Internet: www.bmgf.at

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