Regenwald Rodung Brasilien - © Foto: ZEF/Uni Bonn

Landwirtschaft: Gen-Schere gegen Rodung?

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Die EU sollte ihre Skepsis gegenüber der Gentechnik aufgeben, fordern deutsche Forscher. Denn ihr Einsatz in der Landwirtschaft hätte positive Effekte für den Klimaschutz.

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Die EU sollte ihre Skepsis gegenüber der Gentechnik aufgeben, fordern deutsche Forscher. Denn ihr Einsatz in der Landwirtschaft hätte positive Effekte für den Klimaschutz.

Gentechnisch veränderter Mais oder Soja werden in manchen Weltregionen bereits großflächig angebaut – in Europa bislang kaum. In der EU blickt man skeptisch auf gentechnische Anwendungen in der Landwirtschaft; die Gesetzgebung ist noch vorsichtig. Das gilt auch für die jüngste Entwicklung der zielgerichteten DNA-Veränderung mittels der Gen-Schere CRISPR („Genom-Editierung“). Doch angesichts der Klimakrise sollte hier ein Umdenken stattfinden, fordern deutsche Wissenschaftler. Denn die Landwirtschaft verursacht rund 25 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Ein Großteil davon ist durch Tierhaltung und Düngemittel bedingt. Allerdings ist ein beträchtlicher Teil dieser Emissionen – mehr als 30 Prozent – auch darauf zurückzuführen, dass Wälder abgeholzt und Natur­flächen in Ackerland umgewandelt werden. Das passiert, weil die Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln weltweit im Steigen begriffen ist.

Ackerland versus Regenwald

Gentechnische Veränderungen an Nutzpflanzen dienen meist dazu, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Insekten sowie die Toleranz gegenüber Herbiziden zu erhöhen. Weltweit könnte Gentechnik zu einer Ertragssteigerung von circa 22 Prozent führen, wie eine Meta-Analyse zahlreicher Studien (2020) ergab. „Die Nutzung besserer Technologien zur Steigerung der Erträge auf den bereits genutzten Flächen könnte weiteren Landnutzungswandel eindämmen – und somit die Emissionen reduzieren“, sagt Matin Qaim, Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung an der Universität Bonn. Der Agrarökonom war an einer Studie beteiligt, in der globale Ertragseffekte in Relation zur Landnutzung und den Treibhausgasemissionen berechnet wurden. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Trends in Plant Sciences publiziert: Demnach könnte der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen (GVOs) in der EU zu einer Einsparung von 33 Millionen Tonnen CO₂ führen. Das entspricht rund 7,5 Prozent der gesamten jährlichen Emissionen der EU-Landwirtschaft.

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