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Coronakrise: Kleine Kinos trifft es hart

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Kleine Kinos leiden besonders unter der Corona-Zwangsschließung. Eine Online-Plattform für heimische Filme bringt da nur wenig Entlastung.

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Kleine Kinos leiden besonders unter der Corona-Zwangsschließung. Eine Online-Plattform für heimische Filme bringt da nur wenig Entlastung.

Die Coronakrise hat das Land noch immer fest im Griff, auch die Filmszene. Besonders stark getroffen hat es in Österreich da diejenigen, die filmkulturelle Nahversorgung betreiben: Zwar haben sämtliche Kinos geschlossen, doch die großen Multiplexe operieren in ganz anderen Sphären als etwa kleine Programm- und Einsaalkinos, denen die Existenzgrundlage völlig weggebrochen ist, oft bei gleichzeitiger Absenz jeglicher Rücklagen.

Schon am Beginn der Krise war es etwa der Betreiberin des Admiral-Kinos, Michaela Englert, klar: „Ohne Kinobesucher fehlt uns jegliche Grundlage – und dennoch müssen wir unsere zwei, drei Angestellten zahlen und die sonstigen laufenden Kosten. Die Maßnahmen treffen uns, wie auch die anderen Kinos und Kulturbetriebe, grauenhaft und existenziell.“ Soforthilfemaßnahmen sind für KMUs und EPUs zwar vorhanden, aber nicht in der ausreichenden Höhe, meinen Kritiker.

Die Kinolandschaft könnte sich durch die Krise also nachhaltig verändern, denn einige der kleineren Player müssen vielleicht für immer schließen. Unterstützungen seitens des Bundes und der Länder werden gerade erarbeitet, auch für Kulturvereine soll es demnächst Erste-Hilfe-Maßnahmen geben. Gut möglich, dass diese Maßnahmen ähnlich aufgebaut sein werden wie jene in Bayern, wo es für 240 Kinos eine Sofortprämie von 5000 Euro gegeben hat, sowie die Verdoppelung der jährlich vergebenen Programmprämien auf 860.000 Euro in Aussicht gestellt wurde. Hilfe ist das schon, aber zum Überleben dürfte es vermutlich bei weitem nicht reichen.

Für die österreichischen Programmkinos heißt es auch nach der Ankündigung von Lockerungen durch die Regierung am vergangenen Montag „Bitte warten“. „Ursprünglich hatten wir gehofft, gleich nach Ostern wieder aufsperren zu können“, heißt es aus dem Wiener Votivkino. „Das sieht nun leider nicht so aus.“ Eine Kinoöffnung dürfte sich – wie die Ausrichtung sämtlicher Veranstaltungen auch – mindestens bis Ende Juni hinziehen.

Rettung durch Video on demand?

Eine der derzeit beliebten Notlösungen für die Kinobranche ist das seit einigen Jahren vorhandene Video-On-Demand-System „Kino Vod Club“ (www.vodclub.online). Die VOD-Plattform funktioniert gemeinschaftlich mit den teilnehmenden Kinos – die meisten Programmkinos des Landes gehören inzwischen dazu. Der „Kino Vod Club“ funktioniert so: Anstatt ins Kino zu gehen, leiht sich der Zuschauer einen Stream aus einer großen Auswahl an österreichischen Kinofilmen für je knapp fünf Euro und kann den Film dann auf der Website seines zuvor ausgewählten Lieblingskinos streamen. Auf diese Weise generiert er Gelder für gleich mehrere Kreative: Die virtuelle Kinokarte wird zwischen den Kinos und den Filmschaffenden aufgeteilt.

Eine Win-Win-Situation für alle? Alexander Syllaba, Betreiber des Cinema Paradiso in St. Pölten und Baden und Geschäftsführer der Cinema Service Plattform, die das Projekt 2015 gestartet hat, berichtet jedenfalls über einen starken Zustrom zum Vod Club durch die Coronakrise: „Wir registrieren tausende verkaufte Streams in nur wenigen Tagen, täglich gibt es neue Kinos, die mitmachen.“

Zugleich gibt Syllaba zu bedenken, dass 2020 die Förderungen für das Projekt gekürzt worden sind, hofft aber auf ein Umdenken der Förderstellen. Denn: „Die Kino-VOD-Club-Umsätze werden für uns Kinos den Totalausfall am Box Office in keinster Weise kompensieren können. Aber: Es ist für uns Kinos und als Branche die letzte Möglichkeit, mit unseren Kund(inn)en aktiv in positiver Kommunikation bleiben zu können. Gut, das wir dieses ‚Tool‘ jetzt haben“.

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