André Ventura - Der frühere TV-Sportkommentator hat 2019 die rechtspopulistische Partei Chega gegründet und krempelt seither Portugals Parteienlandschaft um. - © APA / AFP / Patricia De Melo Moreira

André Ventura: Der Norbert Hofer von Portugal in der Stichwahl

Am Sonntag wird der portugiesische Präsident gewählt. Erstmals hat es ein Rechtsaußen-Kandidat in die Stichwahl geschafft. Eine von vielen Parallelen zur Bundespräsidentschaftswahl 2016 in Österreich.

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Die Umfragen für Portugals Rechtspopulisten sind eigentlich erschütternd. Bei den Präsidentschaftswahlen am Sonntag gilt der sozialistische Kandidat António José Seguro als der klare Favorit. Zwischen 60 und 70 Prozent der knapp elf Millionen Portugiesen wollen ihn wählen. Der rechtspopulistische Kontrahent André Ventura von der Chega-Partei kann demnach nur mit 26 Prozent der Stimmen rechnen.

Doch Ventura feiert seinen Einzug in die Endrunde zur Wahl des Staatsoberhauptes wie einen Sieg. Tatsächlich ist er in der Geschichte Portugals der erste Kandidat einer Rechtsaußen-Partei, dem das gelungen ist. Mehr noch: Seitdem sich Ventura im ersten Wahlgang gegen alle anderen rechtskonservativen Kandidaten durchsetzen konnte und auf den zweiten Platz kam, proklamiert er sich als neuer Anführer des portugiesischen Mitte-Rechts-Lagers im „Kampf gegen den Sozialismus“.

Doch wie konnte es Ventura, der erst 2019 die auf seine Person zugeschnittene Chega-Partei gründete, in so kurzer Zeit so weit bringen? Das liegt mit Blick auf die jetzige Wahl des Staatsoberhauptes erst einmal nur indirekt an ihm. Mit elf Kandidaten gehörte der erste Wahlgang zu den umkämpftesten der vergangenen Jahrzehnte. Vor allem die Stimmen im rechtskonservativen Lager verteilten sich auf so viele Kandidaten wie nie zuvor. „Das begünstigte den Erfolg Venturas, denn die Rechtspopulisten haben zweifellos die am besten mobilisierte Wählergruppe hinter sich“, erklärt Politikwissenschaftler António Costa Pinto von der Universität Lissabon.

Zweiparteiensystem gesprengt

Aber Ventura ist es erstmals gelungen, das traditionelle Zweiparteiensystem zu sprengen, in dem sich die Sozialisten (PS) und die Konservative (PSD) an der Macht abwechselten. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2025 wurde seine Chega-Partei knapp hinter der rechts-konservativen Parteienallianz AD von Regierungschef Luis Montenegro zweitstärkste Kraft im Lissabonner Parlament.

Der Erfolg hat verschiedene Gründe: „Einerseits liegt es an der Enttäuschung vieler Wähler, dass die beiden Volksparteien es bisher nicht hinbekommen haben, die großen Probleme des Landes wie das marode Gesundheitssystem oder der fehlende Zugang zu bezahlbarem Wohnraum in den Griff bekommen haben“, erklärt Costa Pinto.

Andererseits profiliere sich Venturas Partei als Anti-Establishment-Partei, die gegen die Unbeweglichkeit und Korruption der hiesigen Volksparteien wettert und Protestwähler anzieht, meint Hugo Ferrinho Lopes, Politikwissenschafter am Lissaboner Iscte-IUL Institut. Hinzu kommt die europaweit größer werdende Basis rechtspopulistischer Wähler, die in Portugal in Chega – zu Deutsch „Es reicht“ – ihr politisches Sammelbecken gefunden hat.

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