Gibt es Schlimmeres als das Virus?

1945 1960 1980 2000 2020

Die Pandemie hat deutlich gemacht, dass Krankheit und Tod zu den Konstanten unseres Lebens gehören. Das stellt wesentliche Sinnfragen des Menschseins ganz neu.

1945 1960 1980 2000 2020

Die Pandemie hat deutlich gemacht, dass Krankheit und Tod zu den Konstanten unseres Lebens gehören. Das stellt wesentliche Sinnfragen des Menschseins ganz neu.

Es war unmittelbar nach der Trauerfeier für Hugo Portisch am Wiener Zentralfriedhof. Die Ehrengäste standen noch auf den Stufen zur Feuerhalle und besprachen das soeben Erlebte, dazu auch ihre persönlichen Erinnerungen an den Toten, ja auch Wege, sein Vermächtnis zu bewahren. Da sagte einer von ihnen, Inhaber einer hohen Staatsfunktion, etwas bisher nicht Gehörtes: Er verdanke den Portisch-Dokumentationen über Österreichs Zeitgeschichte eine ganz aktuelle Erfahrung im Umgang mit Corona: „Wer sich an seine Bilder und Kommentare vom Kriegselend und dem zerbombten Wien erinnert, der weiß heute: Es gibt Schlimmeres als das Virus“. Das sollten wir bei allem Unglück dieser Pandemie nicht vergessen.

Eine Botschaft, die zum Nachdenken zwingt – Zustimmung und Widerspruch eingeschlossen.

Kein Zweifel: Das von zwei Weltkriegen, Diktatur und Rassenwahn zerschlagene Land von 1945 erlaubt keinen Vergleich mit der Pandemie von heute – und nimmt dem momentanen Drama enorm viel von seiner Brisanz. Und doch: Den Angehörigen von nunmehr 10.000 österreichischen Covid-Toten, den mehr als 600.000 bisher positiv bestätigten Fällen mit ihren Ängsten und Leiden wie auch den ungezählten, um ihren Arbeitsplatz, ihre Existenz zitternden Landsleuten: Ihnen allen wird dieser historische Vergleich wenig Tröstung bedeuten.

Dunkle Warnungen

Zu alledem liegt die dunkle Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über uns allen, die Menschheit müsse sich noch „auf etwas Schlimmeres als Corona vorbereiten“. Und: Wir seien darauf noch immer keineswegs ausreichend vorbereitet. Diese Gemengelage, zusammen mit den Impf-Erfolgen der jüngsten Zeit, ergibt kein glattes Fazit, wohl aber einige gesicherte Fakten:

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